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Dokumentarfilm über Juden-Hetze

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Von: Enrico Sauda

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Mehr als hundert Filme hat Ina Knobloch schon gedreht. Mit ihrem neuesten Streifen will sie nun einem Phänomen auf die Spur kommen, das in den vergangenen Wochen und Monaten wieder verstärkt bemerkbar war: der Antisemitismus.

Ina Knobloch ist beunruhigt über die Reaktionen, die die Ankündigung des amerikanischen Präsidenten Donald Trump ausgelöst hat. Dieser hatte Anfang Dezember verkündet, die US-Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem verlegen zu wollen – Zündstoff im Nah-Ost-Konflikt. Und prompt regierten die Palästinenser aufgebracht.

„Zeiten wie diese, in denen die Ankündigung einer Verlegung der US-Botschaft nach Jerusalem einen solchen Hass auslöst, dass israelische Flaggen verbrannt werden und zudem antisemitische Hetzkampagnen stattfinden, sind höchst alarmierend“, sagt Knobloch. Gerade Journalisten, Filmemacher und Künstler sollten etwas dagegen unternehmen. „Und mein Film soll ein Beitrag dazu sein“, erklärt Knobloch.

Ihr Dokumentarfilm trägt den Titel „Die Akte Oppenheimer – das dunkle Erbe antisemitischer Fakenews“ und erzählt das Schicksal des jüdischen Kaufmanns Joseph Süßkind Oppenheimer (1698 – 1738). Er war der wirtschaftspolitische Berater des Herzogs Karl Alexander von Württemberg und wurde nach dessen Tod als Sündenbock einer politisch motivierten, judenfeindlichen Hetzkampagne hingerichtet.

Öffentliche Vorführung

Der Film ist am heutigen Samstag um 21.45 Uhr bei Phoenix zu sehen. Zeitgleich findet im Depot (Textorstraße 33) ein Public Viewing statt. Die Frankfurter Filmemacherin beschäftigte sich bislang mehr mit dem Thema Natur, setzt sich in ihrem neusten Streifen aber auch mit dem dunklen Kapitel deutscher Geschichte auseinander. Der Ursprung dieser Arbeit liegt aber länger zurück: Vor vielen Jahren begann sie damit, sich mit den Pogromen des 15. Jahrhunderts zu beschäftigen. „Wenn man einmal anfängt da zu graben, ist es ganz, ganz erschreckend.“

In Knoblochs Film sind zahlreiche Szenen aus dem nationalsozialistischen Propagandafilm „Jud Süß“ zu sehen. Darin wurde Oppenheimer diffamiert. „In der Nazizeit wurde auf viele, viele Stereotype zurückgegriffen“, betont Knobloch und fügt an: „Wenn man die frühe Judenfeindlichkeit und die historischen Fakenews nicht kennt, dann kann man nicht verstehen, wie vor mehr als 80 Jahren die Massen mobilisiert werden konnten.“ Sie selbst habe das lange auch nicht so richtig verstanden. Erst durch die Arbeit am Film sei ihr das langsam klargeworden, welch jahrhundertelange Gehirnwäsche in Europa stattgefunden habe, mahnt sie. „Wenn wir das nicht aufarbeiten, wird das nie enden. Deshalb sind solche geschichtlichen Themen so wichtig.“ In der Schule würde zwar viel über den Holocaust diskutiert. Über die frühen Vertreibungen und Vernichtungen finde man in Schulbüchern allerdings so gut wie gar nichts.

Rituelle Morde

Gefördert wurde die Produktion von der Hessischen Filmförderung. „Das Konzept von Ina Knobloch hat mich begeistert und beeindruckt“, findet Jean-Christoph Caron von Phoenix anerkennende Worte. „Wir suchen Stoffe wie diesen, die so in die Tiefe gehen“, so Caron weiter. So ging Knobloch auf Spurensuche, tauchte tief ein in die Archive und deckte etliche historische „Fakenews“ auf, die den Juden angedichtet wurden – etwa, dass sie Brunnen verseucht oder rituelle Morde an Kindern begangen hätten.

„Es geht um die Entstehung antisemitischer Stereotype und wie sie sich transportieren und wie leicht sie sich reaktivieren lassen“, so Caron. Prominente Protagonisten wie UFA-Geschäftsführer Nico Hofmann, Schriftstellerin Mirna Funk und Pantomime Samy Molcho nehmen in dem Film Stellung und berichten über eigene Erfahrungen mit Antisemitismus.

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