1. Startseite
  2. Frankfurt

Frankfurt: Eishockey-Löwen nehmen Ukrainer auf – Kinder trotz Flucht überglücklich

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Enrico Sauda

Kommentare

Sie flohen aus Odessa, wo sie bei den Seewölfen spielen, und hatten ihre Eishockey-Sachen im Gepäck. Die drei Freunde Daniil, Mark und Dima. Dima erhielt seine Ausrüstung von den Löwen Frankfurt, wo die drei Jungs in der U9 trainieren und spielen.
Sie flohen aus Odessa, wo sie bei den Seewölfen spielen, und hatten ihre Eishockey-Sachen im Gepäck. Die drei Freunde Daniil, Mark und Dima. Dima erhielt seine Ausrüstung von den Löwen Frankfurt, wo die drei Jungs in der U9 trainieren und spielen. © Enrico Sauda

Drei Geflüchtete aus der Ukraine lieben Eishockey, damit sie auch in Frankfurt spielen können, haben die Löwen eine Ausnahme gemacht.

Frankfurt – Mark, Daniil und Dima sind mit ihren Müttern vor dem Krieg geflohen. Jetzt können sie wieder nach dem Puck jagen. Mit dem Auto flohen sie aus Odessa. Hatten – wie viele andere auch – nur das Nötigste dabei. Für die beiden achtjährigen Mark und Daniil zählte dazu: ihre Eishockey-Ausrüstung. Seit ihrem dritten Lebensjahr stehen sie mit ihrem Kumpel Dima auf den Kufen. Bis Februar. Da trainierten sie zum letzten Mal mit den Seewölfen aus Odessa. Dann kam der Krieg.

Putin ließ seine Truppen in die Ukraine einmarschieren. Das Leben der Familien änderte sich schlagartig. Und sie machten sich auf den Weg raus aus ihrer Heimat. Über Tschechien kamen sie mit ihren Müttern nach Deutschland und sind nun in Offenbach untergebracht. Mark, Daniil und Dima wollten wieder aufs Eis.

„Eine Schwester einer der drei Jungs studiert hier“, sagt Tim Ansink, der bei den Löwen die U9 trainiert. „Sie hat uns dann angeschrieben und gefragt, ob sie hier mitmachen könnten“, so Ansink darüber, wie die drei Freunde zu den Löwen kamen. „Sie kennen sich seit frühester Kindheit, haben jetzt nur noch sich und ihre Mütter. Als sie das erste Mal in der Kabine saßen, da hast du schon eine gewisse Leere in ihren Augen gesehen“, sagt Tim Ansink. „Aber als sie auf dem Eis waren, strahlten sie wieder.“

Bürokratie kann warten: Eishockeys-Spieler aus der Ukraine wollen in Frankfurt sofort auf die Kuven

Auch an diesem Abend wollen sie aufs Eis. Sie haben es eilig. Kaum sind sie fertig angezogen, hält sie nichts mehr davon ab, den Schutz von den Kufen abzustreifen, den Schläger zu packen und aufs Eis zu stürmen. „Wir sind so glücklich, wieder spielen zu können“, sagt Mark. Und ihnen ist auch gleich aufgefallen, was am deutschen Spiel anders ist als am ukrainischen: „Hier wird früher aufs Tor geschossen. Wir umspielen den Torhüter lieber“, sagt Daniil, der wie sein Kumpel Mark das Trikot des Seewölfe aus Odessa trägt.

Was sie denn noch mitgenommen hätten? „Die Dokumente“, antworten alle drei gleichzeitig. „Njet“, nein, antworten sie auf die Frage, ob sie auf der Flucht Angst gehabt hätten. „Wir haben alles vergessen“, sagt Mark. Aber: Sie vermissen ihre Väter, die noch dort sind und mit denen sie Kontakt haben. Ein Vater lebt nach der Trennung von der Mutter schon länger in Amerika. „Es gab viele Fragen zu klären“, fügt Mark noch hinzu. Wobei die Maxime galt, dass sie erstmal einfach nur aufs Eis gehen sollten. Die Bürokratie muss warten.

Nur noch ein kurzes Stück: Jungs aus der Ukraine wollen bald Vereinsmitglieder werden

Seit vergangenem Mittwoch (23.03.2022) trainieren die drei Jungs nun wieder. Und zwar bei den Löwen in Frankfurt. „Aktuell läuft jetzt alles, damit die Formalitäten geklärt werden können“, sagt Ansink. Danach sollen Mark, Daniil und Dima richtige Löwen werden. Also Vereinsmitglieder. An einem Turnier haben sie auch schon teilgenommen. „Das wurde alles sehr unbürokratisch und rasch geregelt“, so Ansink.

Die Mannschaft hat die drei aus Odessa sehr gut aufgenommen. „Kinder, die eher still und zurückgezogen sind, haben angefangen, mit ihnen zu sprechen. Das war sehr schön zu sehen“, sagt Ansink. Zudem gibt es drei russischsprachige Betreuerinnen, die sich dreimal die Woche im Training um die Kinder kümmern, die Ansink trainiert. Zu ihnen zählt Inna Moskalenko, selbst Ukrainerin aus Dnipro. Seit fünf Jahren lebt sie in Deutschland. Aber ihre Familie ist noch in ihrem Heimatland. „Ich habe große Angst“, sagt Inna Moskalenko, nachdem Mark, Daniil und Dima sich in Richtung Ausgang aufgemacht haben. Das Training ist vorbei und vor der Eissporthalle warten ihre Mütter, um sie abzuholen. (Enrico Sauda)

Die Welle der Unterstützung für Geflüchtete aus der Ukraine ist ungebrochen. Vereine und Privatpersonen sammeln Spenden für die Menschen – zuletzt hatte sogar die Polizei in Frankfurt einer Mutter und ihrem Baby aus der Not geholfen.

Auch interessant

Kommentare