Der Gerüst-Abbau hat begonnen. Bis Ende der Woche soll die Konstruktion verschwunden sein, sich der Turm von St. Mauritius im neuen Farbkleid präsentieren.
+
Der Gerüst-Abbau hat begonnen. Bis Ende der Woche soll die Konstruktion verschwunden sein, sich der Turm von St. Mauritius im neuen Farbkleid präsentieren.

St. Mauritius in Schwanheim saniert

Dom des Maingaus zeigt sein neues Kleid

  • VonGernot Gottwals
    schließen

An welchen Kirchen hat man sich beim Bau von St. Mauritius orientiert? Werner Portugall, katholischer Pfarrer in der Pfarrei Sankt Jakobus und gebürtiger Westerwälder, verweist zunächst auf Sankt Peter und Paul in Höhr-Grenzhausen, denn beide Kirchen tragen die Handschrift von Architekt Joseph Dormann. Doch mit dem Abschluss der Sanierung des Kirchturms, den nun wieder die ursprünglichen Fialen - schlanke, spitze gotische Türmchen - schmücken, würden auch Ähnlichkeiten zum Sachsenhäuser Dreikönigskirchturm erkennbar.

Gerüst wird abgebaut

Noch bevor der Blick auf solche Einzelheiten fällt, werden sich die Schwanheimer zunächst einmal freuen, ihre katholische Pfarr- und Familienkirche wieder gerüstfrei bewundern zu können. "Noch in dieser Woche werden die Gerüste abgebaut, dann sind nur noch ein paar Restarbeiten zu erledigen", erklärt Portugall. Und wenn zum Geburtstag der Kirche am 27. September die Weihe zusammen mit einem Festhochamt und in diesem Jahr auch mit einer verkleinerten Schwanheimer Kerb gefeiert wird, die von der Saarbrücker Straße Corona-bedingt weichen muss (wir berichteten), soll das 1901 eingeweihte neugotische Gotteshaus wieder in alter Schönheit erstrahlen.

Die Turmsanierung hatte im vorigen Jahr mit der Gerüststellung und einer Voruntersuchung begonnen, nachdem sich längere Zeit zuvor ein einzelner Stein mit der Inschrift "1958" gelöst hatte - dem Jahr, an dem zuletzt größere Ausbesserungsarbeiten am Turm vorgenommen worden waren. Vor allem im Mauerwerk waren viele Schäden zu beseitigen.

Suche nach richtiger Farbe

Bis Ende Mai sollten die Maßnahmen ursprünglich abgeschlossen sein, doch dann kam es mehrfach zu Verzögerungen, auch wegen Ausfällen in der Corona-Pandemie.

"Zudem waren noch weitere Untersuchungen und Abstimmungen mit dem Denkmalschutz wegen der Farbgebung nötig", sagt Portugall. Ziel sei es schließlich gewesen, für den Kirchturm einen cremefarbenen Anstrich zu finden, der sowohl zum roten Mainsandstein als auch dem gesamten Erscheinungsbild der Kirche passt. Hinzu kamen noch weitere Reparaturmaßnahmen wie das Ausbessern defekter Butzenscheiben.

Insgesamt hat die Turmsanierung 750 000 Euro gekostet. Davon hat die Pfarrei Sankt Jakobus zehn Prozent selbst getragen, die jedoch über Zuschüsse der hessischen Denkmalschutzbehörde weitgehend refinanziert werden konnten. Zur Verfügung standen auch 20 000 Euro aus dem Vermögen des aufgelösten Freundeskreises St. Mauritius, die nach dem Willen des ehemaligen Vorstands und sonstiger Schwanheimer für die Rekonstruktion der Fialen verwendet werden konnten.

Und hierbei rückt die Dreikönigskirche stärker ins Blickfeld, auf die auch der frühere Leiter des Frankfurter Denkmalamts, Heinz Schomann, als Referenz verwiesen hat: Denn auch dort verwendete der Frankfurter Dombaumeister Franz-Josef Denzinger ähnliche Fialen, um damit die Stadtkrone des Domturms zu zitieren. Nicht umsonst spricht man gerne vom "Sachsenhäuser Dom", während die Schwanheimer St. Mauritius gerne als "Dom des Maingaus" betiteln. "Da trifft es sich natürlich gut, dass die Sanierungsarbeiten an den Türmen der Dreikönigs- und St.-Mauritius-Kirche vom selben Restaurator, Walter Hartleitner, betreut werden", merkt Pfarrer Portugall an.

Noch bis weit ins 20. Jahrhundert hinein habe man vielen Kirchen und sonstigen Bauwerken der historistischen Neugotik im Vergleich zur "echten" mittelalterlichen Gotik eher eine mäßige Bedeutung beigemessen, hat der Pfarrer festgestellt. Inzwischen jedoch wisse man auch bei der Neugotik die Liebe zum Detail ihrer Baumeister zu schätzen - was sich nun auch bei St. Mauritius erweist.

Alte Pläne und Fotos

"Alte Pläne und Fotografien zeigten sich als ergiebig genug, um die Fialen zu rekonstruieren", freut sich der Pfarrer. Die dazu nötigen Recherchen hatte Bernhard Struck vom Freundeskreis St. Mauritius vorgenommen. Nur auf die Kreuzblumen habe man in Abstimmung mit dem Denkmalschutz dann doch verzichtet. Gernot Gottwals

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare