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Spähtrupp besonderer Art: die drei Waldelfen.

Frankfurter Oper

Dvorák lässt seine Rusalka hinabsteigen ins wahre, grausige Menschenleben

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Antonin Dvoráks Oper „Rusalka“ wurde am Frankfurter Opernhaus wieder aufgenommen. Man wähnte sich dabei im naturkundlichen Museum.

Dvoráks Studie, die er aus verschiedenen Märchenerzählungen der Romantik zusammengestellt hat, betrifft tatsächlich das diffizile Verhältnis zwischen Mensch und Natur – gerade wenn es sich beim Objekt der Begierde um ein halbmenschliches Wesen, nämlich die zarte, aber kalte Nixe Rusalka handelt.

Schon allein ihre elfenhafte Bewegung becirct den Prinzen, mehr noch ihr betörender Gesang. Ihr Gesang an den Mond ist mit das Schönste, was Dvorák, dessen Musik ja so reich an kraftvollen Melodien ist, je geschaffen hat. Dann aber verfällt Rusalka, die sich die Schwimmflosse durch menschliche Beine ersetzen ließ, in tiefes Schweigen. Doch ihr Durchhaltewillen wird bestraft. Nicht Fisch noch Fleisch, bleibt sie letztlich doch das kalte Elfenwesen aus dem Wasser. Die Inszenierung von Jim Lucassen, erstmals gezeigt 2013, versetzt den Zuschauer mitten in ein naturkundliches Museum, präparierte Tiere und das große Sauriergerippe im zweiten Akt könnten auch aus der Senckenberg’schen Stiftung stammen. Rusalka selbst erwacht erst nach einigen Takten zum Leben und steigt aus einer Art Wald-Voliere mit Bäumen und Wasserfall ins wahre, grausige Menschenleben herunter.

Mit klarem Strich gezeichnete Charaktere eifern um die Wette: Der zwischen Realität und Träumerei wandelnde Prinz, die keifende Hexe Jezibaba. Die scheinbar über allen Wirrungen schwebende Fremde Fürstin und der barsche Wassermann. Dazu noch drei Waldelfen in synchroner Bewegung, die es sich am Ende in den Vitrinen des Museums bequem gemacht haben.

Für all dies märchenhafte Volk stehen in der Frankfurter Wiederaufnahme stimmlich und darstellerisch adäquate Künstler zur Verfügung: Karen Vuong hatte die Titelpartie bereits in der Premiere inne und überzeugte auch diesmal wieder – gerade ihr Schweigen ließ die darstellerischen Qualitäten noch wichtiger werden.

Auch sonst griff man auf bewährte Kräfte zurück: die erhabene Claudia Mahnke als Fürstin, Andreas Bauer als Wassermann und Katharina Magiera als eine sehr bewegliche Hexe. Der australische Tenor Gerard Schneider aber war in der Rolle des Prinzen zum ersten Mal zu erleben – stimmlich die passende Ergänzung zur zarten Rusalka.

Generalmusikdirektor Sebastian Weigle ließ es sich nicht nehmen, auch die Wiederaufnahme zu leiten – er formte mit dem hervorragend einstudierten Opern- und Museumsorchester kraftvolle Urwüchsigkeit im besten Sinne Dvoráks.

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