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Eine Statue der Justitia hält eine Waage in ihrer Hand.

Prozess

Durch Voodoo im Bordell gelandet

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Sie sollen zwei Frauen zur Prostitution gezwungen haben und bei einer von ihnen einen Schwangerschaftsabbruch vorgenommen haben. Seit gestern müssen sich deshalb eine 27-jährige Frau aus Nigeria und ihr drei Jahre jüngerer Bruder vor dem Landgericht Frankfurt verantworten.

Zuhälterei, Prostitution und Schwangerschaftsabbruch – seit gestern muss sich damit die 4. Große Strafkammer des Landgerichts befassen. Auf der Anklagebank sitzen eine 27 Jahre alte Frau aus Nigeria und ihr drei Jahre jüngerer Bruder. Sie sollen im Herbst 2017 zwei damals 17 und 20 Jahre alte Frauen in ihrer Heimat angesprochen und zu einer abenteuerlichen Reise quer durch die Sahara über Libyen, das Mittelmeer und Italien nach Deutschland überredet haben. Personaldokumente hatten die Frauen eben so wenig wie irgendwelche Deutschkenntnisse.

In Frankfurt arbeiteten sie in diversen Bordellen im Bahnhofsviertel – bis am 18. Januar die Polizei zur Routinekontrolle anrückte. Die mutmaßlichen Zuhälter – die beiden Geschwister – wurden festgenommen, die beiden Prostituierten kamen in eine spezielle Unterkunft. Zurück in die Heimat schicken konnte man sie nämlich auf Geheiß der Staatsanwaltschaft nicht – sie müssen den Ermittlungen und dem Prozess als Zeugen zur Verfügung stehen.

Laut Anklage nahm die Sache in Nigeria ihren Anfang, als die Frauen zu einem Voodoo-Priester geschickt wurden, der ihnen Schwüre bezüglich Gehorsam und Arbeitsleistung abnahm. Derart eingeschüchtert begaben sich die Frauen in den Gewahrsam der Schleuser, die für bis zu 25000 Euro pro Person die lange Reise „organisierten“. Und diese Kosten mussten schließlich im Bordell abgearbeitet werden. Angeblich soll der mitangeklagte Bruder der sich „Madame“ nennenden Frau mehrere tausend Euro im Voraus finanziert haben.

Die Anklage enthält allerdings auch eine zusätzliche Besonderheit. Das 17-jährige Mädchen war in ihrer Heimat wohl noch unberührt, so dass der Mitangeklagte die Frau entjungferte. Die daraufhin beginnende Schwangerschaft wurde laut Anklage gegen den Willen der Frau mit Medikamenten beendet. Daraus ergibt sich der Anklagevorwurf des Schwangerschaftsabbruchs.

Zum Prozessauftakt äußerte sich gestern lediglich die „Madame“, die allen Zwang in Abrede stellte. Wer von Nigeria aus ohne Papiere und Sprachkenntnisse Richtung Deutschland aufbreche, wisse, dass er im Bordell anschaffen werde, sagte die Frau. Und das Ende der Schwangerschaft habe die 17-Jährige selbst gewollt, weil sie ansonsten ja nicht mehr hätte arbeiten können.

Mitte September sollen die beiden Nigerianerinnen, die im Bordell landeten, voraussichtlich im Zeugenstand vernommen werden. Auf deren polizeiliche Aussagen stützt die gesamte Anklage.

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