Diktatwettbewerb an der Goethe Uni
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Diktatwettbewerb an der Goethe Uni

Großer Diktatwettbewerb

Und der Duden hat recht!

  • VonDominik Rinkart
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Unglauben, Entsetzen, Fassungslosigkeit! 120 Studierende der Goethe Universität sitzen im Casino-Festsaal und staunen nicht schlecht. Vor ihnen auf der Bühne steht Carl Jamka und präsentiert die Auflösung des großen Diktatwettbewerbs „Die Goethe schreibt“. In der vergangenen halben Stunde haben die Studierende alles gegeben. Hochkonzentriert folgten sie Jamkas Diktat und versuchten jede Hürde im kniffligen Text zu meistern. Vergebens: Manch eine Rechtschreibregel ist schlicht nicht nachzuvollziehen, ohne Fehler kommt hier niemand raus.

Zum dritten Mal veranstalten die Deutschland-Stipendiaten an der Universität zusammen mit der Polytechnischen Gesellschaft den Diktatwettbewerb.  Mit größter Sorgfalt werden die Teilnehmer am Saaleingang begrüßt und ihren Fachbereichen zugeordnet. Der Ehrgeiz der Studierenden ist spürbar, es geht um nicht weniger als die Deutsche Sprache. „Wird jemand das Wunder vollbringen und Null Fehler schaffen?“, fragt Moderatorin Anita Obenaus. Im vergangenen Jahr lag der Rekord bei fünf Fehlern. Das Diktat ist nicht lang, doch fünf Fehler erreichen viele schon im ersten Absatz.

Bedächtig ließt Jamka die Sätze vor. Erst als Ganzes, anschließend in Sinnabschnitten. Jamka weiß, wie sich die Teilnehmer fühlen. Er nahm selbst am ersten Diktatwettbewerb teil und gewann diesen. „Mein Eindruck ist, dass der Text schwieriger ist als im Vorjahr,“ macht er den aufgeregten Studierenden im Vorfeld Mut. Dass das Diktat kein Spaziergang wird, wissen alle. Ob dass der Grund ist, warum zum ersten Mal kein einziger Professor daran teilnimmt? Die Studierenden sind sich da sicher.  

Groß- und Kleinschreibung, getrennt oder zusammen und wie war das nochmal mit dem scharfen S? Viel Zeit zum Nachdenken bleibt nicht. Kaum ein Satz vergeht ohne offensichtliche Schwierigkeit: Ist es eine Falle oder schreibt man das doch so wie angenommen? Nach eine knappen halben Stunde entspannen sich die Gesichtszüge kollektiv. Schnell werden die braunen Schreibstifte gegen grüne Korrekturstifte getauscht und ein Jeder macht sich an die Selbstkorrektur.

Fast entschuldigend hebt Jamka gelegentlich die Arme: Er kann doch auch nichts dafür, dass das so geschrieben wird. Schon beim Wort „Ebendeshalb“, im zweiten Satz des Diktats, regt sich leichter, amüsierter Protest. Auch beim, kurioserweise mit etlichen Binderstrichen verbundenen, „Das-muss-man-erlebt-haben-Moment“ ist das Erstaunen groß. Doch spätestens beim Ausdruck „eis- und Ski laufen“ steht das Plenum kurz vor der Revolte. Doch der Duden hat nun mal recht, das sehen alle ein.

Anschließend erhebt sich der Saal. Wer mehr als 30 Fehler hat, darf sich wieder setzen. In Fünfer-Schritten geht es abwärts. Bei 15 Fehlern stehen nur noch vereinzelt Studierende an ihrem Platz. Diese Texte gehen zur Jury und werden eilig im Verborgenen nochmal korrigiert. Während die Moderatoren Anita Obenaus und Moritz Laucks das Publikum mit einem Sprachquiz unterhalten und Max Seidel  einige seiner launigen Kurzgeschichten präsentiert, steigt die Spannung im Saal. Einen fehlerfreien Text erwartet zu diesem Zeitpunkt keiner mehr, doch was ist machbar? Wie wenig Fehler sind menschenmöglich? Und werden die Rechtswissenschaften ihren Fachschaftstitel aus dem Vorjahr verteidigen?

Für den Fachschaftstitel wird von allen Teilnehmern eines Studiengangs die Durchschnittsfehlerzahl ermittelt. In diesem Jahr geht dieser an den Fachbereich 14 – Biochemie, Chemie, Pharmazie. Hier sorgt eine einzige Teilnehmerin für ihren eigenen Durchschnitt und besorgt ihrem Studiengang mit 12 Fehlern den Titel. Der Einzeltitel geht an den Titelverteidiger: Theo Herterich unterliefen bloß sieben Fehler. Damit krönt sich der Lehramtsstudent in den Fächern Physik, Deutsch und Informatik zum Rechtschreibkönig der Goethe-Universität.

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