Pistole der Stadtpolizei verschwunden

Wer hat diese Dienstwaffe gesehen?

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Nach dem Verschwinden einer Dienstwaffe im Frankfurter Ordnungsamt laufen die Ermittlungen der Kriminalpolizei auf Hochtouren. Ein Stadtpolizist ließ die Pistole samt Munition versehentlich in einem Toilettenraum liegen. Kurz darauf war sie weg. Wer die Waffe mitgenommen hat, ist noch zu klären.

Bei der Frankfurter Stadtpolizei, der mit 190 Mitarbeitern größten Abteilung des Ordnungsamts, ist eine Dienstwaffe verschwunden. Ein Stadtpolizist hat die Pistole des Typs SIG SAUER 226 samt einem Magazin mit 15 Polizeieinsatzpatronen in einem Toilettenraum des Ordnungsamts vergessen. Als der Zivilpolizist kurz darauf das Missgeschick bemerkte und zu der Toilette zurückkehrte, waren Waffe und Munition verschwunden.

Landespolizei und Ordnungsamt bestätigten den Vorfall, von dem diese Zeitung am Dienstagabend erfahren hatte, gestern Morgen auf Nachfrage. Das für Waffendelikte zuständige Kommissariat 15 des Frankfurter Polizeipräsidiums habe nach dem Verschwinden der Pistole am Nachmittag des 4. Mai sofort Ermittlungen aufgenommen, sagte Polizeisprecher Rüdiger Reges. Die Kripo ermittele wegen des Verdachts auf Verstoß gegen das Waffengesetz und wegen des Verdachts auf Fundunterschlagung.

Der Toilettenraum, aus dem die Pistole – Listenpreis: 2000 Euro – verschwand, liegt im 3. Stock des Ordnungsamts in der Kleyerstraße (Gallus). Dort hat die Stadtpolizei ihren Hauptsitz. Freien Zugang haben die Ordnungshüter selbst und einige andere Personen. Es gibt also viele Menschen, die die Pistole gefunden und an sich genommen haben könnten. Die Kripo hat in dem Toilettenraum nach Spuren gesucht. Zu den Ermittlungen gehört auch die Befragung der Stadtpolizisten, die am Nachmittag des 4. Mai im Dienst waren.

Michael Jenisch, Sprecher des Ordnungsamts, sprach auf Nachfrage von einem „sehr unschönen Vorfall“. Die Stadtpolizisten führten schon seit Jahren Dienstwaffen, bislang sei dergleichen aber nicht passiert. Bei dem Stadtpolizisten, der die Pistole liegenließ, handele es sich um einen sehr zuverlässigen Mitarbeiter. Er verfüge seit 2008 über eine Dienstwaffe, ohne dass es besondere Vorkommnisse gegeben habe. Eine neue Pistole sei dem Zivilpolizisten nach dem Vorfall am 4. Mai nicht zur Verfügung gestellt worden. Die Aussage, er habe die Waffe auf der Toilette vergessen, halte man aber für glaubwürdig. Es gelte nun, das Ergebnis der Ermittlungen abzuwarten.

Jenisch berichtet, dass nach dem Verschwinden der Dienstwaffe „alles abgesucht“, aber „nichts gefunden“ worden sei. „Wir gehen deshalb davon aus, dass sich die Pistole nicht mehr im Haus befindet.“ Bis jetzt gebe es allerdings „keinen erhellenden Hinweis darauf, was mit der Waffe passiert ist“. Der Behördensprecher hebt hervor, dass die 150 Waffenträger der Stadtpolizei nach dem Vorfall allesamt angesprochen und an den umsichtigen Umgang mit ihren Dienstwaffen erinnert worden seien. Grundsätzlich gebe es diesbezüglich aber eigentlich keine Defizite.

Jenisch betont: „Die Dienstwaffe ist im Holster zu tragen oder wegzuschließen.“ Warum sie der Kollege auf der Toilette aus dem Holster geholt und abgelegt hat, weiß der Behördensprecher nicht zu sagen. Er vermutet aber, dass es aus Gründen der Bequemlichkeit geschah. Zur Frage, ob dem vergesslichen Stadtpolizisten nun ein Disziplinarverfahren droht, wollte sich Jenisch auf Nachfrage nicht äußern.

Die Frankfurter Stadtpolizisten tragen ihre Dienstwaffen aus Gründen der Eigensicherung, damit sie für mögliche Angriffe an Brennpunkten wie zum Beispiel dem Bahnhofsviertel oder Alt-Sachsenhausen gewappnet sind. Seit Gründung der Stadtpolizei im Jahr 2007 musste aber noch nie Gebrauch von einer der Pistolen gemacht werden. Die Waffenträger werden laut Jenisch wie Landespolizisten aus- und weitergebildet. Dabei spielen außer dem Schießtraining, das sechs Mal im Jahr gemacht werden muss, auch das Tragen der Waffen und ihre Lagerung eine wesentliche Rolle.

Die Stadtpolizei hat spezielle Ausbilder für den Umgang mit den Dienstwaffen. Diese kontrollierten nach Angaben des Ordnungsamts auch die ordnungsgemäße Lagerung der Waffen, die am Dienstende in Schließfächern in einem alarmgesicherten Raum deponiert werden.

Informationen, der Stadtpolizei-Chef Matthias Heinrich und seine Führungskollegen hätten nach dem Verschwinden der Pistole zu spät Anzeige erstattet, wies die Landespolizei übrigens zurück: Der Vorfall sei gleich am 4. Mai gemeldet worden.

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