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Beim Nationalen Forum Diesel im August 2017 hatten die deutschen Autobauer zugesagt, rund 5,3 Millionen Diesel-PKW in den Schadstoffklassen Euro 5 und 6 die Stickoxid-Emissionen mit neuer Motorsoftware nachzurüsten.

Stickstoffdioxid-Grenzwerte

Auf diesen Straßen ist die Luft zu schlecht

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Fahrverbote für Dieselfahrzeuge beschäftigen Frankfurt. Das Umweltdezernat hat aufgeschlüsselt, an welchen Straßen zu viel Stickstoffdioxid in der Luft ist. Sperrungen für einzelne Abschnitte scheinen derzeit aber unwahrscheinlich.

In der Mainmetropole zittern viele Autofahrer vor dem drohenden Dieselfahrverbot – und Schuld daran ist das NO2. Stickstoffdioxid heißt der Schadstoff, von dem im jährlichen Mittel nur 40 Mikrogramm pro Kubikmeter in der Luft zirkulieren dürfen. Eine neue Karte des Umweltdezernats der Stadt zeigt, in welchen Straßen der von der EU vorgegebene Grenzwert überschritten wird.

In Frankfurt verursachen Dieselautos einen großen Teil der NO2-Belastung. Das Umweltdezernat hält es für „sehr wahrscheinlich“, dass eine mögliche Sperrzone für Autos ohne Euro-6-Norm die Luftqualität verbessern könnte – theoretisch. Denn noch wehrt sich Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) gegen das Fahrverbot, das sie für unfair hält. Außerdem äußert ihre Behörde praktische Bedenken an einer Umsetzbarkeit.

Ob eine blaue Plakette kommt oder nicht und egal wie ein Fahrverbot aussieht: Dessen Einhaltung muss auch kontrolliert werden. Wie die Polizei das schaffen kann, ist unklar. In einzelnen Straßen patrouillieren? Das ist bei den vielen betroffenen Straßenabschnitten in Frankfurt fast unmöglich. Hinzu kommt: Die Kontrolle einer Dieselverbotszone müsste im fließenden Verkehr erfolgen. Wer beim Verstoß gegen das Fahrverbot erwischt werden würde, beginge eine Ordnungswidrigkeit und müsste maximal 25 Euro zahlen.

Wer sich in einer solchen Situation wirklich an ausgeschilderte Fahrverbote halte, könne sich jeder selbst ausrechnen, heißt es vielsagend aus dem Dezernat. Die Befürchtung: Statt für mehrere tausend Euro das alte Auto umrüsten zu lassen, bliebe Betroffenen ein vergleichsweise günstiger Ausweg: Das Fahrverbot schlicht zu ignorieren und ein Risiko in Kauf zu nehmen.

Im Umweltausschuss im Römer kamen am Donnerstag auch Fragen auf, ob nicht ein 365-Euro-Ticket für Bus und Bahn oder eine stadtweite Tempo-30-Zone helfen könnten, dass Stickstoffdioxid-Problem in den Griff zu bekommen. Die Antwort: kaum. Heilig glaubt, dass auch mit günstigerem öffentlichen Nahverkehr zu viele Bürger lieber Auto fahren würden. Und ein Ingenieur aus ihrem Dezernat erklärte, Tempo 30 sei „mit Vorsicht zu genießen“. Zum einen zeigten Untersuchungen, dass bei Tempo 50 sogar teils weniger Stickoxide ausgestoßen würden, zum anderen könne ein Tempo-Limit nicht den hohen Anteil an Diesel-Fahrzeugen im Frankfurter Verkehr senken.

Eine Gerichtsentscheidung Anfang April könnte die Stadt dazu verdammen, viele Dieselfahrzeuge aus dem Stadtgebiet zu verbannen. Erste Überlegungen aus dem Umweltdezernat zeigen zwei Varianten: Ein stadtweite Sperrzone für Dieselfahrzeuge oder eine kleinteiligere Einteilung in Zonen.

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