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Wie der Dino ins Museum kam

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Sieben solcher Buchtafeln sind im Museum verteilt.
Sieben solcher Buchtafeln sind im Museum verteilt. © Leonhard Hamerski

Amerikanische Fossilienjäger entdeckten 1910 das erstaunlich gut erhaltene Skelett eines Schnabeldinosauriers und verkauften es nach Frankfurt. Der „Edmontosaurus annectens“ zählt immer noch zu den beeindruckendsten Ausstellungsstücken des Senckenberg Museums. Sein Schicksal erzählt die wechselvolle Geschichte einer einzigartigen Institution.

Etwa 70 Millionen Jahre verbrachte er unbeschadet im Gestein der Lance-Formation in Wyoming. Doch an seiner neuen Heimstätte, dem Senckenberg Museum in Frankfurt, wäre er nach wenigen Jahrzehnten beinahe dem Bombenhagel des Zweiten Weltkriegs zum Opfer gefallen. Dank Sandsäcken, studentischen Brandwachen und schließlich dem Umzug in ein Notquartier konnte „Edmontosaurus annectens“ gerettet werden. Heute kann sein versteinertes Skelett wieder im Naturmuseum der Senckenberg Gesellschaft bestaunt werden. Und um ihn herum wird gefeiert. Denn die vor 200 Jahren gegründete Naturforschungsgesellschaft begeht ihr Jubiläum mit einer Ausstellung in der Ausstellung (siehe Infokasten).

Charles Hazelius Sternberg sowie seine drei Söhne waren als erfolgreiche Fossilienjäger in Amerika schon bekannt, als einer der Brüder im Sommer 1910 über die aus dem Sandstein herausragende Schwanzspitze des Schnabelsauriers stieß. Die Sternbergs fingen an zu graben und konnten ihr Glück kaum fassen, als sie ein fünf Meter langes vollständiges Skelett entdeckten, an dem sogar noch Hautabdrücke zu erhalten waren.

„Solche Funde sind sehr selten“, sagt Museumsleiter Bernd Herkner. „Es gibt weltweit nur zwei Edmontosaurus-Skelette, die so gut erhalten sind. Eines ist in New York, das andere bei uns in Frankfurt.“

Ein Mäzen zahlte

Sternberg senior verkaufte den sensationellen Fund 1911 für 10 500 Mark an die Senckenberg Gesellschaft. Das Geld kam von dem Frankfurter Industriellen Arthur von Weinberg, einem Mäzen, der später Direktor des Museums wurde. Die ganze Senckenberg Geschichte ist eine des Mäzenatentums und des Engagements wissenschaftlich interessierter Bürger. Von 32 Frankfurtern am 22. November 1817 als naturkundliche Vortragsrunde gegründet, ist die Senckenberg Gesellschaft heute mit 800 Mitarbeitern an elf Standorten eine bedeutende Forschungsinstitution. Das Museum an der Senckenberganlage zeigt nur einen kleinen Teil ihres Spektrums.

Der Dinosaurier aus Wyoming konnte erst 1922 ausgestellt werden, im ersten Lichthof des 15 Jahre zuvor eröffneten Museumsgebäudes. Denn zuvor musste er von den Senckenberg-Präparatoren mühsam aus den Gesteinsbrocken herausgeschält werden. Das dauerte, „auch weil es während des Ersten Weltkriegs an Arbeitsmaterial fehlte“, erklärt Museumsleiter Herkner.

Während des Zweiten Weltkriegs wurde das wertvolle Skelett mit einer Holzkonstruktion und Sandsäcken eingepackt, um es vor Bombenangriffen zu schützen. Studenten übernachteten im Museum, um notfalls Brände sofort zu löschen. „Als die Luftangriffe stärker wurden, mussten die Ausstellungsstücke evakuiert werden“, sagt Herkner. 1944 wurde das Museumsgebäude massiv getroffen.

Vom Lastwagen gefallen

Der „Edmontosaurus annectens“ überlebte in einem sicheren Versteck außerhalb der Stadt. Nur als er nach dem Krieg zurückgebracht werden sollte, fiel er vom Lastwagen und zerbrach in zahlreiche Stücke. „Es waren mehr als zehn Jahre Arbeit, ihn wieder zusammenzusetzen“, so Herkner.

In den 1960er Jahren wurde das wiederaufgebaute Museum erweitert. Das Saurierskelett bekam einen neuen Platz. Es liegt seitdem im Untergeschoss, durch eine Deckenöffnung kann man es vom Erdgeschoss aus betrachten. Das sei dem damaligen Direktor Wilhelm Schäfer wichtig gewesen, sagt Herkner. „Denn am besten wirkt der Edmontosaurus von oben.“

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