Planungen für den Frankfurter Westen

Doch keine zusätzlichen Schulen für Griesheim

  • Holger Vonhof
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Stattdessen sollen bestehende Einrichtungen umziehen und die IGS 15 nach Nied.

Eine "andere Strategie" wolle man jetzt bei den bildungspolitischen Maßnahmen im Frankfurter Westen fahren, verkündete Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD) gestern überraschend: Es gibt nun doch keine zusätzlichen Schulen auf dem Fiat-Gelände an der Mainzer Landstraße in Griesheim, sondern neue Gebäude für bestehende Schulen. Einziehen sollen die Berthold-Otto-Grundschule und die Georg-August-Zinn-Schule, eine Integrierte Gesamtschule (IGS). Beide Schulen sind seit Jahrzehnten in maroden Gebäuden in Griesheim untergebracht.

Erst einmal wird abgerissen

War beim Kauf des 28 000 Quadratmeter großen Geländes im Sommer vergangenen Jahres noch von "zusätzlichen Bildungseinrichtungen" die Rede, will die Stadt dort nun Neubauten für die bestehenden Schulen planen, die dann allerdings erweitert werden sollen - die Berthold-Otto-Schule auf durchgängig vierzügig, die Georg-August-Zinn-Schule um eine Oberstufe. Beim Kauf des Geländes im Sommer hatte Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD) gesagt: "Mit einer neuen Kita, einer neuen Grundschule und einer zusätzlichen weiterführenden Schule, wie es im Aufstellungsbeschluss festgelegt ist, schaffen wir die Infrastruktur in Griesheim, die dort dringend benötigt wird." Zusätzliche Schulen wird es nach ihren gestrigen Ausführungen nun allerdings erst geben, wenn die bestehenden Gebäude von Berthold-Otto- und Georg-August-Zinn-Schule abgerissen sind - nach dem Umzug in vielleicht sechs, sieben Jahren. Was nach Abbruch der bestehenden Schulen auf den frei werdenden Geländen an Bildungseinrichtungen gebaut werde, "das werden wir dann sehen".

Die Nachricht kommentierte die Griesheimer SPD-Vorsitzende Birgit Puttendörfer nur eine Dreiviertelstunde nach Sylvia Webers Verlautbarung per Versendung einer vorbereiteten Pressemitteilung so: "Das ist eine Nachricht wie Ostern und Weihnachten auf einen Tag. Unsere Kinder erhalten die Wertschätzung, die allen Kindern zusteht, durch den Neubau der Berthold-Otto-Schule und der Georg-August-Zinn-Schule zusammen mit einer Kinderbetreuung auf dem Fiat-Gelände."

Damit würden alte Griesheimer Bildungsforderungen erfüllt. Und: "Letztendlich ist das auch ein logischer Schritt, das Fiat-Gelände für den Neubau der vorhandenen Schulen zu nutzen, statt diese mit teuren Sanierungen und Modernisierungen am Leben zu halten", urteilt Puttendörfer.

Der Grund für die neue Marschrichtung der Stadt beim Fiat-Gelände: "Was wäre das für ein Signal an die Kinder und Jugendlichen gewesen", sagt die Bildungsdezernentin, wenn man ihnen "einen Neubau vor die Nase" setzte, den sie dann nicht selbst nutzen dürften.

Die Zeit drängt

Ein neues Gymnasium für den Frankfurter Westen wird es nicht geben. Bevor man ihr "ideologische Absichten" unterstelle, so die Bildungsdezernentin, müsse sie darauf verweisen, dass die Bildungsregion des Frankfurter Westens mit der Leibnizschule, der Helene-Lange-Schule und dem Friedrich-Dessauer-Gymnasium in Höchst ja schon drei Gymnasien habe - und zudem das neue Gymnasium am Römerhof auch aus dem Westen über die Oeserstraße gut zu erreichen sei: "Eltern aus Nied sagen mir, das ist jetzt ihr Gymnasium", so Weber.

Das einstmals für ein Gymnasium Nied vorgesehene Gelände an der Mainzer Landstraße 701 ist etwa zwei Kilometer entfernt. Der Bau eines Gymnasiums dort scheiterte am Seveso-Abstand zum Industriepark Griesheim, in dem es damals noch chemische Produktion gab - das heutige "Adorno-Gymnasium", 2015 in den Containern in Höchst gegründet, ist inzwischen im Westend beheimatet. Das ursprünglich vorgesehene Gelände soll nach den Plänen der Dezernentin nun die IGS 15 aufnehmen, die den 2018 bezogenen Container-Behelf an der Palleskestraße in Höchst 2025 räumen muss. "Da haben wir es eilig, deswegen wird das wahrscheinlich zuerst dran sein", führte Weber gestern aus.

Sowohl das Gelände an der Mainzer Landstraße 701 als auch das Fiat-Gelände werden derzeit auf Altlasten untersucht. Beim Fiat-Areal weiß man schon, dass es sie gibt; zu klären ist allerdings noch, wer ihre Beseitigung bezahlt - die Stadt oder der frühere Eigentümer. Bei dem Nieder Grundstück stehen Ergebnisse noch aus. Weber will auch untersuchen lassen, ob dort wie in Griesheim ein "Bildungscampus" verwirklicht werden kann - unter Einbeziehung der nahen Fridtjof-Nansen-Schule. Weber: "Wir schauen, was auf das Gelände so draufgeht."

Eine interessante Wendung gibt es auch beim geplanten Bildungscampus Unterliederbach, der an der Hermann-Waibel-Allee die Ludwig-Erhard- und die Paul-Ehrlich-Berufsschule zu Nachbarn machen soll: "Leider ist es aktuell so, dass Sanofi die Fläche an einen Privaten verkauft hat", erklärte Weber gestern.

Der habe zwar jetzt durch den im Oktober 2020 gefassten Aufstellungsbeschluss die Vorgabe, dass die Fläche planungsrechtlich für verschiedene Schulformen und ergänzende soziale Infrastruktur wie eine Kindertagesstätte gesichert sei. "Er stellt sich aber tot", so Sylvia Weber. Das Grundstück sei vier Tage vor dem Aufstellungsbeschluss verkauft worden.

Planungen haben noch nicht begonnen

Die Planung für eine neue Grundschule auf dem Areal der Karl-Oppermann-Schule an der Gotenstraße in Unterliederbach habe noch nicht begonnen, weil das Regionale Förderzentrum noch nicht ausgezogen sei; für die Erweiterung der Karl-von-Ibell-Schule sei eine Machbarkeitsstudie beauftragt, und auch die Walter-Kolb-Schule solle erweitert werden. Bei der geplanten Grundschule im Silogebiet warte man noch auf den Bebauungsplan, doch sei eine Fläche bereits reserviert.

Die Bildungsregion Frankfurter Westen umfasst sieben Stadtteile - die des Ortsbezirks 6 ohne Schwanheim und Goldstein. Es gibt dort 10 200 Kinder und Jugendliche auf allgemeinen Schulen und noch einmal 3200 Jugendliche in beruflichen Schulen. Neu gebaut wurden zuletzt die Henri-Dunant-Schule in Sossenheim und die Ludwig-Weber-Schule in Sindlingen. Die davor an der Palleskestraße fertiggestellte IGS West, so Weber, könne sich "vor Erstwünschen kaum retten". Holger Vonhof

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