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Dr. Martens stiefelt an die Börse

  • Panagiotis Koutoumanos
    vonPanagiotis Koutoumanos
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Eigentümer Permira will britische Kult-Schuhmarke an der London Stock Exchange listen

Frankfurt. Es gibt nicht viele Schuhe, die zum Klassiker der Modewelt geworden sind und dabei jeden Trend überlebt haben - der 1460-Boot der Marke Dr. Martens gehört dazu: Skinheads, Punks, die Goth- und Grunge-Bewegung haben den Schuh getragen, der in den 40er Jahren in Deutschland als orthopädischer Schuh entwickelt und in den 60ern in Großbritannien als robuster und preiswerter Arbeitsschuh für einen Preis von gerade mal drei Pfund produziert wurde. Sogar Johannes Paul II ließ sich ein Paar anfertigen und die Sängerin Miley Cyrus saß in ihrem Video zu "Wrecking Ball" nackt, nur mit den roten 1460-Boots bekleidet, auf einer Abrissbirne.

Nun soll der Hersteller der Schuhe, die für Individualismus und Rebellion stehen, an die Börse stiefeln. Das hat gestern der Mehrheitseigner von Dr. Martens, die Private-Equity-Gesellschaft Permira bekanntgegeben. Die hatte im Jahr 2013 rund 75 Prozent an dem 1947 gegründeten Unternehmen von der britischen Eigentümer-Familie Griggs erworben, die die Firma 1960 den beiden Deutschen Dr. Klaus Märtens und dessen Partner Herbert Funck abgekauft hatte.

Wie Permira am Montag ausführte, soll Dr. Martens auf den Kurszettel der Londoner Börse. Einen Termin nannte die britische Beteiligungsgesellschaft zwar nicht. Aber aus Finanzkreisen verlautete, dass der Schuh-Hersteller der erste Börsenneuling des Jahres 2021 in London werden dürfte. Dabei will Permira den Einstieg in den Ausstieg vollziehen: Mindestens 25 Prozent des Unternehmens plant die Londoner Gesellschaft im Rahmen des IPO abzugeben - und dabei reichlich Kasse zu machen. Umgerechnet 380 Millionen Euro hatte Permira im Jahr 2013 für ihren 75-Prozent-Anteil bezahlt. Heute werde Dr. Martens mit rund 2,2 Milliarden Euro bewertet, hieß es gestern in London.

Allerdings hat Permira bei dem Unternehmen auch gute Arbeit geleistet: Unter seiner Ägide ist die Marke sowohl in der Produktion als auch im Vertrieb viel internationaler, das Sortiment deutlich größer geworden; Heute verkauft Dr. Martens sogar Loafers, Sandalen und vegane Schuhe - zumeist hergestellt in Asien. In der ursprünglichen Fabrik im mittelenglischen Northamptonshire werden nur noch sehr wenige Schuhe gefertigt, die um einiges teurer sind als die in Fernost produzierten Modelle. Die luftgefüllte Gummisohle ist aber allen Modellen gemein.

"Die Marke war immer größer als die Unternehmung. Aber in den vergangenen Jahren haben wir das Geschäft auf ein völlig anderes Niveau gehoben", sagte gestern der Vorstandschef des Schuh-Herstellers, Kanny Wilson. So werden heute jährlich mehr als elf Millionen Paare in mehr als 60 Ländern verkauft. Seit der Übernahme im Jahr 2013 ist der Umsatz von rund 160 Millionen Pfund auf 672 Millionen Pfund (rund 747 Millionen Euro) im Geschäftsjahr 2019/20 (per Ende März) gestiegen. Dabei betrug der Vorsteuer-Gewinn 101 Millionen Pfund.

Ein Erfolg, dem die Corona-Krise insgesamt keinen Abbruch getan hat. Wie viele andere Unternehmen in Großbritannien nahm zwar auch Dr. Martens von März bis Juni 2020 staatliche Lohn-Subventionen unter dem "Coronavirus Job Retention Scheme" in Anspruch. Aber das Geld zahlte das Unternehmen schon im August "nach einem Jahr mit außerordentlichem Wachstum" komplett zurück, wie Wilson betonte, der das Unternehmen seit zwei Jahren führt.

In den ersten sechs Monaten des laufenden Geschäftsjahres hat Dr. Martens nach eigenen Angaben 14 Prozent mehr Schuhe als im Vorjahreszeitraum verkauft - und das, obwohl Corona-bedingt auch die Mehrzahl seiner 130 stationären Geschäfte bislang mehr als ein halbes Jahr lang geschlossen gewesen sind. Aber in diesem Zeitraum seien die Online-Umsätze um 74 Prozent gestiegen, so der Schuh-Hersteller. Hatte der Online-Anteil am Absatz im vergangenen Geschäftsjahr noch rund 20 Prozent betragen, liegt er nun bei fast 30 Prozent. Und die Quote werde weiter steigen, versicherte Wilson.

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