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Diese Heilige Familie ist heimgekehrt

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Von: Alexandra Flieth

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Fingerspitzengefühl: Kea Johannsen vom Dommuseum baut die gut 250 Jahre alte Krippe in der Leonhardskirche auf.
Fingerspitzengefühl: Kea Johannsen vom Dommuseum baut die gut 250 Jahre alte Krippe in der Leonhardskirche auf. © Sauda

In der sanierten Leonhardskirche ist nach einem Jahrzehnt erstmals wieder die neapolitanische Krippe zu sehen.

Frankfurt. Seit dem Wochenende ist seit gut zehn Jahren erstmals wieder die Weihnachtskrippe unter den gotischen Bögen der katholischen Kirche von St. Leonhard am nördlichen Mainufer zu sehen. Nach dem Abschluss der mehrjährigen Sanierungsarbeiten des Gotteshauses, sind auch die prächtigen Figuren aus dem 18. Jahrhundert wieder dort ausgestellt. Zuletzt wurden die Figuren, die überwiegend um 1760/1770 in Neapel entstanden sind, im Dommuseum in einer Vitrine präsentiert. Die neapolitanische Krippe von St. Leonhard gilt als die älteste und wertvollste Krippe der Stadt.

Sie nun wieder in der Kirche zu sehen, macht Besucher sehr glücklich - viele von ihnen haben lange auf diesen Moment gewartet und sind überrascht: Für die kostbare Weihnachtskrippe mit ihren mehr als 40 Figuren, darunter auch vielfältige Darstellungen von Engeln, wurde eigens eine neue Fläche gestaltet, die in ihrer Form an eine Kombination aus Bühne und Retabel, einen Altaraufbau, erinnert. Dieser ist schlicht in Schwarz gehalten und mit zarten Zeichnungen in Weiß gestaltet, die die Landschaft der süditalienischen Stadt Neapel mit dem Blick auf das Meer und den Vesuv bei Tag und Nacht wiedergeben.

Die Idee für die Art der Präsentation in der Leonhardskirche geht zurück auf das Künstler- und Gestalterteam "Sounds of Silence" um Petra Eichler und Susanne Kessler sowie Designer Jörg Gimmler und Illustratorin Dani Muno, die von der Dompfarrei damit beauftragt worden sind. "In den Aufbau eingebettet sind die Figuren der Weihnachtskrippe auf insgesamt drei Ebenen", erklärt es Dr. Bettina Schmitt, Direktorin des Dommuseums. In der vergangenen Woche wurde die kostbare Krippe an ihrem neuen Standort aufgebaut und ins rechte Licht gerückt. Um diese frei präsentieren zu können und zu schützen, steht sie hinter einer Fassade aus Acrylglasscheiben, die den Blick auf die Krippe freigeben. Das wertvolle Ensemble ist zusätzlich alarmgesichert und kameraüberwacht.

Hoher fünfstelliger Betrag

Die Zeit der Sanierung der Leonhardskirche, die eine Filialkirche des Doms und die zweitälteste der Stadt ist, wurde auch dazu genutzt, die Figuren der neapolitanischen Krippe zu restaurieren. Alles erstrahlt in neuem Glanz. Die Kosten dafür beziffert die Direktorin des Dommuseums auf einen hohen fünfstelligen Betrag. Die Gesichter, Hände und Füße der Figuren sind aus Terrakotta bildhauerisch modelliert und bemalt. Ihre Körper bestehen aus einem Drahtgestell, das mit Mull oder Werg, einer Stofffaser umwickelt ist. Eingekleidet sind die Figuren in kostbare Stoffe wie Seide oder gewebtes Tuch - ganz im Stil ihrer Entstehungszeit im 18. Jahrhundert. Auch die offene Tempelruine auf der oberen Ebene der Präsentationsfläche, mit der die Stadt mit ihren Bürgern nachempfunden wird, wurde restauriert.

Ein Rätsel umgibt die Figuren

Neben den traditionellen Krippenfiguren - da ist natürlich die Heilige Familie, die statt in einem Stall in einer an die Antike angelehnten Ruine platziert ist, eingerahmt von Säulen oder den Heiligen Drei Königen Caspar, Balthasar und Melchior, die sich auf den Weg dorthin aufgemacht haben - stellen die Figuren der Weihnachtskrippe von St. Leonhard auch einen Querschnitt der Stadtgesellschaft dar: Bürger, Händler, Bauern und Kinder bewegen sich wie selbstverständlich auf der oberen Ebene. Über allem schwebt der Verkündigungsengel, der den Hirten, die mit ihren Schafen im unteren Teil der Präsentationsfläche aufgestellt wurden, aber auch den Menschen der Stadt von der Geburt Jesu erzählt.

Von der neapolitanischen Krippe und ihrer Geschichte wurde eine fast 60-seitige Broschüre angefertigt, die es im Dommuseum zu kaufen gibt. Darin ist zu lesen, dass der Ankauf einer ersten Gruppe von elf Figuren unterschiedlichster Herkunft, jedoch überwiegend neapolitanischer Provenienz sowie ein Stall und eine Vitrine 1943 durch den damaligen Pfarrer Peter Richter (1898 - 1962) für 1200 Reichsmark erworben worden sei. Mit dieser Krippe, so heißt es weiter, "verzweigen sich die Erzählungen um die heutige Krippe von St. Leonhard".

Eine davon berichtet, dass der Vater der früheren Olympiasiegerin im Dressurreiten Liselott Linsenhoff (1927 - 1999), der Frankfurter Industrielle und Mäzen Adolf Schindling (1887 - 1963), einst von Pfarrer Peter Richter damit beauftragt worden sei, eine Krippe für St. Leonhard zu kaufen. In einem Antiquariat soll dieser fündig geworden sein, jedoch einen großen Teil der Figuren für sich und seine Familie behalten haben.

Liselott Linsenhoff habe kurz vor ihren Tod festgelegt, dass ihr ererbter Teil der Krippe mit der von St. Leonhard zusammengeführt werden soll. Die andere Geschichte erzählt, dass die Krippe 1930 von dem Kunstsammler und Antiquar Bernhard Goldkuhle während einer Studienreise in Neapel zum Preis von 4500 Reichsmark erworben worden sei und erst nach dessen Tod im Jahr 1955 durch einen Frankfurter Kunstfreund aus dem Nachlass gekauft wurde. Die Figuren entsprächen denen der von Liselott Linsenhoff überlassenen Krippe. Letztlich spielt es aber keine Rolle, welche der Geschichten richtig ist, sondern nur, dass die Krippe heute für die Öffentlichkeit zugänglich ist.

Alexandra Flieth

Aufstellung bis 2. Februar

Die Weihnachtskrippe von St. Leonhard, Am Leonhardstor 25, kann außerhalb der Gottesdienstzeiten noch bis zum 2. Februar 2022 in der Kirche besichtigt werden. Öffnungszeiten für Besucher sind montags bis freitags von 15 bis 19 Uhr, samstags von 11 bis 18 Uhr und sonntags nach dem Gottesdienst von 13 bis 18 Uhr.

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