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Daniel Erdmann ist ein Jazz-Saxofonist und -flötist und wird Ende Oktober mit dem SWR-Jazzpreis ausgezeichnet. foto: dirk bleiker

Sachsenhausen: Szene

Drei Tage Jazzfestival in der Fabrik

  • vonDetlef Kinsler
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Gesund und munter Konzerte genießen

Hoffen auf den Herbst hieß die Parole, die Karin Wagner, die künstlerische Leiterin des Kulturwerks "Die Fabrik" Anfang Juni ausgab. Um im Lockdown dem Publikum dennoch Kultur anbieten zu können, lancierten die Verantwortlichen Video-Produktionen über einen eigenen Youtube-Kanal. Aber ein virtuelles Programm kann Live-Auftritte nie ersetzen. Um so froher war man im Mittleren Hasenpfad, als mit den von der Politik verkündeten Lockerungen wieder Veranstaltungen zu Corona-Bedingungen und mit Hygieneauflagen möglich wurden. Zum Konzert des Folk- und Blues-Gitarristen Biber Herrmann am 1. September konnte zum ersten Mal seit März wieder Publikum ins Gewölbe gelassen werden. Da witterte auch Klaus Metz, der Kurator des jährlichen Fabrik-Jazzfestivals, Morgenluft.

"Ein solches Festival hat einen Planungsvorlauf, der schon im Herbst letzten Jahres startete. Als dann der Lockdown begann und Veranstaltungsorte wie die Fabrik von einem Tag auf den anderen quasi stillgelegt wurden, stand auch das Jazzfestival in unserer Planung zur Diskussion", erinnert sich Metz mit Bauchschmerzen an den April. "Zunächst haben wir mit der Entscheidung bis zum Ende unserer Sommerpause abgewartet, um die weitere Entwicklung der Pandemie und der daraus entstehenden Bestimmungslage zu verfolgen. Für eine Sinn machende Veranstaltung waren für uns 40 statt der üblichen 100 erlaubten Zuschauer die absolute Untergrenze."

Weniger Publikum bedeutet natürlich weniger Einnahmen. Und wenn die Musiker und Musikerinnen darunter nicht leiden sollen, lassen sich Konzerte oft nicht finanzieren. "Das ist sicherlich in diesen schwierigen Zeiten für viele Veranstalter ein großes Problem, in unserem Fall steht hinter unserem Kultur-Angebot die Peter-Paul-und-Emmy-Wagner-Heinz-Stiftung, die zusammen mit einigen Sponsoren die entstehenden Finanzlücken ausgleichen kann", hat Metz eine Sorge weniger. "Ohne diese Hilfen wäre es nicht machbar, ein kleines, aber feines Jazzfestival wie dieses zu stemmen. Die Durchführung wird von unserem Programmteam unter Leitung von Karin Wagner mit ehrenamtlich tätigen Unterstützern organisiert, dadurch sind die in diesem Bereich anfallenden Kosten überschaubar."

Jeweils nur ein Konzert pro Abend

Auch in diesem Jahr sind drei Abende vom 19. bis 21. November für das 5. Fabrik Jazzfestival reserviert. "Gegenüber den vorherigen Jazzfestivals, bei denen die letzten beiden Tage jeweils mit Doppelkonzerten bespielt wurden, haben wir uns dieses Mal auf ein Konzert pro Abend beschränkt, um auch die Aufenthaltsdauer im Keller zu begrenzen", erklärt Metz das modifizierte Konzept. "Mit den aktuell gültigen Hygiene-Bestimmungen ist das so machbar, sollten bei größerer Gefährdungslage die Regeln verschärft werden, kann es natürlich auch passieren, dass unser Jazzfestival kurzfristig abgesagt werden muss." Doch daran möchte im Moment keiner denken. Am Donnerstag soll in Kooperation mit der Jazz-Initiative Frankfurt die "Hugo Read Group" eröffnen. Der Saxofonist stellt sein aktuelles Album "Of Pain And Glory" vor. Seine Kompositionen werden als höchst kultivierte Kammermusik gewürdigt. Auch Daniel Erdmann am Freitag gilt als großer Stilist am Saxofon. Vom ungewöhnlich besetzten Trio mit Vincent Courtois (Cello) und Jim Hart (Vibrafon) darf man reichlich Raffinesse im Zusammenspiel erwarten. Das "Shannon Barrett Quartett" beschließt am Samstag das Festival. Die australische Posaunistin hat just den "WDR Jazzpreis" in der Kategorie Improvisation gewonnen.

"Für das gesamte Festival haben wir schon bei der Gründung vor fünf Jahren festgelegt, dass wir modernen, zeitgenössischen Jazz von Musikern im Programm haben wollen, die auch aus anderen Regionen unseres Landes oder aus dem Ausland kommen können und ein hohes musikalisches Niveau sicherstellen", betont Metz. "Wichtig ist uns, dass unser Publikum hört und sieht, wo die aufregende Reise des Jazz bei durchaus guter Hörbarkeit in der aktuellen Musikgeschichte hingehen kann." DETLEF KINSLER

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