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Mit dieser Idee will Frankfurt Wohnen wieder bezahlbar machen

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Von: Stefanie Liedtke

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Wo immer es geht, stampft die Stadt derzeit Neubaugebiete aus dem Boden, so wie hier an der Altenhöfer Allee auf dem Riedberg.
Wo immer es geht, stampft die Stadt derzeit Neubaugebiete aus dem Boden, so wie hier an der Altenhöfer Allee auf dem Riedberg. © Leonhard Hamerski

Mit neuen Förderrichtlinien will es die Stadt Investoren schmackhafter machen, bezahlbare Mietwohnungen zu bauen. Gleichzeitig hat sie den Kreis derer erweitert, die dort einziehen dürfen. Zwei von drei Frankfurtern sind demnach künftig potenzielle Kandidaten für subventionierten Wohnraum.

Wohnen in Frankfurt ist teuer. Zu teuer. Für Geringverdiener sowieso, aber zunehmend auch für die Mittelschicht. „Die Krankenschwester, der Polizist, die Erzieherin – sie alle können sich das Leben in Frankfurt nicht mehr leisten“, sagt Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD).

Diese Erkenntnis ist nicht neu. Neu ist das Konzept, mit dem die Stadt Investoren dazu bringen möchte, mehr Wohnungen zu bauen, deren Miete sich der Durchschnittsfrankfurter noch leisten kann. Gestern hat es der Magistrat auf den Weg gebracht.

Der Realität angepasst

Ein solches Programm gab es bereits, ausgestattet mit Fördermitteln in Höhe von 45 Millionen Euro pro Jahr. Doch weil in der Vergangenheit nur wenige Investoren zugriffen und die bereitgestellten Fördermittel nie aufgebraucht waren, hat die Stadt bei den Konditionen nachgebessert. „Wir passen das Programm der Realität an“, erläutert Planungsdezernent Mike Josef (SPD). Er sei zuversichtlich, „dass wir künftig mehr Bauträger erreichen werden“. Dies sei auch notwendig. Josef: „Wir schaffen das nicht alleine.“

Beim Zuschnitt der neuen Kriterien habe er sich deshalb intensiv mit der privaten Immobilienwirtschaft abgestimmt. „Wenn wir am Ende darüber diskutieren, dass wir mehr Fördermittel brauchen, haben wir alles richtig gemacht“, betont der Stadtrat.

Für jeden Quadratmeter Wohnraum, den ein Investor in Frankfurt schafft und den er zu vergünstigten Mietkonditionen anbietet, bekommt er künftig 500 Euro von der Stadt geschenkt, außerdem ein zinsfreies Darlehen über 800 Euro pro Quadratmeter. Laut dem Zentralverband Deutsches Baugewerbe müssen Investoren in Innenstadtlagen mit Bau- und Nebenkosten von etwa 3000 Euro pro Quadratmeter Wohnraum rechnen.

Wer die Fördermittel in Anspruch nimmt, verpflichtet sich im Gegenzug, den geschaffenen Wohnraum 30 Jahre lang günstig zu vermieten. Pro Quadratmeter darf er, abhängig vom Einkommen der Mieter, eine Einstiegsmiete von höchstens 8,50 bis 10,50 Euro monatlich kassieren.

Für die vierköpfige Familie mit einem bereinigten Jahreseinkommen – also dem, was nach Abzug von Steuern und Versicherungen am Ende zum Leben übrig bleibt – von 48 000 Euro würde dies bedeuten, dass sie für ihre 100-Quadratmeter-Wohnung nicht mehr als 850 Euro Miete pro Monat zahlen muss. Sofern sie denn eine der subventionierten Wohnungen bekommt.

Das wiederum dürfte schwierig werden, denn zwei von drei Frankfurtern (68 Prozent) erfüllen die Kriterien des neuen „Frankfurter Programms für den Neubau von bezahlbaren Mietwohnungen“. Zum Vergleich: Einen Anspruch auf eine Sozialwohnung haben 41 Prozent der Frankfurter. Laut dem Wohnungsmarktbericht aus dem Jahr 2015 verfügen 45 Prozent der Haushalte in der Stadt über ein monatliches Nettoeinkommen von weniger als 2000 Euro.

Auch Singles profitieren

Während in der Vergangenheit nur Familien und Senioren in subventionierte Wohnungen einziehen durften, profitieren künftig auch Singles und kinderlose Paare.

Bis die ersten Frankfurter von der Neuregelung profitieren, wird es allerdings noch dauern. „Wir schaffen jetzt die Voraussetzung dafür, wie die Stadt in 15 oder 20 Jahren aussehen wird“, betont Josef und fügte hinzu, „dass es in Sachen Wohnraumnot weder eine einzige noch eine schnelle Lösung“ gibt. Die Zustimmung der Stadtverordneten zum neuen Programm gilt als sicher.

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