Spätestens beim zweiten Blick erkennt man Äpfel, Geripptes und Bembel, die Thekra Jaziri und Florian Lübke an die Wände des S-Bahn-Abgangs an der Darmstädter Landstraße gesprüht haben.
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Spätestens beim zweiten Blick erkennt man Äpfel, Geripptes und Bembel, die Thekra Jaziri und Florian Lübke an die Wände des S-Bahn-Abgangs an der Darmstädter Landstraße gesprüht haben.

Frankfurter Graffiti

Ebbel, Bembel und auch Sprüche

  • VonAlexandra Flieth
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Künstlerduo gestaltet Wände im Lokalbahnhof in Sachsenhausen neu - Bezug zum Viertel

Das Mosaik, das seit den frühen 1990er Jahren den Treppenabgang zur S-Bahn an der Station Lokalbahnhof schmückt, inspirierte die Offenbacher Künstlerin Thekra Jaziri und ihren Künstlerkollegen Florian Lübke zur Neugestaltung der Wände in der Zwischenebene. Jenes Raumes, in den Fahrgäste gelangen, wenn sie sich vom Bahnsteig über die Treppe oder die Rolltreppe nach oben hin zur Darmstädter Landstraße bewegen oder umgekehrt von der Straße zur S-Bahn gelangen möchten. Seit wenigen Tagen arbeiten die beiden Künstler an dem "Mural" - wie ein großformatiges Wandbild an Gebäuden genannt wird. Ihr Gemeinschaftswerk, das sie im Auftrag der Deutschen Bahn realisieren, schreitet seiner Vollendung entgegen.

Graffiti am Mühlberg

Es ist nicht die erste Arbeit, die sie zusammen umsetzen. Ihre Graffiti-Kunst ist bereits an der S-Bahn-Station "Mühlberg" zu sehen. Während in der Darstellung dort der Bezug zum Gärtnerdorf Oberrad und dessen Kräutern für die Frankfurter Grüne Soße hergestellt wird, verweisen die Motive an der S-Bahnstation Lokalbahnhof nun auf das, was den Stadtteil für viele ausmacht: das Apfelweinviertel in Alt-Sachsenhausen.

In abstrahierter Form zieren Äpfel, die Form eines Bembels sowie Motive von Blaumalerei, ein Geripptes oder architektonische Elemente nun die Wand. Selbst das Konterfei von Goethe kann darin entdeckt werden. Die verschiedenen Elemente sind flächig gestaltet und verweisen in der Darstellung nicht nur inhaltlich sondern auch farblich auf das schon bestehende Wandmosaik.

"Wir wollten das Stadtteil-Thema des Mosaiks in unserem Werk wieder aufgreifen", erklärt Thekra Jaziri die Idee. Die gedeckten Farben des Mosaiks, das in Braun, Blau- und Beigetönen gehalten ist, finden sich auf den von den Künstlern neugestalteten Flächen wieder. Die beiden Künstler haben das Wandmosaik quasi in ihren Entwurf integriert. "Dadurch kommt es nun auch wesentlich besser zur Geltung als vorher", empfindet es Jaziri. Das Markenzeichen der Künstlerin ist die Zusammensetzung von Elementen zu harmonischen Mustern, in die der Betrachter eintauchen kann. Muster, die in der Theorie auch unendlich weitergeführt werden können, wenn die Fläche vorhanden ist.

"Ei gude wie" grüßt von der Wand

FEi gude wie grüßt von der Wandlorian Lübke, dessen Stärke besonders auf der Typografie, also der Schrift liegt, hat das Wandbild durch Sprüche in Mundart ergänzt, die er mit schwarzer Farbe auf die Wände gesprayt hat.

Zur Neugestaltung gehören nicht nur die Wände des Zwischenraumes der Bahnstation, sondern auch eine Fläche am Bahnsteig selbst. Auf den dort zuvor weißen Wänden setzen sich die Motive ihrer Idee fort - die Figur der Frau Rauscher wechselt sich mit Elementen der Blaumalerei und der für Alt-Sachsenhausen typischen Architektur auch hier ab, ebenfalls abstrahiert und reduziert. Thekra Jaziri studiert an der Hochschule für Gestaltung (HfG) in Offenbach mit dem Schwerpunkt visuelle Kommunikation und hat auch in Frankfurts Nachbarschaft bereits Projekte zur Verschönerung des öffentlichen Raums realisiert unter anderem am Mathildenplatz.

Auch die Wandgestaltung der Frankfurter S-Bahnstation Galluswarte zum Abgang Frankenallee geht auf sie zurück. In zahlreichen Beteiligungsprojekten mit Kindern und Anwohnern, hat sie mit ihren Ideen dazu beigetragen, das Wohnumfeld in Frankfurter Stadtteilen zu verschönern.

Alexandra Flieth

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