+
Ursprünglich sollte die Baumaßnahme in der Eckenheimer Landstraße schon Ende August beendet sein. Leitungen und Trassen im Untergrund, die in keinem Plan verzeichnet waren, erschweren die Arbeiten. Jetzt soll Ende Oktober die ganze Straße wieder befahrbar sein.

Schlechte Planung

Eckenheimer: Politiker kritisieren, VGF weist Schuld von sich

  • schließen

Versagen auf ganzer Linie werfen Stadtteilpolitiker und Geschäftsleute der VGF beim Bau der Hochbahnsteige in der Eckenheimer Landstraße vor. Die Arbeiten verzögern sich. Wie geht es weiter?

Michael Budig, Geschäftsführer der Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF), ahnte wohl, dass er einen schweren Stand haben würde. „Das ist kein leichter Auftritt“, sagte er zu Beginn der Bürgerfragestunde in der Sitzung des Ortsbeirates 3 (Nordend). Er sollte Recht behalten. Wütenden Geschäftsleuten und Stadtteilpolitikern, die angesichts der Verzögerungen beim Bau der Hochbahnsteige in der Eckenheimer Landstraße Antworten haben wollten, sah er sich gegenüber.

„Es bleibt mir nichts anderes übrig, als um Entschuldigung zu bitten“, sagte Budig zunächst mit gedämpfter Stimme, um dann auf eine offensivere Gangart umzuschalten – getreu dem Motto: Angriff ist die beste Verteidigung. „Wir sind nicht Täter, sondern Opfer“, erklärte er. Auch durch lautes, von Kopfschütteln begleitetes Raunen der Zuhörer ließ er sich nicht beirren.

Nicht der Gleisbau, sondern die Nebenanlagen wie Fahrradwege oder Parkbuchten seien das Problem gewesen. Angesichts fehlender Pläne über Leitungen und Kabel sei man beim Tiefbau überrollt worden davon, was im Untergrund so alles zum Vorschein gekommen sei. „Gas, Elektro- und Telekomleitungen liegen überall übereinander im Weg“, sagte Budig. Mitte Juli seien die Probleme immer größer geworden. Die ausführende Baufirma habe bislang 400 Einwendungen eingereicht, normal seien bei vergleichbaren Vorhaben 100.

Den kürzlich vom neuen Verkehrsdezernenten Klaus Oesterling (SPD) geäußerten Vorwurf, zu spät über die Verzögerung informiert zu haben, wies Budig zurück. „Es hätte keinen Sinn gemacht, im Juli an die Öffentlichkeit zu gehen. Wir hätten die Frage nach dem Datum der endgültigen Fertigstellung nicht beantworten können“, erklärte der VGF-Geschäftsführer. Deshalb habe man erst Anfang August die Reißleine gezogen. „Der Lüge lasse ich mich aber nicht bezichtigen“, wehrte sich Budig entschieden gegen einen Zwischenruf eines Zuhörers, der der VGF bewusste Verschleierungstaktik vorwarf.

Erst auf mehrmalige Nachfrage nannte er einen neuen Zeitplan: Demnach soll die Station „Musterschule“ am 10. Oktober in Betrieb gehen. Zugleich soll die Eckenheimer Landstraße dann für den Verkehr freigegeben werden – allerdings nur auf dem Abschnitt zwischen Glauburgstraße und Scheffeleck. Nördlich der Kreuzung Glauburgstraße bleibt die Eckenheimer gesperrt. Erst am 31. Oktober, wenn auch die Haltestelle „Glauburgstraße“ fertig ist, ist die Eckenheimer wieder komplett befahrbar.

„Ich wehre mich gegen die Darstellung, dass wir nur die Deppen sind, die nichts geregelt bekommen. Wir haben gut geplant“, sagte Budig. Das jedoch wurde mehrheitlich in Frage gestellt. Denn wie Hans-Joachim Habermann (Linke) und Manfred Zieran (ÖkoLinX-ARL) einwandten, sei von vergleichbaren Bauvorhaben wie etwa an der Deutschen Nationalbibliothek oder der Kreuzung Friedberger Landstraße/ Glauburgstraße bekannt, dass Leitungen kreuz und quer im Untergrund verliefen. Doch offensichtlich sei der Lerneffekt ausgeblieben.

Es sei erst ein Spaziergang des neuen Verkehrsdezernenten über die Baustelle erforderlich gewesen, ehe die ganze Wahrheit ans Licht gekommen sei, kritisierte der CDU-Fraktionsvorsitzende Rainer Krug. „Wenn Sie wirklich so oft auf der Baustelle gewesen sind, wie sie sagen, frage ich mich, warum Sie nicht gesehen haben, dass es nicht geht.“ Grundsätzlich sei auch beim Baustellenmanagement vieles nicht glatt gelaufen. Ursprünglich sollten die Bauarbeiten zu Beginn des neuen Schuljahrs abgeschlossen sein, Baustart war am 29. März.

Krug, Gerhard Brandt (FDP) und Jochen Vielhauer (Grüne) forderten Budig beziehungsweise die Stadt auf, den betroffenen Einzelhändlern eine finanzielle Entschädigung für den durch den Baustellenbetrieb verursachten Umsatzverlust zu gewähren. Darauf wollte Budig aber nicht eingehen: „Das kann und darf ich nicht versprechen“, entgegnete er. „Das ist die klassische Arroganz der Macht“, kritisierte daraufhin Brandt.

Für viele Geschäftsleute in der Eckenheimer sei die lange Sperrung existenzbedrohend, berichtete Reinhold Amend. Der Kiosk seiner Frau sei mittlerweile jedenfalls von der Insolvenz bedroht. Auch Goldschmied Marc Hilgenfeld, der ein Schmuckgeschäft betreibt, erklärte, dass kein Kunde mehr in seinen Laden komme, weil die Gehwege kaum zu benutzen seien und viele Menschen, vor allem ältere, schon gestürzt seien. „Warum soll ich da eigentlich Gewerbesteuer zahlen“, gab er zu bedenken. Und Amend fügte an, dass nie davon die Rede gewesen sei, dass die Bürgersteige aufgerissen würden.

Das wollte Budig so nicht stehen lassen. Seit Jahren werde in Sitzungen des Ortsbeirates über die Maßnahme diskutiert. Mehrfach sei er anwesend gewesen und habe Rede und Antwort gestanden. Jetzt so zu tun, als sei nichts bekannt davon gewesen, sei nicht gerecht.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare