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Wie die Bahnsteige an der Musterschule aussehen werden, ist nur zu erahnen. Erkennbar ist, dass die Station keinesfalls in zehn Tagen fertig wird.

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Eckenheimer Landstraße: Großbaustelle wird nicht fertig

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Bis zum Ende der Sommerferien sollte die Komplettsperrung der Eckenheimer Landstraße im Nordend aufgehoben sein. Doch daraus wird nichts. Die Arbeiten verzögern sich um sechs Wochen bis zum 9. Oktober. Noch später wird die Station Glauburgstraße fertig. Und teurer wird’s auch.

Fahrgäste müssen in Busse umsteigen, Autofahrer lange Umwege in Kauf nehmen, Geschäftsleute bangen um ihre Existenz: Der Neubau von zwei Haltestellen für die U 5 in der unteren Eckenheimer Landstraße führt schon seit Monaten zu erheblichen Beeinträchtigungen. Die Straße ist für den Durchgangsverkehr gesperrt, die U 5 verkehrt nur zwischen Preungesheim und Marbachweg / Sozialzentrum. Bisher hatten alle Beteiligten darauf gesetzt, dass bald wieder Normalität eintritt: Am 25. August, rechtzeitig vor dem Ende der Sommerferien und vor dem Museumsuferfest, sollten die Arbeiten beendet sein. So hat es die VGF von Anfang an versprochen.

Doch daraus wird nichts. Seit Montag ist klar: Die Bahnsteige werden nicht rechtzeitig fertig. Und zwar verzögern sich die Arbeiten nicht nur um ein paar Tage, sondern gleich um sechs Wochen. Erst am 10. Oktober soll die U 5 wieder auf ganzer Strecke fahren – dann mit modernen Fahrzeugen und barrierefreiem Einstieg. Zu diesem Zeitpunkt soll die Station Musterschule fertig und die Straße für den Durchgangsverkehr wieder geöffnet sein. An der Haltestelle Glauburgstraße wird voraussichtlich noch länger gearbeitet.

Seit Ostern bereits laufen die Arbeiten an dem lange umstrittenen Großprojekt. In die letzte U-Bahn-Strecke, auf der es bis vor kurzem noch Haltestellen ohne Bahnsteige gab, investiert die städtische Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) rund 19 Millionen Euro. Das allerdings war der ursprüngliche Kostenrahmen, der laut VGF-Sprecher Bernd Conrads keinesfalls eingehalten werden kann. Eine genaue Summe konnte er am Montag noch nicht nennen. Aber er verwies darauf, dass allein der Busersatzverkehr, der um sechs Wochen verlängert werden muss, erhebliche Kosten verursache. Dem Vernehmen nach wurden dafür gestern bereits händeringend Fahrer gesucht.

Dass die Arbeiten nicht pünktlich abgeschlossen werden können, zeichnete sich bereits in der vergangenen Woche ab. Da wurde klar, dass die Kreuzung Eckenheimer Landstraße/Glauburgstraße nicht wie geplant am gestrigen Montag wieder geöffnet werden kann – die Vollsperrung, die nicht direkt mit dem Bau der Bahnsteige zusammenhängt, wurde bereits zum zweiten Mal verlängert. Ursachen dafür waren zum einen ein maroder Abwasserkanal, zum anderen tauchten Gas- und Trinkwasserleitungen auf, die in den Plänen nicht korrekt verzeichnet waren.

Zudem wurde dann vor der Musterschule auch noch eine dort nicht erwartete Telefonleitung entdeckt. Doch allein das hätte noch nicht für die große Verzögerung gesorgt. Der große Schock kam für alle Beteiligten erst am Montag: Es wurde nämlich klar, dass die Baufirma die vier Bahnsteige an den Haltestellen Glauburgstraße und Musterschule nicht rechtzeitig fertigstellen kann.

Details dazu nennt die VGF nicht, man wolle in der Öffentlichkeit nicht über die Beziehungen zu Vertragspartnern sprechen. Conrads gebraucht deshalb die Formulierung „Verzögerungen im Bauablauf“. Nach Informationen der FNP aber klappt die Koordination nicht. Beton-Fertigteile für die Bahnsteige können nur mit Verspätung geliefert werden. Bei den Bahnsteigen handelt es sich um keine Standard-Lösungen, wie sie auch an anderen Stationen eingesetzt werden. Wegen der besonderen Situation in der Eckenheimer Landstraße wurde eigens ein Architektenwettbewerb ausgelobt.

Bei der Baufirma handelt es sich um das Unternehmen Jean Bratengeier aus Dreieich, mit dem die Stadt schon häufiger Ärger hatte. Das drastische Beispiel war die Umgestaltung des Buchrainplatzes in Oberrad, die statt der geplanten zwölf Monate drei Jahre in Anspruch nahm. Ein Jahr passierte auf der Baustelle nichts, weil sich Stadt und Baufirma nicht über Nachforderungen einigen konnten. Öffentliche Bauherren können sich nicht aussuchen, mit wem sie zusammenarbeiten, sondern müssen auf das wirtschaftlichste Angebot zurückgreifen, das bei einer Ausschreibung abgegeben wurde.

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