Julia Moniri (Grüne) auf ihrer Bank auf der Frankenallee. Hier hört
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Julia Moniri (Grüne) auf ihrer Bank auf der Frankenallee. Hier hört

Stadtpolitik

Diese Grüne in Frankfurt lebt Bürgernähe auf der Parkbank

  • Dennis Pfeiffer-Goldmann
    VonDennis Pfeiffer-Goldmann
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In einer wöchentlichen Serie portraitiert die FNP Frankfurts neue Stadtverordneten. Heute: Julia Roshan Moniri (Die Grünen).

Frankfurt -Jeden Sonntag sitzt Julia Roshan Moniri (31) auf einer Bank auf dem Mittelstreifen der Frankenallee im Gallus, Ecke Kriegkstraße. Hier können die Menschen die Grünen-Stadtverordnete ansprechen. Zum Beispiel, weil die Kreuzung genau hier so gefährlich zu sein scheint.

Das hat Moniri schon in einen Antrag gepackt für den Ortsbeirat 1, in dem sie seit April ebenfalls sitzt. Tempo-30-Markierungen sollten auf der Frankenallee angebracht werden, weil viele nicht bemerkten, dass sie in einer Tempo-30-Zone seien. Allein: Die Stadt sagte Nein. Bundesweite Regelungen lassen solche zusätzlichen Markierungen nicht zu.

Das muss Moniri nun den Bürgern erklären. Genau diese Kommunikation ist es, was die Stadtverordnete antreibt. Eine "Politik des Zuhörens mit viel Bürgerbeteiligung" will sie erreichen. Die Beteiligung solle in der Stadt automatisiert in Entscheidungen von Politik und Verwaltung implementiert werden. "Menschen sind glücklicher, wenn sie beteiligt werden und wissen, was passiert", ist Moniri überzeugt.

Politisiert worden vom Irak-Krieg

Politik ist für Moniri seit kurzem auch Hauptjob: In der Pressestelle der Grünen in Baden-Württemberg arbeitet sie als Referentin für "Text & Argumentation". Der Weg nach Stuttgart und wieder zurück sei dank ICE schnell. Und sie wohnt als Single mit zwei Wachteln im Garten sehr verkehrsgünstig nahe Galluswarte.

Schon das halbe Leben beschäftigt Moniri Politik. 16 Jahre jung, trat sie in die SPD ein. "Schröders Nein zum Irak-Krieg hat mich politisiert." In ihrem Heimatort Schwalbach am Taunus wurde sie Stadtverordnete, arbeitete sich im Haupt- und Finanzausschuss tief in die Finanzpolitik ein. 2017 zog sie dann nach Frankfurt ins Gallus und begann erneut zu studieren. Jura, 2009 in Mainz gestartet, war doch nicht ihr Ding.

Ohne Verwaltung lässt sich nichts umsetzen

Mit ihrer Erfahrung weiß die grüne Politikerin: Ohne die Verwaltung lässt sich nichts umsetzen. Um zu erkennen, was schieflaufe, helfe ihr Politik-Studium, erklärt die Tochter einer Erzieherin und eines einst vor der islamischen Revolution geflüchteten Ingenieurs aus dem Iran. Und das Philosophiestudium helfe ihr, "die richtigen Töne zu treffen".

2017 arbeitete Moniri kurz für "Pulse of Europe", die Initiative von Bürgern für eine Stärkung Europas. Nach einer Politikpause trat sie 2020 den Grünen bei. "Mit der Sozialpolitik der SPD konnte ich mich nicht mehr identifizieren." Auch weil sie von vielen Mitgliedern sehr offen aufgenommen und von Kolleginnen wie Dana Kube gefördert worden sei, habe sie sich für die Grünen entschieden. "Da haben sich Freundschaften gebildet."

Erst las sie nur die Zeitung, dann kamen die Leute zum Schwätzen

In der Stadtverordnetenversammlung will sich Moniri nun als Schwerpunkt mit Finanzpolitik beschäftigen. Um Sozial- und Umweltbilanzen solle der Stadthaushalt ergänzt werden, erklärt sie. Beim Bau einer Grünanlage würden nicht mehr nur die Kosten gesehen, sondern auch der Nutzen für die Menschen durch saubere Luft und Naherholung.

In der Grünanlage sitzt auch Julia Moniri für ihre Sprechstunde. Die habe sich im Mai, kurz nach der Kommunalwahl, durch Zufall entwickelt. "Ich saß immer sonntags hier und habe Kaffee getrunken und Zeitung gelesen."

Erst kamen benachbarte Gastronomen auf einen Schwatz vorbei, dann immer mehr Leute. Fast ganz ohne Werbung. "Das spricht sich herum." Längst sprächen sie viele Anwohner mit Vorschlägen an. Eine solche unkomplizierte Kontaktmöglichkeit "habe ich mir immer selbst so gewünscht als Bürgerin", sagt Julia Moniri. "Dass Politiker einfach da sind und man mal nachfragen kann." (Dennis Pfeiffer-Goldmann)

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