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Boris Borm, Steffen Kahl, Ottfried Schreiter und Hubert Gloss spielen ihr Hessisches Äppelquartett.

Kartenspiel

Diese vier Lokalpatrioten haben ein Äppelquartett erfunden

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Nach ihren beiden Wasserhäuschenquartetts und dem Bembel- & Handkäs-Kalender 2018 haben Boris Borm, Hubert Gloss und Ottfried Schreiter nun ein neues Spiel herausgebracht: das erste Hessische Äppelquartett. Geholfen hat ihnen der Pomologe Steffen Kahl.

Die Vielfalt, sagt Ottfried Schreiter, ist „die Grundlage allen Lebens auf der Erde – und die geben wir aus Bequemlichkeit auf“. Nicht die Menschen meint er, sondern Obst und Gemüse, genauer gesagt: Die Vielfalt der alten Sorten, gezüchtet vom Menschen. Mehr als 70 lokale und regionale Apfelsorten gebe es allein in Hessen, sagt Pomologe Steffen Kahl. Robust und widerstandsfähig seien sie und angepasst an die Bedingungen einer Ortschaft oder Region, in der sie besonders gut gedeihen. Eine Vielfalt, die erhalten werden muss, wenn es nach Schreiter, Kahl und ihren Freunden Boris Borm und Hubert Gloss geht.

Um für den Erhalt alter, regionaler Sorten zu werben, haben sie nun das erste Hessische Äppelquartett herausgegeben – mit 32 hessischen Apfelsorten. Nicht um PS, Motorhubraum oder Reichweite geht es dabei, wie in technischen Quartetts, sondern um Fruchtertrag, Größe, Lagerfähigkeit und Gefährdungsgrad.

Und natürlich um die „Äppelweintauglichkeit“. Dem „Industrieapfel“ Made in China oder Chile habe Frankfurt so viel entgegenzusetzen, sagt Kahl, denn „eigentlich reicht die Zahl der Äpfel, die hier wachsen, aus“. Die Wiesen müssten nur gepflegt werden, denn der Apfel ist eine Kulturpflanze. „Die Bäume müssen geschnitten werden, sonst vergreisen sie.“ Und liefern kein Obst mehr. Schade sei auch, dass viel Obst vergammle, weil es nicht gepflückt und liegen gelassen wird, sagt Gloss. „Aus dem Fallobst könnte man noch gut Saft machen.“

„Total absurd“ und „irre“ sei doch, sagt Borm, dass ein Apfel, der auf Monokulturplantagen in China oder Lateinamerika wachse, billiger sei als einheimische Ware. In den Exportländern müssten die Bäume aus Mangel künstlich bestäubt werden, da es keine Bienen mehr gibt, und der weite Wege bis in deutsche Supermärkte dennoch billiger sei als einheimische Ware.

Anders als die modernen Sorten, die alle von einer Sorte, Golden Delicius, abstammen, haben die alten Sorten viele verschiedene Eigenschaften, die sie für einen bestimmten Zweck besonders gut geeignet machen, erklärt Kahl. Um diese zu zeigen, gebe es im Äppelquartett acht Kategorien wie Tafelobst, Mostobst, Wirtschaftsobst, Back- und Brennfrüchte. „Backobst etwa zerfällt im Kuchen nicht. Und Brennobst sind Früchte, die sich wie etwa der Gravensteiner, besonders gut zur Schnapsherstellung eignen.

Auch seltene Sorten wie den Weißen Winterkalvill oder Carpentin enthält das Quartett. „Der Carpentin ist klein und heute selten. Früher hingegen war er in Hessen und Hessen-Nassau sehr weit verbreitet, weil er ein gutes Säure-Zucker-Verhältnis hat“, erklärt Kahl.

Wissenschaftlich erwiesen sei, dass die alten Sorten gesünder und bekömmlicher sind, sagt Kahl. „Sie haben mehr Vitamine. Und der Polyphenolgehalt – die Stoffe binden unter anderem freie Radikale – ist doppelt so hoch wie bei modernen Zuchtäpfeln.“ Der Gehalt an Eiweißstoffen, die jenen der Birke ähneln, sei hingegen niedrig – was dazu führe, dass Menschen, die gegen Frühblüher allergisch sind, auch auf Supermarktäpfel empfindlich reagieren – nicht aber auf alte Sorten.

Wege zum Spiel

Zu bekommen ist das Hessische Äppelquartett in allen Hessenshops sowie im Internet unter .

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