+
Die Epoche der Diesel-Triebfahrzeuge neigt sich nicht nur im Taunus ? wie hier in Wehrheim ? dem Ende entgegen.

Bahnverkehr

Dieselzüge vor dem endgültigen Aus

  • schließen

Nach der Diskussion um Feinstaub- und Stickoxidbelastung in deutschen Städten und den drohenden Fahrverbote für Diesel-Pkw, fordern nun auch die deutschen Verkehrsverbunde und die Eisenbahngesellschaften, auf die Anschaffung neuer Diesel-Triebfahrzeuge zu verzichten. Der Anfang vom Ende der Dieselzüge?

Die Präsentationsfahrt des ersten mit Wasserstoff betankten Zuges in Hessen war erst der Anfang. Auf der Fahrt von Wiesbaden nach Frankfurt-Höchst hatte Hessens Verkehrsminister Tarek Al-Wazir angekündigt, dass die komplett emissionsfreien Züge mit der neuen Brennstoffzellentechnologie ab 2022 auf den Bahnstrecken im Taunus eingesetzt werden.

Der RMV bestätigte auf Anfrage, dass zum Fahrplanwechsel 2022/2023 gleich 26 neue brennstoffzellengetriebene Triebwagen auf vier RMV-Linien im Taunus eingesetzt werden. „Die Züge mit der neuen Antriebstechnik werden die bislang im Taunus verkehrenden Dieselfahrzeuge komplett ersetzen“, konkretisierte RMV-Pressesprecher Sven Hirschler auf Nachfrage.

In Niedersachsen – wo die neuen Triebfahrzeuge bei der Firma Alstom in Salzgitter gebaut werden – ist man einen Schritt weiter: Zwischen Bremervörde, Buxtehude und Cuxhaven sollen die beiden Prototypen vom Typ Corradia iLint ab dem Sommer verkehren.

„Wer die Energiewende will, muss sich ernsthaft mit dem Ausstieg aus dem Dieselantrieb beschäftigen. Ab dem Fahrplanwechsel 2024 wollen wir in ganz Deutschland weitestgehend dieselfrei fahren“, betonte RMV-Chef Knut Ringat und nahm die Industrie in die Pflicht: „Aufgrund der oftmals jahrelangen Vorlaufzeit bei Ausschreibungen brauchen wir serienreife Fahrzeuge mit alternativen Antrieben.“

Die laufende Diskussion, den Einsatz von Diesellokomotiven oder Triebfahrzeugen mit Dieselantrieb im ÖPNV einzustellen, wird heute wohl auf dem Deutschen Nahverkehrstag in Koblenz befeuert. Nach Informationen dieser Zeitung wollen die dort versammelten Vertreter der Verkehrsverbünde und der Eisenbahngesellschaften einen „Schienenpakt im Nahverkehr“ auf die Gleise setzen.

Die großen Akteure und Aufgabenträger innerhalb des ÖPNV fordern demnach mit einer gemeinsamen Absichtserklärung den Verzicht bei der Neuanschaffung von Loks und Triebfahrzeugen mit Dieselantrieb ab 2024. Die verbliebenen Dieselstrecken in Deutschland sollen danach natürlich keinesfalls auf dem Abstellgleis münden, sondern mit alternativen Antriebstechniken bedient werden.

Nicht nur der RMV, der Nordhessische Verkehrsverbund NVV, der Verkehrsverbund Rhein-Neckar, die Verkehrsverbunde rund um Hamburg, Stuttgart, München und andere große Verkehrsverbunde sowie Aufgabenträgerorganisationen wie die traffiQ wollen heute den Schienenpakt unterzeichnen.

Auch die DB Regio, die Hessische Landesbahn, die Cantus Verkehrsgesellschaft mbH (Kassel) und andere deutschlandweit tätige Eisenbahnverkehrsunternehmen fordern das Aus für Diesel auf Schienen. Mit dem Vorstoß will man in Sachen Klimaschutz und Reduzierung der Schadstoffbelastung der Politik Beine machen. Als Alternative steht neben der neuen Brennstoffzellentechnik auch die Elektrifizierung von Bahnstrecken an.

Von den rund 38 000 Kilometer Schienennetz in Deutschland sind bislang lediglich rund 60 Prozent elektrifiziert. Hessen liegt mit einem Elektrifizierungs-Grad von 67 Prozent sogar auf Platz zwei der Flächenländer. Laut statistischem Bundesamt sind von den 2547 Kilometer Schienensträngen in Hessen 1711 km elektrifiziert. Auf 836 hessischen Streckenkilometern pusten Dieselloks und -triebfahrzeuge nach wie vor Abgase, Stickoxide und Ruß in die Luft. Die Rangierfahrten von Dieselloks auf den Bahnhöfen nicht mit einberechnet.

In Hessen gibt es aktuell lediglich zwei konkrete Eisenbahnlinien, die elektrifiziert werden sollen. Beim Hochtaunuskreis laufen die Vorplanungen für die Elektrifizierung der kreiseigenen Strecke der Taunusbahn zwischen Friedrichsdorf und Usingen. Der Zeithorizont ist ambitioniert: 2022 soll die S5 von Frankfurt über Bad Homburg und Friedrichsdorf bis nach Usingen verlängert werden.

„Ich will mich beim Bund für ein Sonderprogramm zur Elektrifizierung von Bahnlinien mit hessischer Beteiligung einsetzen, das auch die Elektrifizierung von Nahverkehrsstrecken einbezieht“, antwortete Hessens Verkehrsminister Tarek Al-Wazir auf eine aktuelle Anfrage der Allianz pro Schiene. „Für Hessen könnten dieses die Lahntalbahn und die Odenwaldbahn sein.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare