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Deutschland, Frankfurt-Eckenheim, 2. Nobember 2017: Die so genannte Gibbs-Siedlung in der Gederner Straße in Eckenheim. Die von der Stadt mitgegründete Konversions-Grundstücksentwicklungsgesellschaft erwarb im Jahr 2006 eine Teilfläche der ehemaligen Gibbs-Kaserne von der Bundesrepublik Deutschland. Parallel zur Gießener Straße befinden sich dort drei ehemalige militärische Mannschaftsquartiere. Sie wurden zu modernen Wohnungen umgenutzt und saniert. Südlich der Siedlung befindet sich eine Brache, die jedoch vor ein paar Jahren mit dem Bau einer Kita teilweise mit neuem Leben gefüllt wurde. Derzeit entstehen dort die Landeszentrale des Tchnischen Hilfswerks (THW) sowie das Katastrophenschutzlager der Frankfurter Feuerwehr.

Stadtteil-Serie (Teil 19)

Eckenheim, der ruhige Stadtteil

In unserer Stadtteil-Serie haben wir in dieser Woche Eckenheim unter die Lupe genommen. Durch die Nähe zur Innenstadt haben es Geschäfte hier schwer. Eine Fotoreportage.

Wer wochentags durch den fast menschenleeren, alten Eckenheimer Ortskern läuft, verortet sich in der Provinz, nicht in der Nähe zum quirligen Nordend. Dabei liegt am Rand des Stadtteils, in der Feuerwehrstraße 1, das 2003 eröffnete Brandschutz-, Katastrophenschutz- und Rettungsdienstzentrum der Feuerwehr Frankfurt, das im Land seinesgleichen sucht. Nur wenige hundert Meter entfernt, in der Gießener Straße, igelt sich das Areal des US-Generalkonsulats im Nordend-West ein. Es ist das größte US-amerikanische Konsulat der Welt.

Ans einstige Bauern- und Gärtnerdorf, das Eckenheim vor knapp hundert Jahren war, erinnern nur noch die mittägliche Ruhe, einige Fachwerkhäuser und alte Gässchen. Teil von Frankfurt wurde Eckenheim, als die Landwirtschaft es noch prägte: Die Eingemeindung war 1910. Eckenheim zählte damals rund 3500 Einwohner, 107 Jahre später sind es vier mal so viele. Erstmals urkundlich erwähnt wurde „Eccinheim“ anno 795 im Lorscher Kodex.

Die im Vergleich zu anderen Frankfurter Stadtteilen lange Zugehörigkeit zur größten hessischen Stadt bedeutet aber nicht, dass die Eckenheimer Infrastruktur vor den Folgen der Nähe zur Innenstadt bewahrt bleibt. Ähnlich wie in einem sterbenden Dorf haben in den vergangenen Jahrzehnten viele Lädchen und Geschäfte geschlossen. Ursächlich sind sicher die nur knapp 15-minütige Fahrt in die Innenstadt sowie die Eröffnung verschiedener Discount-Supermärkte an der Eckenheimer Landstraße.

Der Zusammenhalt im Stadtteil litte noch stärker, gäbe es kein reges Vereinsleben. Über zwei Dutzend Vereine bilden den „Kitt“ des Stadtteils, der zwischen Bornheim, Dornbusch, Frankfurter Berg, Preungesheim, Eschersheim  und Nordend liegt. Besonders kommunikativ sind die zwei Karnevalvereine: „Die Fidelen“ und die „Krätscher“. Vielleicht wäre das Vereinsleben noch reger, verfügte Eckenheim über mehr Treffpunkte. Den Saalbau in der Ronneburgstraße müssen sich die Vereine teilen. Unter den wenigen noch verbliebenen Kneipen und Gaststätten ist der Homburger Hof in der Engelthaler Straße die beliebteste Adresse.

Dafür kann Eckenheim nicht viel größer werden, was künftige Herausforderungen im Rahmen halten sollte. In den letzten Jahrzehnten stieg die Bevölkerung aufgrund des Baus von Wohnsiedlungen entlang der Gießener Straße und der Siegmund-Freud-Straße. Im Osten verhindert die Autobahn A 661 eine Ausdehnung. FNP-Reporter Ben Kilb hat den Stadtteil besucht.

Die von der Stadt mitgegründete Konversions-Grundstücksentwicklungsgesellschaft erwarb 2006 einen Teil der einstigen US-Kaserne „Gibbs“ an der Gederner Straße von der Bundesrepublik Deutschland. Parallel zur Gießener Straße stehen dort drei einstige US-Housings, aus denen Wohnungen wurden. Südlich davon wurde vor einigen Jahren eine Kita gebaut und entsteht derzeit die Landeszentrale des Technischen Hilfswerks (THW) sowie das Katastrophenschutzlager der Frankfurter Feuerwehr.

Seit 2010 gibt es den Buchladen „Camp“ von Dinu Popa in der Eckenheimer Landstraße 352. Der gebürtige Rumäne lebt bereits seit über 20 Jahren im Stadtteil und führt in dessen Mitte, der stark vom Ladensterben betroffen ist, eines der wenigen Geschäfte. Seine Bücher, darunter viele Antiquitäten, verkauft er über das Internet in alle Welt und ist dabei nach eigenen Angaben „schneller als Amazon“. Nach der Eröffnung dauerte es ein wenig, bis die Eckenheimer „Camp“ für sich entdeckten. Weil Popa den Stadtteil und seine Bewohner „so gerne hat“, möchte er ihnen mit seinem Laden etwas zurückgeben. Das schafft er mit Espresso, Lesungen, Weinproben und Filmvorführungen.

Andreas Kimmel, Inhaber des „Homburger Hof“ in der Engelthaler Straße, ist stolz auf seine „Bembelkegelbahn“. Das Lokal existiert seit über 100 Jahren, bietet traditionelle Gerichte der Region und viele Sorten Apfelwein. Alt und Jung treffen sich hier. „Das Stammpublikum ist toll“, sagt er. Die Eckenheimer hielten einem die Treue, gäben viel zurück und seien begeistert vom Kegeln.

Den Spielplatz in der „Kull“ (von Kuhle) nutzen Kinder aus dem Stadtteil, auch die Münzenberger-Schüler. Ebenso steigen hier viele Stadtteilfeste. Einst wurde dort Wein angebaut, bis die Reblaus dem Winzertum den Garaus machte. Im 19. Jahrhundert war der Stadtteil ein Zentrum der Ziegelsteinherstellung; bis vor 100 Jahren wurde Sand und Kies ab- und großteils im Nordend verbaut.

Klaus-Peter Musch ist eine Institution, gilt als inoffizieller Bürgermeister und betreibt mit dem Schreibwarenladen „Musch hat’s“ eines der wenigen Geschäfte im Ortskern. Er wirft der Stadt vor, die Infrastruktur vernachlässigt zu haben. Den gebürtigen Bornheimer kennen viele, hat er doch einst für den Hessischen Rundfunk die Inthronisation des Fastnacht-Prinzenpaars kommentiert und war im Vorstand des Karnevalvereins „Die Fidelen Eckenheimer “ aktiv.

Junge Feuerwehrleute bei der Ausbildung im Zentrum für Brandschutz, Katastrophenschutz und Rettungsdienst in der Feuerwehrstraße 1. Weil es weiter wächst, ist es auch 14 Jahre nach seiner Eröffnung beispielgebend. Neben der Bereichsleitungswache 1 sind dort die Verwaltung der Branddirektion, Werkstätten, Unterrichtsräume sowie ein Sport- und Übungsgelände untergebracht; zudem seit 2005 die Zentrale Leitstelle. Der Komplex entstand 2003 auf einem 32 000 Quadratmeter großen Areal, das einst die Gibbs-Baracken der US-Armee beherbergte.

Die Minigarde der „Fidelen Eckenheimer“ probt im Saalbau in der Gelnhäusener Straße. Der Verein, 1963 gegründet, ist mit den „Krätschern“ verantwortlich für das närrische Treiben im Stadtteil.

Die Hochhäuser in der Sigmund-Freud-Straße entstanden Ende der 1950er Jahre und Mitte der 1970er Jahre aus Mitteln des Sozialen Wohnungsbaus der gemeinnützigen Wohnungs- und Siedlungsgesellschaft, einer Vorgängerin der GWH Wohnungsgesellschaft, sowie weiteren Wohnungsbaugesellschaften. In den 1990er Jahren galt die Siedlung als sozialer Brennpunkt– und sie stört aus Sicht vieler Eckenheimer bis heute die Beschaulichkeit des Stadtteillebens. Bürger klagen über Müllablagerungen zwischen den Hochhäusern und Jugendkriminalität.

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