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Die "Wilden Wespen" wären fit für die Bühne. Trainerin Sabrina Dehm (rechts) und Vereinschef Peter Keller sind zufrieden.

Fassenacht

Diese Wespen in Oberrad kann kein Virus bezwingen

  • vonSabine Schramek
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Die Fastnachtskampagne ist zwar abgesagt. Die Karneval-Gesellschaft Oberrad in Frankfurt lässt sich von Corona nicht aber unterkriegen - ganz besonders nicht die "Wilden Wespen"

In Deutschland gibt es 16 Wespenarten. In Oberrad außerdem die gleichnamige Karneval-Gesellschaft von 1887. Die hat 170 Mitglieder, darunter die Mädels der "Wilden Wespen". Die Fastnachtskampagne 2020/21 wurde Corona- bedingt zwar abgesagt. Vom Trainieren lassen sich die Tänzerinnen dennoch nicht abbringen.

Quadrate markieren richtigen Abstand

Als Corona begann, haben sie online über Zoom einzeln von zu Hause aus ihren Gardetanz geprobt. Dann im Oberräder Depot in großen Abstandsquadraten. Jetzt tanzen, springen und lachen sie Corona-konform bei ihren rasanten Formationen quer durch den großen Saal. Die Wilden Wespen lassen sich nicht unterkriegen. Ihre Trainerin Sabrina Dehm auch nicht. Sie feuert die 13 bis 18-Jährigen an, lobt und motiviert, kritisiert und lässt sich immer wieder Neues für die 14 Mädels einfallen.

"Das sind meine Mädels, das ist mein Verein. Ich liebe diesen Verein einfach", sagt der 1. Vorsitzende Peter Keller (72) der KGW von 1887 und lächelt ein bisschen. "Sabrina geht tanzend ins Bett und steht tanzend auf. So eifrig ist sie", lobt er die junge Frau, die es schafft, Ausdauer, Kondition, Artistik,Tanz, Situps, Synchronisation und engste Freundschaft der Tänzerinnen zum Optimum mit Spaß zu bringen.

"Am 21. März ist schon das Heringsessen wegen Corona ausgefallen, in der Schublade liegen Auszeichnungen, die Jahreshauptversammlung konnten wir noch nicht machen, weil wir zu viele sind nach Corona-Auflagen", sagt er. "1991 haben wir Fastnacht wegen des Golfkriegs abgesagt. Jetzt wegen Corona. Das ist traurig, aber nötig. Alle sollen gesund bleiben. Das ist die Hauptsache. Es wäre furchtbar, wenn etwas passieren würde. Dann wären wir Karnevalisten schuld", ist Keller überzeugt.

Auch wenn es ihn traurig stimmt, dass es keinen Großen Rat, keinen Umzug und eben auch keine Oberräder Fastnacht geben wird. "Für die Oberräder ist Fastnacht wie Weihnachten und Ostern. Trotzdem zeigen sie Verständnis. Jeder vermisst Treffen mit den Freunden. Viele haben Angst vor dem Virus."

Über das Verständnis ist er erleichtert und hofft darauf, dass es "nächstes Jahr so weitergeht, wie wir aufgehört haben. Wenn alles sicher ist und Impfstoffe gefunden sind, die uns eine Rückkehr in ein normales Leben ermöglichen."

Sehnsucht nach Applaus

Die Wilden Wespen vergessen ihre Corona-Sorgen, wenn sie proben. Zweimal in der Woche trainieren sie ihren Leistungssport. "Wir vermissen unsere Kostüme, das Gefühl, gemeinsam auf der Bühne zu stehen, das Lampenfieber und den Applaus", sagen Leyla, Martha und Emmy. "Das Wichtigste ist aber, dass wir zusammen sein können und dass wir tanzen können", stimmen Azra, Lena und Sahra lachend ein. Sie erzählen vom Trainingscamp in der Rhön mit Lagerfeuer und jede Menge Training. Aus ihrem gemeinsamen Hobby ist längst innigen Freundschaft geworden. Die Wespen halten zusammen und nichts bringt sie aus dem Takt, solange sie zusammen sind. Ihre Beine schwingen himmelhoch oder sie fallen in Spagat. Kasatschok läuft im Wettbewerb. Leyla schafft 50 Tschoks am Stück und erntet Bewunderung, Applaus und Lob. Sie bleibt bescheiden. "Ich hab's einfach probiert und es läuft", sagt sie und albert mit ihren Freundinnen. Sabrina Dehm lässt sie locker laufen in Dreier- und Vierergruppen. Auf dem Boden liegen Spielkarten mit dem Deckblatt nach oben. Und Sportschuhe, die als Parcours ausgelegt sind. Je ein Mädchen pro Gruppe soll muss eine Karte umdrehen. Wenn sie das Bild zeigt, das der Gruppe zugeteilt ist, darf sie mit der Karte weiterlaufen. Wenn es eine andere ist, muss sie durch den Parcours. So lange, bis jede Gruppe vier passende Karten hat. "Das Team ist so krass", sagt Dehm. "Es ist wichtig, dass sie nicht nur Tanztechnik drauf haben. Sie brauchen klare Linien und Teamspiele. Wir hoffen, dass es doch noch Turniere gibt - egal, wie hart die Corona-Auflagen sind. Bisher haben wir alle Auflagen eingehalten, auch wenn es mühsam ist, ständig alles zu ändern", sagt sie. Die Mädchen stimmen zu. "Wilde Wespen sind halt wilde Wespen. Wir halten alles ein, was nötig ist. Für unseren Sport, unsere Freundschaft, die Oberräder und vor allem für die KGW Wespen."

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