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Dirk Brunner (Mitte) und Stephan Luxem (5.v.l.) haben mit OB Peter Feldmann (2.v.r.) und Frank Junker (rechts) zur Schaufel gegriffen.

Platzsparend

Discounter Lidl baut in die Höhe: Wohnen über dem Supermarkt

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Der Discounter Lidl baut im Lyoner Quartier erstmals in Deutschland eine sogenannte Metropolfiliale, die weniger Platz als herkömmliche Bauten benötigt. Zusätzlich können darüber Wohnungen gebaut werden. Dies passiert in Niederrad nicht. Dafür aber im Gallus. Ganz neu ist die Idee allerdings nicht.

Eine dicht besiedelte Stadt, kaum noch Platz für Wohnungen und Einzelhandel. Da hilft nur noch platzsparendes Bauen. Das versucht nun der Discounter Lidl im Lyoner Quartier in Niederrad. Gestern war in der Goldsteinstraße Spatenstich für die erste sogenannte Metropolfiliale in Deutschland. Dort wurde vergangene Woche die alte Filiale des Lebensmittelhändlers abgerissen.

Für den Bau herkömmlicher Filialen mit großen Parkplatz davor hat das Unternehmen bisher eine Fläche von 6000 Quadratmetern benötigt. Das ist viel Platz in einer Großstadt wie Frankfurt. Mit ihrem neuen Konzept der Metropolfilialen kommt Lidl allerdings mit der Hälfte der Fläche aus. Möglich wird das, indem einfach in die Höhe gebaut wird. Im Lyoner Quartier soll der Parkplatz weiterhin ebenerdig bleiben, die Verkaufsfläche befindet sich darüber im ersten Stock. Zudem wird in das Gebäude eine Apotheke einziehen.

„Dieser Wunsch kam aus dem Stadtteil“, sagt Dirk Brunner, Verantwortlicher für das Projekt im Lyoner Quartier. Einen Betreiber gebe es noch nicht. Dafür steht schon fest, dass das Dach der Filiale begrünt wird und sowohl Photovoltaikanlagen montiert als auch Tankstellen für Elektroautos aufgestellt werden. Die Eröffnung der Filiale ist für spätestens Dezember 2018 geplant. „Dieser Markt dient als Basis für weitere innovative Ideen. Es ist kein starres Konzept“, sagt Brunner. So könne der Bau auch in Kombination mit Wohnungen, Schulen, Kitas oder Büros realisiert werden.

Wohnungen entstehen auf dem Areal an der Goldsteinstraße aber nicht. „Als wir vor fünf Jahren mit den Planungen für diesen Standort begonnen haben, waren weder das Lyoner Quartier noch wir bereit für solch ein Projekt“, sagt Brunner.

Dafür entsteht in der Mainzer Landstraße 377 im Gallus eine neue Lidl-Filiale kombiniert mit Wohnungen. Dort betreibt der Discounter bereits eine Filiale. Diese soll in den kommenden Jahren abgerissen und neu gebaut werden. Außer dem Supermarkt entstehen 110 Wohnungen, 40 über der Filiale selbst und 70 in einem weiteren Gebäuderiegel, der an die Lahnstraße angrenzt. Das Projekt wird gemeinsam mit der städtischen Wohnungsbaugesellschaft ABG Frankfurt Holding realisiert. Diese wird das Gebäude mit den 70 Wohnungen übernehmen.

„Wir stehen noch ganz am Anfang unserer Planungen. Derzeit sind wir noch mit dem Stadtplanungsamt in Gesprächen“, sagt Stephan Luxem, Leiter des Lidl-Immobilienbüros Rhein-Main. Deshalb könne er zum jetzigen Zeitpunkt weder sagen, wie groß noch wie teuer die Wohnungen werden. Für ABG-Geschäftsführer Frank Junker aber steht schon jetzt fest: „Das werden keine Eigentumswohnungen, sondern bezahlbare Mietwohnungen bleiben.“ Wenn alles gut läuft, soll mit dem Bau schon 2019 begonnen werden.

Neu ist die Idee, Supermärkte mit Wohnungsbau zu verbinden, aber nicht. Erst kürzlich hat der Discounter Aldi Nord verkündet auf zentral gelegenen Grundstücken in Berlin, auf denen bereits Filialen des Unternehmen stehen, 2000 Wohnungen zu realisieren. Auch das Planungsdezernat der Stadt begrüßt solche Projekte. „Wir versuchen daraufhin zu wirken, dass Supermärkte auf solche integrierten Lösungen setzen“, sagt Mark Gellert, Sprecher von Planungsdezernent Mike Josef (SPD).

So schaue man bei neuen Bebauungsplänen stets darauf, dass Nahversorger in Wohngebäuden untergebracht werden. Das sei platzsparender. Beispiele gibt es in der Stadt einige, wie etwa den Tegut am Gravensteiner Platz in Preungesheim, den Rewe am Frankfurter Berg oder den Aldi an der Eckenheimer Landstraße.

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