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Dramatisch schön und zauberhaft

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Von: Sabine Schramek

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Deshalb spricht man von theatralisch: Große Gefühle, tolle Kostüme, berückendes Bühnenbild. FOTO: rainer rüffer
Deshalb spricht man von theatralisch: Große Gefühle, tolle Kostüme, berückendes Bühnenbild. FOTO: rainer rüffer © rüffer

Im Frankfurter Grüneburgpark geht wieder jeden Tag der Vorhang in andere Welten auf

Die Corona-Jahre waren hart und haben auch von der Dramatischen Bühne viel Kreativität und Kraft abverlangt, die das Team perfekt einzusetzen wusste. Jetzt öffnet sich der Vorhang endlich wieder fast normal im idyllischen Park beim Freiluftfestival.

Theater als treuer Begleiter

Die Vögel in den Bäumen zwitschern Applaus. Nicht nur auf dem Gelände der Dramatischen Bühne mitten im Grüneburgpark, sondern auch rundum - quasi als Zaungäste. "Es ist eine Mischung aus zauberhaft, wild, schrill und gemütlich hier und darauf freuen wir uns riesig", sagen Katja und Stefan Schmidt, die "seit zehn Jahren keinen Sommer ohne Dramatische Bühne verbringen. Es ist einfach zu schön."

Weiße Plastikstühle stehen akkurat auf der Wiese, Bierbänke und Liegestühle gibt es auch unter bunten Lampions, die an Bäumen baumeln. Thorsten Morawietz hängt ein großes Bild in Öl in sanften Herbstfarben über eine kleine Holztreppe an der Rückseite der prächtigen Schiffsbühne, die eine ruhige Straße mit kleinen Häusern unter Bäumen zeigt. Er trägt weiße Strümpfe und eine kurze Ballonhose, darüber ein weißes T-Shirt. Halb Shakespeare, halb Theatermacher.

"Es ist schön und aufregend zugleich", so der Mann mit den langen baumelnden Haaren, der vor 25 Jahren die Dramatische Bühne mitgegründet hat und seither als Schauspieler, Regisseur, Texter und Mitmacher dabei ist. Schön, weil das Freiluft-Theater wieder "fast normal" seine Kunst zeigen kann. Aufregend, weil eine Schauspielerin wegen eines positiven Coronatests in Quarantäne ist und "ganz schnell Ersatz gefunden werden musste".

Hinter der Bühne wird leise Text geprobt, das Stück "Shakespeare in Love" ist voll davon. Die junge Schauspielerin lächelt dabei, blickt auf die Kladde und nickt, während Morawietz den roten Vorhang drapiert. 400 Zuschauer haben Platz vor der Bühne. Manche bringen sich Picknick und Decken mit. Andere holen sich am Restaurationszelt Erdnüsse, Süßigkeiten Getränke und Dauerbrezeln. "Frische Brezeln aus der Bäckerei gibt es auch bald wieder", verspricht die junge fröhliche Verkäuferin, die nichts lieber tut, als zu "sehen, wie sich die Plätze füllen und sich vom Banker bis Studenten alle gleich wohl fühlen".

So war es vor Corona, seit Corona und auch jetzt. "Wir spielen diesen Sommer wieder mehr Stücke. Vergangenes Jahr konnten wir wegen der Corona-Vorschriften nicht in voller Besetzung spielen, jetzt geht es wieder", so Morawietz erleichtert.

Bis zum 21. August gibt es 65 Aufführungen des Ensembles, das den Theatertraum seit Shakespeares Zeiten wieder aufleben lässt und ins Heute voller Albernheit und Tiefsinn in einer Mischung aus Hoftheater und Komödienanten bringt. Mit prächtigen Kostümen und Witz. Ob "Faust", "Das Parfum", "Amadeus", "Gefährliche Liebschaften", "Der Name der Rose", oder "Moulin Rouge" - sie alle und die weiteren gut 15 Stücke verzaubern, unterhalten und führen in andere Welten.

Ernst wird der Theatermacher, wenn er an die Zukunft denkt. "Wie es nach diesem Jahr weitergeht, wissen wir noch nicht. Wir hoffen darauf, dass Corona nicht wieder jede Menge Einschränkungen bringt und auch sonst keine weiteren Krisen kommen. Die Stimmung ist wieder richtig schön, das Geld verdammt knapp", sagt der Naturliebhaber kurz mit starrem Blick, der schnell wieder hoffnungsvoll wird, wenn er davon erzählt, dass auch Landungsbrücken Frankfurt und das Freie Theaterhaus wieder mit Gastspielen mit von der Partie sind.

Glückliches Publikum

An Nachmittagen gibt es Kindertheater, Lesungen sind dabei und Theaterstücke der Partner, die ebenso wie die Schauspieler der Dramatischen Bühne froh darüber sind, wieder "eine richtige Bühne mit lachendem und glücklichen Publikum" zu haben. Morawietz tritt in vollem Kostüm als Shakespeare auf die Bühne, nimmt die Besucher sofort in vollen Bann. Selbst die Vögel in den Bäumen scheinen zu lauschen und zwitschern laut, wenn das Publikum applaudiert.

Das gesamte Programm bis zum 21. August vom Freilichtfestival im Grüneburgpark gibt es im Internet unter https://www.diedramatischebuehne.de/programm/ . Tickets können ebenfalls auch über die Website reserviert werden.

SABINE SCHRAMEK

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