Trump-Anhänger kämpfen im Kapitol mit der Polizei.
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Trump-Anhänger kämpfen im Kapitol mit der Polizei.

USA

Donald Trump „eine Schande”: Republikaner aus Frankfurt reagieren drastisch auf Kapitol-Sturm

  • Thomas J. Schmidt
    vonThomas J. Schmidt
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Die Ausschreitungen im Kapitol in Washington sorgen auch in Frankfurt für heftige Reaktionen. Selbst Republikaner wenden sich von US-Präsident Donald Trump* ab.

Frankfurt - Anhänger des US-Präsidenten Donald Trump haben am Mittwoch das Kapitol gestürmt*. Das Ereignis löst weltweit Betroffenheit aus, auch in Frankfurt. "Es kommt einem vor wie absurdes Theater, aber es ist leider bitterer Ernst", sagte Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) gestern. "Nach solchen Szenen wie jetzt am Kapitol oder am Berliner Reichstag muss die Sicherheit der Parlamente dringend verstärkt werden."

CDU-Politiker aus Frankfurt hält Bürgerkrieg für möglich

Der Vorsteher der Stadtverordneten, Stephan Siegler (CDU), sieht den Angriff als eine "Folge des Populismus. Glaube wird wichtiger als Wissen. Es fehlt der Respekt vor dem anderen, Fakten werden geleugnet. Das gibt es bei uns ja auch." Siegler erinnert an die Belagerung des Bundestages* durch Corona-Leugner. Er hält sogar einen Bürgerkrieg in den USA für möglich: "Milizen stehen sich gegenüber, schwer bewaffnet. Ich frage mich, ob es Konsequenzen für das Waffenrecht haben könnte. Ich frage mich auch, ob Donald Trump mit Absicht die Bundespolizei nicht zur Hilfe gerufen hat", so Siegler fassungslos.

Trump war der schlechteste Präsident, den wir je hatten.

Dennis Phillips

Für Dennis Phillips, Mitglied der Democrats Abroad, der Auslandsorganisation der Demokratischen Partei der USA, sind die Ereignisse am Kapitol eine "Schande für unser Land". Phillips klagt: "Trump war der schlechteste Präsident, den wir je hatten. Er ist ein Lügner. Jetzt hat er noch zwei Wochen zu dienen, und wir müssen sehen, dass er da nicht noch viel Unsinn anstellt."

Demokrat aus Frankfurt über Donald Trump: „Höchste Zeit“ für Abschied

Nach den Ausschreitungen in Washington hat der Präsident versprochen, eine "friedliche Übergabe" des Amts zu gewährleisten. "Es wird höchste Zeit, dass er geht. Joe Biden wird die Nation versöhnen", so Phillips, der keinen Bürgerkrieg befürchtet: "Die ganz große Mehrheit der Amerikaner will das nicht. Wir sind friedlich. Mit den Extremisten haben die meisten nichts zu tun", so Phillips.

Auch Ralph Freund, Vorsitzender der Republicans Abroad Germany, fällt ein klares Urteil: "Es ist unsäglich, dass Donald Trump diese Ausschreitungen befeuert hat!" Es werfe ein schlechtes Licht auf die USA und auf die Republikanische Partei - "obgleich ja die Leute, die da eingedrungen sind, keinerlei Legitimation hatten. Es sind keine legitimen Vertreter unserer Politik gewesen, und die Politiker, ob Demokraten oder Republikaner, haben sich dagegen verwahrt. Auch der Vizepräsident."

Republikaner aus Frankfurt: Donald Trump hat in Corona-Krise „versagt“

Dass Donald Trump die Wahl verloren hat und dies nun auch akzeptieren müsse, sei klar. "Er hat vieles richtig gemacht. Er hat die illegale Einwanderung an der Südgrenze reduziert, er hat China die Kante gezeigt, er hat im Nahen Osten Frieden vermittelt. Aber", so Freund, "sein Stil hat mir nie gefallen, das habe ich auch immer gesagt. In den Monaten der Corona-Krise hat er versagt. Es hat ihn den Wahlsieg gekostet." Die Äußerungen, die zur Stürmung des Kapitols geführt haben, haben Trump nach Freunds Ansicht "endgültig disqualifiziert für eine zweite Amtszeit". Freund glaubt nicht an weitere Unruhen.

War es ein versuchter Staatsstreich? Caroline Fehl, US-Expertin bei der Hessischen Stiftung für Friedens- und Konfliktforschung, sieht es so: "Wenn man das hinzunimmt, was Donald Trump seit den US-Wahlen gesagt hat, was er unternommen hat, um das Wahlergebnis zu ändern, bis hin zum Anruf beim Wahlleiter in Georgia* - wenn man alles nimmt, kann man von einem versuchten Staatsstreich sprechen."

Sturm auf Kapitol befeuert Rassismus-Debatte

Sie habe nicht für möglich gehalten, dass der Präsident fast schon zum Sturm auf das Kapitol aufruft. "Aber es passt in das Bild. Viele Politiker der Republikaner haben es fahrlässig ermöglicht, indem sie bis zuletzt geschwiegen haben." Für Caroline Fehl stellen sich einige Fragen - etwa, ob die Polizei ähnlich schwach aufgetreten wäre, wenn es Farbige gewesen wären, die das Kapitol gestürmt hätten. Oder auch, wie die Justiz jetzt mit dem Vorgang umgeht. Kommt es zu einer Anklage wegen Hochverrats gegen den US-Präsidenten? US-Expertin Fehl: "Was das alles für die Demokratie bedeutet, wird man daran sehen, ob und wie es juristisch aufbereitet wird." *fr.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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