Stefanie Schmidt-Förster (Mitte) und Werner Krone (rechts) zeigen dem Besuch aus Tel-Aviv das Kinder- und Jugendhaus. FOTO: sauda
+
Stefanie Schmidt-Förster (Mitte) und Werner Krone (rechts) zeigen dem Besuch aus Tel-Aviv das Kinder- und Jugendhaus.

Austausch

Eckenheim: Vom Unbekannten lernen und Freunde finden

  • Friedrich Reinhardt
    VonFriedrich Reinhardt
    schließen

Pädagogen aus Tel-Aviv besuchen Kinder-und Jugendhaus.

Eckenheim -Wer mit den israelischen Besuchern des Kinder- und Jugendhauses (KJH) über die "Spiele im Park" spricht, spürt, wie es in den Köpfen arbeitet: Wie könnten wir so etwas in Tel-Aviv auf die Beine stellen? Seit 2002 organisiert das KJH in den Sommerferien die kostenlosen Angebote auf dem Ami-Spielplatz. Fast könnte zur Gewohnheit werden, dass die Kinder zwei Wochen lang an dem Kletterturm klettern, mit der Kistenrutsche rutschen oder an den Ständen malen und basteln können, während die Eltern auf der Picknickdecke sitzen. Da hilft der Blick von außen, um das Bekannte neu zu entdecken.

Was die Pädagogen und Sozialarbeiter aus Tel-Aviv so begeistert: Die Spiele sind nicht nur für die Kinder, sondern für den Stadtteil, für die "Community" (englisch: Gemeinschaft), sagt Shani Mador. "Das Projekt gibt den Kindern und Jugendlichen ein Gefühl, hier her zu gehören." Und: "Das KJH kann mit den Eltern arbeiten". In Tel-Aviv gebe es so etwas nicht.

Voneinander zu lernen und sich gegenseitig zu inspirieren, ist nur ein Nebeneffekt des Besuches. Der Schwerpunkt liegt darauf, ein Austauschprogramm für Jugendliche aus Eckenheim und Tel-Aviv zu verstetigen und durch persönliche Bekanntschaften die Organisation zu erleichtern, sagt Stefanie Schmidt-Förster, die sich beim KJH um das Austauschprogramm kümmert.

Seit zehn Jahren organisiert das KJH Reisen von Jugendlichen zwischen 15 und 17 Jahren in die israelische Stadt am Mittelmeer. Allerdings jedes Mal mit anderen Einrichtungen als Kooperationspartner. "So platt das klingen mag, wir wollen zu einem Stück Völkerverständigung beitragen", sagt KJH-Leiter Werner Krone. Internationale Begegnungen prägten die Jugendlichen. Politische Fragen, die in der Berichterstattung über Israel häufig im Vordergrund stehen, stünden bei den Reisen im Hintergrund. Man käme trotz Sprachbarriere über anderen Themen in Kontakt. "Dass man den Schulabschluss nicht geschafft hat oder dass es schwierig ist, einen Ausbildungsplatz zu finden", erzählt Krone.

Auch entwickelten die jungen Menschen Fähigkeiten durch die für sie einmalige Erfahrung. Sie gehen ja nicht auf Pauschalurlaub, wo sie abgeschottet im Hotel sitzen. "Die Jugendlichen sprechen keine gemeinsame Sprache und finden so andere Wege, sich miteinander zu verständigen", sagt Mador. Die meisten seien nie im Ausland gewesen, nie mit einem Flugzeug geflogen. Durch den Austausch machten sie die Erfahrung, dass sie in der Lage sind, Schwierigkeiten zu überwinden. Auch lernten die Jugendlichen, dass sie keine Angst davor haben müssen, ihre bekannte Umgebung zu verlassen. "Das stimuliert den Wunsch, andere Kulturen kennen zu lernen." Und: "Es ist auch ein Mittel gegen Antisemitismus", sagt Mador.

Welche Wirkung die Reisen auf die jungen Menschen haben, verdeutlicht Krone an der Geschichte von Yafit. Sie hatte bei einem Austausch Eckenheim besucht. Nach der Rückkehr nach Tel-Aviv rief sie bei Krone an. Sie würde gern noch einmal kommen. "Wie willst du das machen, du sprichst kein Deutsch und kaum Englisch", habe Krone gefragt. Das war egal. Am einem Sonntag war das Telefonat, am Dienstag darauf sei sie in Frankfurt gelandet. Eine Woche verbrachte sie mit ihren neuen Eckenheimer Freunden. Friedrich Reinhardt

Die "Spiele im Park" auf dem Ami-Spielplatz begeistert die Delegation aus Israel, weil es ein Angebot an die ganze Familie ist.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare