Eine runde Sache: Christine Plänßgens "Farbespiel des Lebens" FOTO: rüffer
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Eine runde Sache: Christine Plänßgens "Farbespiel des Lebens"

Kreative Frankfurter

Durch die Kunst scheint stets das Göttliche

  • VonGernot Gottwals
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Aus den eigenen vier Wänden - Ausstellung in Niederrad zeigt im Gemeindehaus kleine Schätze

Es begann mit einem gemeinsamen Mittagessen anlässlich ihrer silbernen Konfirmation. "Da erzählte mir Barbara Menzel von ihrer Malerei", sagt Gerd Pfahl, Gemeindepädagoge in der evangelischen Paul-Gerhardt-Gemeinde. Doch öffentlich ausgestellt hatte sie ihre über 100 Bilder noch nie. Wären sie dafür überhaupt gut genug? Menzel "versteckte" ihre Kunst lieber, fragte sich, ob sie dem Urteil des gewogenen Betrachters standhalten würden.

Anderen eine Freude machen

Nun aber zeigt die Niederräder Künstlerin einen Corona-Schutzengel, eine abstrakte farbenfrohe Reise und ein Monster mit dem Titel "Lass dir nichts gefallen". "Der Mensch kann künstlerisch tätig sein und etwas Neues schaffen, doch aus dem Nichts schaffen kann nur Gott", betonte Prodekan Holger Kamlah in der Andacht zur Vernissage "Aus den eigenen vier Wänden" im Gemeindehaus. Doch in der Kunst scheine etwas Göttliches, wenn der Mensch kreativ tätig ist und seine Werke mit anderen teilt, um ihnen eine Freude zu bereiten.

Genau dies tun derzeit acht Niederräder und zeigen rund 25 Gemälde, Fotografien und Gegenstände, die den Alltag etwas verschönern. Da Pfahl als Gemeindepädagoge auch in Griesheim und Nied arbeitet, organisierte er entsprechende Ausstellungen auch dort. "Für die Niederräder Ausstellung begann ich im Winter zu werben und stellte bald fest, dass es die Niederräder etwas großformatiger lieben", berichtet er.

So wie Uwe Neumann: Seine Bilder stammen aus dem elterlichen Wohnzimmer, zeigen Berg- und Seelandschaften, Strand- und Hafenimpressionen. Ein Gemälde mit dem Pariser Champs-Élysées des späten 19. Jahrhundert knüpft sogar an den Impressionismus an. Die Bilder sollten beeindrucken, den Status der Familie zeigen, auch wenn Pfahl den künstlerischen Wert nicht sehr hoch einschätzt. Nun hat Neumannn mit diesen Erinnerungen abgeschlossen und sucht für eine Spende an die Gemeinde einen neuen Eigentümer.

Eigentlich, so Kamlah, müsse Kunst ja keinen praktischen Nutzen haben. Doch es gibt Ausnahmen, wie die leidenschaftliche Eulensammlerin Helga König mit ihren Vogelmotiven zeigt: "Darunter ist auch eine Eule als Türöffner, zumindest, wenn man ihr das Auge eindrückt und mit dem integrierten Knopf eine Klingel betätigt."

Manche der Ausstellenden geben mit ihrer Kunst Einblicke in ihr Leben. So erzählt Menzels Reisebild über den Tod ihrer Mutter, um deren Liebe sie kämpfte. Und Christine Plänßgens "Farbenspiel des Lebens" erzählt über ihr Gemüt: "Die dunklen Farben stehen für die dunklen Seiten des Lebens, das Gelb für den goldenen Kern in mir." Und ein auf Sylt erworbenes Urlaubsbild mit einem jungen Pärchen von einer früheren Liebe.

Andere Aussteller zeigen selbstgemalte Bilder von nahestehenden Menschen. So beeindruckt ein mit viel Liebe und Geduld gemaltes Katzenbild: "Die Eigentümerin sah damals ihrem Vater zu, während er 50 Stunden lang daran arbeitete", erzählt Pfahl. Auch sein Vater habe gemalt, ebenso wie seine Tochter. Das Bild "Aschenputtel" der Kulissenmalerin Violetta Crnkovic erinnert an eine Aufführung des Märchens durch die Theatergruppe der Gemeinde.

Immer nur vier Personen

Die einzige Fotografie zeigt eine Ansicht der Wendelinuskapelle am Wachtküppel in der Rhön, die der Eigentümer Norbert Hofmann in den 1970er Jahren von einem der Baumeister erhielt. "In die Ausstellung hat sie Eingang gefunden, da sie von Kaplan Herrmann Mott stammt, auf den die ursprüngliche Kapelle zurückgeht", erläutert Pfahl.

Die Ausstellung ist ab morgen bis zum 28. Juli ohne Voranmeldung für bis zu vier Personen gleichzeitig zu besichtigen: Am 21. Juli von 17-20 Uhr am 22. Juli von 17.30 bis 20 Uhr, am 23. Juli von 10 bis 14 Uhr, am 24. Juli von 15 bis 18 Uhr, am 25. Juli von 11 bis 15 Uhr, am 26. Juli von 14 bis 17 Uhr, am 27. Juli von 17 bis 20 Uhr und am 28. Juli von 17 bis 19 Uhr. Gernot Gottwals

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