+
Werner Pfeiffer auf dem Eckenheimer Friedhof

Mehr als eine Verschönerungsaktion

Eckenheim: Heimatverein nimmt Friedhof unter seine Fittiche

  • schließen

Heimatverein übernimmt acht Grabmalpatenschaften

Auf dem Eckenheimer Friedhof findet Ursula Herrtwich eine Erinnerung. Sie geht an den Gräbern vorbei. Sie liest den Namen auf einem der Grabsteine, überlegt kurz und sagt: „Ach, das war doch der Lehrer meines Vaters.“ Die 79 Jahre alte Schriftführerin des Eckenheimer Heimatvereins kennt viele, die auf dem kleinen, nur 0,3 Hektar großen Stadtteil- Friedhof beerdigt wurden, Teile ihrer Familie mit eingeschlossen. „Dort liegt eine Freundin von mir, dort eine Freundin meiner Mutter.“ Eben weil der Friedhof den Bürgern ein Anker für Erinnerungen an die eigene, ganz persönliche Geschichte ist, nimmt ihn der Eckenheimer Heimatverein nun unter seine Fittiche.

Rund 500 Grabstellen gibt es laut Grünflächenamt auf dem Stadtteilfriedhof, acht Gräber davon sind denkmalgeschützt oder wurden vom Magistrat zu Ehrengräbern ernannt. Für diese acht Grabstellen übernimmt Vorsitzender Werner Pfeiffer stellvertretend für den Verein die Grabmalpatenschaften.

„Aus Verbundenheit zur Tradition“

Das heißt, Mitglieder des Vereins werden zukünftig die Grabmäler und Grabstellen pflegen und so den Friedhof insgesamt verschönern. Allen voran Markus Holz, der das Projekt initiiert hat, wegen seiner „Verbundenheit zur Tradition des Stadtteils“, wie er sagt. Besonders am Anfang wird die Pflege viel Arbeit machen. Pflanzen müssen gesetzt und die Grabmäler gereinigt werden. Da ist etwa die Skulptur einer knapp 1,5 Meter großen Madonna aus Marmor. Kunstvoll sind die Falten ihres Mantels in den Stein gehauen worden. Dennoch ist der Glanz der Skulptur unter Moos und Pilzen mit der Zeit verblasst. Es wird wohl eine Spezialfirma brauchen, um ihr weißes Antlitz wieder hervorzubringen.

Mehr als eine Verschönerungsaktion  

Finanziert werden die Arbeiten aus der Kasse des Heimatvereins, sagt Vereinsvorsitzender Pfeiffer. Allerdings könnte der Verein bei einigen Aufgaben an seine Grenzen geraten. Ortsbeiratsmitglied Gero Gabriel (CDU) weist etwa auf einen großen Grabstein hin, bei dessen gemauertem Fundament die Ziegelsteine unverputzt der Witterung ausgesetzt werden. Wenn dieses Fundament erneuert werden muss, werde sicherlich der Ortsbeirat 10 (Berkersheim, Bonames, Eckenheim, Frankfurter Berg, Preungesheim) mit seinen finanziellen Mitteln aushelfen, sagt Gabriel. Er sieht in dem Projekt mehr als eine bloße Stadtteil-Verschönerungsaktion.

Das könnte dazu beitragen, den Friedhof für Eckenheim zu erhalten“, sagt Gabriel. Die Politik der Friedhofsverwaltung mache es schwer, die kleineren Stadtteilfriedhöfe zukunftsfähig zu entwickeln. „Viele Anträge des Ortsbeirats dazu werden abgelehnt.“ Im Jahr 2015 beantragte der Ortsbeirat einen Regenunterstand für den Berkersheimer Friedhof, der Magistrat lehnte aus Kostengründen ab. 2017 beantragte der Ortsbeirat Urnenwände für den Eckenheimer Friedhof. Der Magistrat lehnte ab. 2018 ging es um Urnenwände für den Preungesheimer Friedhof, die ebenfalls abgelehnt wurden.

Sinkende Einnahmen bei steigenden Kosten

Das Friedhofsamt kämpft mit einer Entwicklung, die zu steigenden Kosten und sinkenden Einnahmen führt. Die Ausgaben für Friedhöfe sollten durch die Gebühreneinnahmen gedeckt sein. Der Trend geht aber von teuren Erdgräbern hin zu günstigen Urnengräbern. Das führt zu einem Rückgang der Gebühreneinnahmen. Da die Freiflächen aber weiter wachsen, steigen die Unterhaltungkosten. Deshalb verweist der Magistrat immer wieder auf die Angebote auf dem Bonameser Friedhof und dem Hauptfriedhof. Die gehören zwar zum Ortsbezirk. Für viele Senioren sei es aber mühsam, etwa von Preungesheim nach Bonames zu gelangen, um das Grab eines Familienmitglieds zu pflegen, sagt Gabriel.

Die Arbeit des Heimatvereins hilft nun, den Eckenheimer Friedhof zu erhalten und die persönliche Beziehung des Stadtteils zu seiner eigenen Vergangenheit zu bewahren.

Von Friedrich Reinhardt

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare