Dicke Dinger: Zusätzliche Müllgaragen sollen in Parkanlagen und an beliebten Treffpunkten den gröbsten Unrat schlucken.
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Dicke Dinger: Zusätzliche Müllgaragen sollen in Parkanlagen und an beliebten Treffpunkten den gröbsten Unrat schlucken.

Abfallproblem

Dutzende Riesenmülleimer für eine sauberere Stadt

  • VonBrigitte Degelmann
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Die Stadt stellt Müllgaragen an beliebten Treffpunkten auf.

Frankfurt. Die Gestaltung eines Abfalleimers ist eine Wissenschaft für sich. Diesen Satz dürfte wohl jeder unterschreiben, der sich mit den neuen Behältern befasst, die seit einigen Monaten von der Stadt Frankfurt aufgestellt werden. Die stabilen dunkelgrauen Metallcontainer fallen schon wegen ihrer schieren Größe ins Auge: 120 Liter fassen sie - mehr als doppelt so viel wie herkömmliche Gefäße, die gerade einmal 55 Liter Stauraum bieten. Auch deshalb haben Abfall-Experten einen besonderen Spitznamen für sie erfunden: Müllgaragen nennen sie die dunkelgrauen Kübel, die dazu beitragen sollen, dass die Straßen, Plätze und Parks der Stadt endlich sauberer werden.

Rund 40 dieser Müllgaragen, die pro Stück etwa 1500 Euro kosten, stellen das Grünflächenamt und die Stabsstelle Sauberes Frankfurt im Stadtgebiet auf. Zum Beispiel auf dem Kurfürstenplatz in Bockenheim, in der Gallusanlage, am Grillplatz beim Waldspielpark Schwanheim, auf dem Luisenplatz im Nordend und vor der Kleinmarkthalle. Von Vorteil ist nicht nur das Fassungsvermögen, sondern auch die Gestaltung. Etwa die genoppte Oberfläche, auf der Klebezettel, Aufkleber und Plakate schlecht haften und von der sich sogar Graffiti leichter entfernen lassen sollen als von herkömmlichen Behältern. Nicht zu vergessen der breite Einwurfschlitz, durch den sich sogar Pizzakartons problemlos versenken lassen. Wobei diese mit etwas gutem Willen auch in den kleineren Mülleimern entsorgt werden könnten, ergänzt Stabsstellen-Leiterin Claudia Gabriel - vorausgesetzt, man faltet den Karton einmal zusammen. "Aber das hat offenbar viele überfordert", fügt sie diplomatisch an. Davon zeugen die Unmengen an Pizzaverpackungen, die in den vergangenen Monaten achtlos neben Parkbänken, auf Wiesen und Blumenrabatten liegengelassen wurden. Oder die einfach auf den bisherigen Abfalleimern gestapelt wurden. Bei den neuen Modellen ist das nicht mehr möglich - wegen des spitzen Daches, mit dem die Müllgaragen versehen sind. Auch eine Neuerung, die für mehr Sauberkeit sorgen soll, denn die Dachluken dienen zugleich als Aschenbecher.

Zu allem Überfluss könnten die Sprüche über dem extrabreiten Einwurfschlitz dem einen oder anderen Passanten ein Lächeln entlocken. "Abfall? Ich bin grün vor Neid", heißt es da zum Beispiel. Oder: "Danke, du Zuckerschneggsche".

Installiert werden diese Müllgaragen seit dem vergangenen Jahr an sogenannten "Hotspots", wie es Claudia Gabriel ausdrückt. An Stellen also, wo viel Abfall anfällt - und wo es viele Beschwerden von Bürgern gibt, wie Lena Berneburg, Sprecherin des Grünflächenamts, mitteilt. Die Resultate seien durchaus ermutigend, sagt sie: "Das Erscheinungsbild der Flächen hat sich merklich verbessert, wie zum Beispiel auf dem Kurfürstenplatz in Bockenheim."

Nicht die einzige Neuerung, mit der die Stadt gegen die Unmengen an Unrat auf Straßen, Plätzen und Grünflächen ankämpft. Denn wegen Corona hat sich das Problem verschärft - vor allem wegen der Zunahme an To-Go-Verpackungen, während Restaurants und Cafés geschlossen bleiben mussten. "Die Zahl der Einwegverpackungen ist explodiert", seufzt Claudia Gabriel. "Vorher waren wir eigentlich auf einem ganz guten Weg, um das Abfallaufkommen zu verringern, zum Beispiel durch Mehrweg- und Pfandsystemen. Aber mit Corona war das alles vergessen."

Im Zuge der Kampagne "Clean FFM" hatte die Stabsstelle bereits 1000 zusätzliche Mülleimer aufstellen lassen, während der Pandemie kamen am Mainufer weitere 300 hinzu. Inzwischen stehen im gesamten Stadtgebiet knapp 8000 Abfallbehälter. Allerdings müsse man hier mit Bedacht vorgehen, gibt die Stabsstellen-Leiterin zu bedenken: "Wir wollen nicht alles mit Mülleimern zupflastern." Denn: Je mehr Kübel oder Tonnen, "umso mehr wird entsorgt". Dabei ist es eigentlich die Philosophie der Abfall-Experten, dass in die öffentlichen Behälter nur sogenannter Kleinmüll geworfen wird. Denn so raffiniert die Abfalleimer auch gestaltet sind - ihr Inhalt landet immer noch samt und sonders im Restmüll. Brigitte Degelmann

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