Blutsauger

Dieser Spürhund erschnüffelt Bettwanzen

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Sie sind klitzeklein, stechen und bedienen sich am Blut von Schlafenden: Bettwanzen. Um den Tierchen den Garaus zu machen, hat Fraport fünf Spürhunde ausgebildet. Diese können nun von Passagieren gebucht werden, um ihre Koffer auf das Ungeziefer testen zu lassen.

„Such, Stoffi!“, ruft Thomas Mauler seiner Deutschen Schäferhündin Aika zu, die daraufhin aufgeregt und schwanzwedelnd den langen Flur abschnüffelt. Während der Feind mit dem bloßen Auge nicht zu erkennen ist, kann Aika ihn riechen. Plötzlich setzt sie sich, fixiert einen Punkt in der Ecke. Sie hat gefunden, was gesucht wurde: ein kleines Plastikröhrchen, gefüllt mit Bettwanzen. Zur Belohnung darf die Hündin eine Runde mit ihrem Spielzeug umhertollen.

Aika ist einer von fünf Spürhunden des Flughafenbetreibers Fraport, die auf Bettwanzen spezialisiert sind. Auf diese eher ungewöhnliche Idee kam Hundeführer Larry Hansen, der einst Sprengstoff-Spürhunde ausgebildet hat, während eines Gespräches mit einem Freund. Es drehte sich um Bettwanzen. „Damals stand mein Diensthund kurz vor der Rente und ich überlegte, mir einen neuen zuzulegen“, erzählt Hansen. Wieso den Vierbeiner nicht auf die Bettwanzen spezialisieren als neues Geschäftsmodell? Hansen arbeitete einen Zertifizierungs- und Ausbildungsplan für Europa aus, stellte diesen der „Bed Bug Foundation“ in Großbritannien und der Fraport AG vor. Das Ergebnis: Er absolvierte eine Ausbildung in Florida und kehrte mit Bestnoten zurück. Seitdem besitzt Frankfurt als einziger Flughafen in Europa Expertenstatus für Bettwanzen. Und das Team ist sogar autorisiert, den Einsatz neu ausgebildeter Spürhunde an anderen Flughäfen zu zertifizieren.

Seit 2016 sind Larry Hansen und seine Kollegen Thomas Mauler, Marisa Manzano, Mathias Krekel, Ali Mezedjri mit ihren Hunden Cora, Aika, Jack, Buddy und Lotti fast täglich im Einsatz, um im Auftrag von Hotels und Airlines Zimmer und Flugzeugkabinen zu untersuchen. Und ab sofort haben sogar auch die Passagiere am Flughafen etwas von diesem Service. Sie können ihn für ihr Reisegepäck buchen. Der Hundeführer und seine vierbeinige Spürnase kommen dann direkt ans Gepäckband. Die Koffer werden noch vor Ort abgeschnüffelt. Schlägt der Hund an, kann ein am Flughafen ansässiger Kammerjäger bestellt werden, der die kleinen Blutsauger dann bekämpft. So nimmt man die unliebsamen Mitbringsel dann erst gar nicht mit in die eigenen vier Wände.

Die Vierbeiner haben mit ihrer feinen Nase eine Erfolgsquote von 97 Prozent. Doch anfangs war die Arbeit mit den klitzekleinen, stechenden und blutsaugenden Tieren gerade für den Menschen nicht leicht. „Mich hat es allein bei dem Gedanken daran überall gejuckt“, erzählt Hundeführer Thomas Mauler. Das führte so weit, dass er mit dem Verdacht auf einen Ausschlag zum Hautarzt gehen wollte. Larry Hansen konnte ihn beruhigen: „Da war ich schon. Wir haben keinen Ausschlag, das ist nur die Psyche.“

Um die Bettwanzen-Spürhunde zu buchen, genügt eine kurze E-Mail an bedbugdogs@fraport.de bis zu drei Tage vor der Rückkehr mit den folgenden Angaben: Name, Flugnummer, Ankunftsdatum und -zeit am Flughafen. Daraufhin erhält der Fluggast eine Bestätigung per E-Mail mit der Mobilnummer des zuständigen Bettwanzen-Teams. Der Service kostet pauschal 106 Euro und beinhaltet drei Gepäckstücke, jeder weitere Koffer kostet 29 Euro.

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