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Drei Lilien und der Müll im Scheerwald

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Von: Sabine Schramek

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Wer will fleißige Pfadfinder sehen, der muss in den Stadtwald gehen. Juto (8) und Cansu (9) waren mit viel Elan und einem prallgefüllten Beutel bei der Sache. FOTO:
Wer will fleißige Pfadfinder sehen, der muss in den Stadtwald gehen. Juto (8) und Cansu (9) waren mit viel Elan und einem prallgefüllten Beutel bei der Sache. FOTO: © hamerski

Fleißige Pfadfinder sammeln Unrat ein

Das Motto von Pfadfindern lautet "jeden Tag eine gute Tat". Wenn sich 24 Wölflinge, Jungpfadfinder, Pfadfinder, Rover und Ritter im Wald treffen, ist Schluss mit Müll, Unrat und Dreck, den achtlose Menschen verursachen.

Bis zum Goetheturm

"Allzeit bereit", "gut Pfad" heißt es, wenn Pfadfinder drei Finger ihrer linken Herzenshand an ihren Hut legen. Mit Mülltüten, Zangen und Gummihandschuhen ausgestattet, sind sie bereit, auf unwegsamen Pfaden am Waldrand im duftenden Bärlauch nach Müll zu suchen. Vom Scheerwaldspielplatz bis zum Goetheturm machen sich die kleinen und großen Pfadfinder von den Drei Lilien einmal im Jahr als Müllsammler nützlich. "Das ist auch mit dem Förster Lars Eckert abgesprochen", sagt der Vereinsvorsitzende Roland Schwarzfeld. Die zweite Vorsitzende Sonja Werle nickt und erzählt den aufgeregten Kindern und Jugendlichen, dass der Förster die gefüllten Müllsäcke anholt und entsorgt.

In kleinen Teams wuseln 24 Pfadfinder ins Unterholz und picken im Sekundentakt Müll auf. Papier, jede Menge Flaschen, Chips-Verpackungen, Metallteile, Plastik, Lappen und viel Undefinierbares landen in Müllbeuteln. "Hier liegt ein Teppich", rufen Kinder, die vorausgelaufen sind. Die Erwachsenen gehen zu ihnen und helfen, das schwere gerollte Teil an einen Baum am Waldrand zu lehnen. "Unglaublich, was die Leute alles wegwerfen", sagen sie kopfschüttelnd. Jonah (15) zieht Müllbeutel und Kartons unter Laub und Bärlauch aus dem Waldboden. Helen (11), Mia (12) finden ebenso wie Liv (14), Liam (14) und Nox (15) jede Menge Hundetüten, Glas- und PET-Flaschen und Becher. "Hier wird wohl oft Party gemacht", stellen sie fest. Sie waren schon oft dabei, wenn der schöne Waldrand saubergemacht wurde. "Wir haben auch schon Waschmaschinen, ein Sofa und ganz viel Elektroschrott aus dem Wald gezogen", sagen sie. "Und oft finden wir Spritzen und andere ekligen Drogensachen. Meistens dort, wo wenig Autos langfahren", weiß Liv und verzieht angeekelt das Gesicht. Sie stochern systematisch weiter, ganze Säcke voller leeren Flaschen schleppen sie an die Sammelstelle. Nox bückt sich, weil sie etwas Merkwürdiges sieht. Sie hebt es hoch und staunt. Es ist der Schädel eines Fuchses, den sie den anderen staunenden Pfadfindern zeigt.

Juto (8), Cansu (9), Max (9) und Artur (7), der im Februar sein Pfadfinder-Versprechen abgelegt hat, sammeln an einer anderen Stelle. Sie rennen stolz mit ihren vollen Tüten auf dem Waldweg lang. "Wir haben dreckige Kochtöpfe gefunden, ganz viel Maschendraht und sogar ein Feuerzeug, das noch funktioniert", rufen sie und diskutieren aufgebracht darüber, "warum man sowas wegschmeißt, statt es weiter zu benutzen." Ein Jogger läuft vorbei und hält lobend den Daumen hoch. "Toll macht Ihr das", sagt er und trabt weiter, während die Pfadfinder alles aufsammeln, was nicht in den Wald gehört. Einige sammeln schweigend, andere zeigen jedes Stück ihrer Beute und schimpfen über die, die nicht wissen, was Mülleimer sind. Spaß macht es allen. Sie finden "den Wald viel schöner, wenn da kein Müll drinnen liegt. Das ist Gift drin, das Pflanzen und Tieren schadet und Scherben, an denen man sich schneiden kann oder Tiere sich verletzen", weiß schon der kleine Artur.

Der "Stamm" der "Drei Lilien" feiert in diesem Jahr seinen zehnten Geburtstag. "Im Februar gab es schon eine kleine Feier mit Kuchen", verrät Schwarzfeld. "Im Juni wollen wir richtig feiern, wenn Corona es zulässt." Justin (18) hat gerade seinen Führerschein gemacht und ist von Anfang an dabei. Auch er sammelt Müll. "Das gehört einfach dazu, dass der Wald sauber ist", sagt er zu Max, der gerade bei den Pfadfindern reinschnuppert und richtig aufgeregt ist. Max nickt ernst und sammelt weiter. "Das Sammeln ist nur ein Teil der Aktion", so Werle. "Wir erklären und zeigen den Pfadfindern, warum Müll so schlimm ist und warum es hunderte Jahre lang dauern kann, bis Dosen verrotten." Verantwortung zu übernehmen ist eines der Credos der Pfadfinder. "Das funktioniert, indem man es tut", sagt Schwarzfeld und meint damit nicht nur Feuer zu machen, Zelte auf- und abzubauen oder zu kochen. "Eine laute Klappe zu haben, bringt bei uns nichts. Der, der es macht, kommt an."

SABINE SCHRAMEK

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