Mit Gießkanne, Rechen und viel Fleiß bewirtschaften Maria Bald (von links), ihre Tochter Alexandra, Gudrun Seitz sowie  Christa und Martin Kutzmann "ihre" Scholle im Oberräder Gärtnerdorf.
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Mit Gießkanne, Rechen und viel Fleiß bewirtschaften Maria Bald (von links), ihre Tochter Alexandra, Gudrun Seitz sowie Christa und Martin Kutzmann »ihre« Scholle im Oberräder Gärtnerdorf.

Oberräder Krautgärtner

Auf diesem Acker sind alle gleich

  • VonMirco Overländer
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Gemeinschaftsgärten sind im Trend: Ganz zur Freude von Krautgarten-Initiatorin Julia Jung. Ihr Projekt kommt so gut an, dass sie die angebotene Agrarfläche im kommenden Jahr verdoppeln will. Doch mit dem großen Erfolg gehen auch kuriose Probleme einher.

Ihr Mann Martin (63) wollte schon seit längerer Zeit einen eigenen Garten bewirtschaften. Doch Christa Kutzmann (61) scheute die damit einhergehende Arbeit und die langfristige Verpflichtung, die ein eigener Garten nun einmal mit sich bringt. Statt sich in einer Kleingartenkolonie einzukaufen, entschieden sich die beiden Sachsenhäuser im Frühjahr dazu, gemeinsam mit zwei Freunden bei Julia Jungs Oberräder Krautgarten einzusteigen.

Bereut hat das Quartett seine Entscheidung, unter die Biogärtner zu gehen, bis jetzt nicht. „Auch wenn es ein paar Sachen gibt, die wir nicht so gerne essen“, wie Christa Kutzmann schmunzelnd gesteht und auf ihren Freundeskreis verweist, der neuerdings mit Fenchel und Roter Bete beliefert wird. Zwar sei auch das von Julia Jung betreute Gärtnern in den Oberräder Feldern mitunter recht arbeitsintensiv, dafür aber ebenso sehr lehrreich. Und so kommt es, dass die vier Krautgarten-Novizen wohl auch im kommenden Jahr wieder dabei sein werden, wenn kurz nach Ostern neue Parzellen vergeben werden. Dann werden die Kutzmanns und ihre Mitstreiter allerdings eine halbe Parzelle bewirtschaften, da ihnen der Erntedruck bei den aktuell gut 100 Quadratmetern auf Dauer einfach zu groß ist.

Unterschiedliche Motive

Ein Jahr, nachdem Julia Jung in ihrer Premieren-Saison rund ein Dutzend Parzellen an die Pionier-Generation der Oberräder Krautgärtner verpachtete (wir berichteten), hat sich auf ihrem Acker unweit der Eisenbahnstrecke nach Offenbach einiges getan. In diesem Jahr waren alle halben (125 Euro) und ganzen (250 Euro) der 30 Parzellen in Windeseile vergeben. Seither tummeln sich hier von früh bis spät eingefleischte Vegetarier, erfahrene Kleingärtner, Studenten, Berufstätige und junge Eltern wie Maria Bald (31), die mit ihrer einjährigen Tochter Alexandra in Sichtweite des Ackers wohnt und an milden Sommerabenden gerne unter den schattigen Apfelbäumen ausspannt.

So unterschiedlich ihre Motive auch sind, alle Krautgärtner erfreuen sich am selbstgezogenen Gemüse, das ganz ohne chemische Hilfsmittel unter freiem Himmel reift. „2016 würde ich die Fläche bei entsprechender Nachfrage gerne auf einen Hektar verdoppeln“, sagt Julia Jung, deren Familie in Oberrad noch über genug Äcker verfügt. Auch möchte sie im Winter einen Imkerkurs belegen und im kommenden Jahr ein bis zwei Bienenstöcke auf ihrem Feld aufstellen.

Mit Wohlwollen hat die Initiatorin indes registriert, dass in diesem Jahr rund ein Drittel aller Parzellenpächter junge Eltern sind. „Mir ist wichtig, dass die Leute ihren Kindern hier auch etwas beibringen und so das nötige Wissen über gesunde Ernährung vermitteln können“, sagt Jung, die seit einem Jahr selbst Mutter ist.

Mehr Bio geht nicht

Mit zunehmendem Bekanntheitsgrad ihres Projektes sah sich Julia Jung allerdings auch mit etlichen Anfragen konfrontiert, die selbst eine studierte Landwirtin wie sie ins Grübeln brachten. So bemängelten einige am Krautgarten-Projekt interessierte Veganer, dass das Feld im Frühjahr mit Hornspänen gedüngt wird. Eine vegane Alternative zu diesem nährstoffreichen Abfallprodukt der Schlachtindustrie gebe es allerdings nicht. „Man könnte auch Schafswollpellets verwenden. Aber das ist auch eine Form von organischem Material“, erläutert Jung und verweist darauf, dass es nichts Nachhaltigeres gebe, als sein Gemüse in der eigenen Nachbarschaft anzubauen, anstatt auf vegane Produkte aus dem Laden mit teils langen Lieferketten zurückzugreifen.

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