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Am Schaumainkai kriechen die Autoschlangen: Ab Sommer soll es noch voller werden.

Sachsenhausen

Droht der Verkehrskollaps, wenn der Mainkai ab Sommer 2019 gesperrt wird?

Wenn ab Sommer 2019 der Mainkai am nördlichen Mainufer für Autos gesperrt sein wird, verlagert sich der Verkehr vor allem auf die Südseite des Mains. In Sachsenhausen mehren sich die Sorgen und der Ärger darüber.

Täglich fahren 20 000 Autos auf dem Abschnitt zwischen Untermainbrücke und Alter Brücke auf dem Mainkai. Ab Sommer 2019 müssen sie sich einen anderen Weg durch die Stadt suchen, um von Ost nach West zu gelangen. Zwar wird ein Teil der Autofahrer die Berliner Straße als Ausweichstrecke wählen, der Löwenanteil wird jedoch durch den Süden fahren. Das teilte die Stadt in einer Stellungnahme dem Ortsbeirat 5 (Sachsenhausen, Niederrad, Oberrad) mit: „Vor allem Sachsenhausen wird von den Verkehrsverlagerungen betroffen sein.“

Laut einer Modellrechnung der Verkehrsdatenbasis Rhein-Main (VDRM), die grob die Hauptverkehrsströme zeigt, werden das südliche Mainufer mit zehn bis 15 Prozent, die Gartenstraße mit 20 bis 25 Prozent und die Mörfelder Landstraße mit fünf bis zehn Prozent der gesamten Verlagerung die „wesentlichen Ausweichstrecken“ sein. Sprich: bis zu 10 000 Autos mehr. Auf der Friedensbrücke und auf der Untermainbrücke erwarte man mehr Verkehr. Wie viel mehr, bleibt aber unklar.

Kaum noch tragbar

Was im Amtsdeutsch trocken klingt, hört sich auf den Straßen in Sachsenhausen anders an. Besonders in der Gartenstraße sind Geschäftstreibende und Anwohner besorgt. Für Anwohner Georg-Christof Bertschist ist die Sperrung des Mainkais „absoluter Unfug“. Gerade die Gartenstraße, über die laut Modell also bis zu 5000 zusätzliche Autos brausen könnten, sei ohnehin schon dauerhaft überlastet. „Vor allem an der Ecke zur Schweizer Straße ist die Situation schon jetzt kaum noch tragbar.“ Täglich belieferten Lkw die Geschäfte von der Gartenstraße, hinzu komme die Straßenbahn, die von der Schweizer Straße abbiegt. Zudem führt die Gartenstraße als Bundesstraße in Richtung Autobahnanschluss Süd, was morgens und abends in beiden Richtungen für viel Verkehr sorgt. „Ich kenne keine andere Kreuzung in Frankfurt, die so belastet ist,“ sagt Bertsch. „Gerade wenn das Mainufer bei Festen wie dem Museumsuferfest gesperrt ist, herrscht hier Dauerstau, Lärm und Krach. Das Maß ist jetzt schon voll.“

Zählungen im Sommer

Bertsch ist Professor an der Offenbacher Hochschule für Gestaltung, forscht im Bereich Logistik und Mobilität und kennt sich mit Verkehrsströmen aus. „Die Verkehrsadern entlang der Nord- und Südseite des Mains sind wie zwei Röhren, die zusammenhängen. Macht man die eine dicht, läuft die andere über,“ erklärt er.

Ganz gelassen hingegen sieht Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) den Auswirkungen der Sperrung entgegen. „Es wird sicher nicht so schlimm, wie viele es sich jetzt vorstellen,“ meint er. Die bisherigen Zählungen und das Modell zeigten nur ungefähre Auswirkungen an, genau wisse man es erst, wenn die Sperrung da sei und größere Verkehrszählungen gemacht würden. „Der Mainkai war zuletzt während der Altstadteröffnung acht Tage lang gesperrt. Da gab es keine Beschwerden, kaum jemand hat es bemerkt,“ so Oesterling. „Es wird einige Wochen dauern, bis sich das Neue einspielt. Deshalb ist die Probephase auf ein Jahr gelegt, um die Auswirkungen beurteilen zu können,“ so Oesterling.

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Der Ortsbeirat hingegen ist alarmiert. „Die Antwort von der Stadt ist unzureichend,“ sagt CDU-Fraktionschef Martin-Benedikt Schäfer. „Wir brauchen deutlichere Zahlen auch dazu, in welche Nebenstraßen sich der Verkehr verteilen wird“, führt er fort. „Es ist zu befürchten, dass bei Staus mehr Autofahrer versuchen, über Schleichwege und kleinere Wohnstraßen zu fahren.“ Die Haltung der Stadt, alles auf sich zukommen zu lassen, sei nicht akzeptabel, findet Uwe Schulz, Fraktionsvorsitzender der FDP: „Das ist wenig durchdacht.“

Sorgenkind ist auch der Flohmarkt, der alle zwei Wochen samstags auf dem Schaumainkai stattfindet. Der müsste dann endgültig weg, finden CDU, FDP und Grüne.

Die Sperrung des Mainkais in Frankfurt sorgt für viel Frust. Einige Autofahrer halten sich nicht an die Verbotsschilder, auch eine Bürgerinitiative war in Planung. 

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