Werden ihre Gartenparzellen am Ende des Jahres verlieren: Norbert Born (l.)und Steven Kraus. foto: sauda
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Werden ihre Gartenparzellen am Ende des Jahres verlieren: Norbert Born (l.)und Steven Kraus.

Gallus: Homburger Damm wird unterhöhlt

Dieser Durchstich kostet uns die Gärten

  • vonGernot Gottwals
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Parzellen müssen Radverbindung weichen

In zwei Jahren soll der Durchstich durch den Homburger Damm mit Rad- und Fußweg endlich vollzogen sein. Erste Vorbereitungen und das Roden von Pflanzen und Büschen westlich des Damms haben bereits begonnen. Was Radler und Fußgänger freuen dürfte, bedeutet für Kleingärtner das lange befürchtete Ende ihrer Parzellen: Ihnen wurde bereits im vergangenen Spätjahr zum 1. November 2021 gekündigt.

Noch immer keine Antwort

Seitdem wartet der Ortsbeirat 1 (Altstadt, Bahnhofsviertel, Europaviertel, Gallus, Gutleutviertel, Innenstadt) auf die Antwort einer Anfrage der Grünen nach den jetzigen Planungen. "Überall in der Stadt versucht man gewachsene natürliche Lebensräume zu erhalten, bei uns haben sich schließlich Molche und sogar Mauereidechsen angesiedelt", sagt Norbert Born, der eine Parzelle hat. "Und dieses schöne Idyll sollen wir jetzt für immer aufgeben?", fragt er entrüstet. Zumal hier auch verschiedene Kartoffel- und Gemüsesorten angebaut werden könnten.

Auch Mitstreiter Steven Kraus ist fassungslos: "Manche unserer Familien sind schon seit Generationen hier, schon meine Oma hatte hier ihren Garten." Nicht wenige der Gärtner und ihrer Angehöriger würden deshalb im Zweifelsfall lieber auf den Durchstich des Homburger Damms verzichten als ihre Rückzugsmöglichkeit im Grünen aufzugeben.

Rechtlich gesehen bewirtschaften die Gärtner von acht Grundstücken allerdings sogenanntes Grabeland, das nach dem Bundeskleingartengesetz nur mit einjährigen Pflanzen bestellt werden darf. Im Unterschied zu dauerhaften Kleingärten wird Grabeland von Gemeinden oder der Deutschen Bahn parzellenweise und oft nur zur Zwischennutzung ausgegeben, entsprechende Verträge sind oftmals ihrem Zweck entsprechend jährlich kündbar.

Trotzdem versuchen die Gärtner mit der Stadt seit 2012 eine Einigung zu erzielen, um ihre Flächen möglichst behalten zu dürfen. Und zwischenzeitig schien sich sogar ein Kompromiss abzuzeichnen: "Zunächst sollten nur zwei Gärten nördlich und südlich des Weges ihre Fläche abgeben, damit die Baufahrzeuge auf einem Streifen von zwölf Metern genügend Platz zur Andienung der Baustelle haben", erinnert sich Born.

Für die Zeit nach dem Durchstich sollte dann in einer späteren Planung geklärt werden, ob die übrigen Parzellen verbleiben können, hieß es vor Jahren. Doch das ist nach dem jetzigen Planungsstand offenbar nicht mehr vorgesehen, wie Michaela Kraft bestätigt, Leiterin des Amtes für Straßenbau und Erschließung. "Die Anlage von Kleingärten ist derzeit nicht geplant, sehr wohl aber das Begrünen von Flächen, so weit sie nicht für den Geh-und Radweg vorgesehen sind."

Bauwerk viel zu groß

Kraft erläutert, mit dem Durchstich sollte sich auch das Gebiet westlich des Damms öffnen, was mit entsprechenden Grünflächen besser gelinge als mit eingezäunten Gärten: "Denn Kleingärten sind nun mal nicht öffentlich zugänglich." Die Pläne seien noch in Abstimmung und würden dem Ortsbeirat rechtzeitig vorgestellt.

"Da wurden offenbar in den letzten Monaten die Pläne erheblich geändert, ohne den Ortsbeirat erneut daran zu beteiligen", vermutet Grünensprecher Andreas Laeuen. Dass für den Durchstich ein sechs Meter breites und drei Meter hohes Bauwerk benötigt werde, stoße auf Verwunderung. Es stelle sich die Frage, ob der Durchstich nicht etwas überdimensioniert sei und anlässlich der Sparzwänge "auch eine Nummer kleiner" zu verwirklichen wäre. So sei vorgesehen, im Zuge des Durchstiches den Bahndamm zu öffnen und im Juli 2023 ein zuvor erstelltes Brückenbauwerk einzuschieben. Gerodet wurde bislang öffentliches Brachland entlang des Brachlandes sowie zwischen Wickerer und Rüsselsheimer Straße.

Kraft erklärt weiter, die Gärtner müssten fristgerecht nur Umzäunungen, Geräteschuppen, Grillöfen und sonstiges Gerät entfernen. Bäume und sonstiger Bewuchs seien nicht zu fällen oder zu roden, sondern nach Möglichkeit in die öffentlichen Flächen einzugliedern.

"Der Ortsbeirat hat den Durchstich durch den Homburger Damm immer mit großem Wohlwollen begleitet, da er Teil der Radroute Innenstadt-Höchst ist und einem langgehegten Wunsch aus der Bevölkerung entspricht", betont Laeuen. Er fordert jedoch eine stärkere Beteiligung an den Planungen und eine Prüfung, ob der Weg westlich des Damms nicht schmaler und verschwenkt geführt werden könne, um einen ausreichenden Teil der Kleingartenflächen zu erhalten. Und die Frist zur Beantwortung der Anfrage von November sei inzwischen seit langem überschritten. Gernot Gottwals

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