Kraftvoll sieht die Bronzefigur aus. Sie erinnert an den Hengst, der Simon Moritz von Bethmann angeblich das Leben rettete Foto: Rüffer
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Kraftvoll sieht die Bronzefigur aus. Sie erinnert an den Hengst, der Simon Moritz von Bethmann angeblich das Leben rettete

Niederrad: Historie

Eclipse, der letzte Hengst im Stadtteil

  • vonSabine Schramek
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Bronzefigur wurde 1812 im einstigen Anwesen der von Bethmanns aufgestellt

Kinder lieben Pferde. Eltern freut es, wenn sie nicht beißen und treten. Darum wundert es nicht, dass im Waldspielpark Louisa immer wieder Familien Rutschbahn, Sandkasten und Klettergeräte zunächst ignorieren und stattdessen auf eine unscheinbare Betonplatte direkt vor einer grünen Hecke steigen, um ihre Hälse lang zu recken. Auf einem zwei Meter hohen Hügel hinter dem Zaun stellt ein edler schwarzer Hengst die Ohren spitz nach vorne, den Hals aufrecht rund und die Beine im eleganten Trab. "Ein Pferd, ein Pferd", ruft Sofia (6) aufgeregt vom Arm ihres Vaters und winkt ins vermeintliche Nichts. Vom Boden aus sind nur eine Hecke zu sehen, nackte hohe Buchen und links der Weg zum Wald.

Wer genau hinsieht, findet Eclipse zwischen Bäumen und Dickicht. Er ist ein ganz besonderer Hengst, den viele gar nicht kennen, obwohl die Bronzestatue bereits 209 Jahre alt ist und seither am Louisapark die dicke Mähne schüttelt. Am Tag einer Sonnenfinsternis im Jahr 1781 soll der englische Zuchthengst mit ungewöhnlichen Kräften geboren worden sein und dem Staatsrat und Bankier Simon Moritz von Bethmann während des napoleonischen Krieges auf der Flucht das Leben gerettet haben.

1805 ließ von Bethmann den ersten Teil des Louisaparks als Lustgarten anlegen. Sechs Jahre später baute er das Jagdhaus, das "Borkenhäuschen" genannt wurde, weil die Außenwände mit Baumrinde verkleidet wurden. Den Park benannte er nach seiner holländischen Frau, Louise Friederike. Südlich vom Lustgarten und direkt am heutigen Waldspielpark verwandelte von Bethmann den alten Basaltsteinbruch in einen Wildpark, der bis heute gesperrt ist. Dennoch steht hier seit 1812 das Denkmal von Eclipse. Der Berliner Bildhauer Christian Friedrich Tieck hauchte dem Tier neues Leben ein. "Während des Lebens ein edles Pferd. Schnellfüßig, feierlich Eclipse genannt", lautet eine lateinische Inschrift, die nicht mehr zu sehen ist.

Sofia interessiert sich nicht für die Geschichte des Hengstes. Sie hat nur Augen für die schwarze Figur, die so lebensecht wirkt, als würde sie auf Besucher erhaben zutraben. Fast kann das Mädchen das Pferd schnauben hören und zeigt immer wieder auf die andere Seite der Hecke.

1941 hatte die Familie von Bethmann den Park an die Stadt verkauft. So wurde aus dem Lustgarten ein Erholungspark für die Frankfurter Bürger. Das unvergleichliche Borkenhäuschen wurde 1944 im Zweiten Weltkrieg zerstört, die Statue des Hengstes wurde beschädigt, aber nicht zerstört und konnte wieder zum alten Glanz gebracht werden. Zehn Jahre später richtete die Stadt den bis heute bestehenden Waldspielpark Louisa auf 2,5 Hektar Fläche des ehemaligen Bethmann-Geländes ein. Der Wildpark ist bis heute ein romantisches und verwunschenes Areal, auch wenn es nicht betreten werden kann. Schon damals gab es ein Wasserspeibecken. Heute leuchtet es blau und sieht aus der Ferne aus, als sei das Wasser an. Kletterhäuschen mit integrierter Rutsche sorgen für Spaß. Und für den Anblick eines Pferdes, das auf Holz gemalt am Kletterteil auf den Hinterbeinen steht.

Verdreckte Tafel

"Das ist wohl der Eclipse-Sommer-Ersatz", vermutet Sofias Vater. Er weiß, dass die Bronzefigur bald bis zum Herbst nicht mehr zu sehen ist. "Das verschwindet zwischen Blättern und Büschen. Ist man genau dann dort, wenn die Sonne das Pferd direkt bestrahlt, kann man es mit etwas Glück entdecken." Schade findet er es, dass die Tafel neben der Beton-Empore, die die Geschichte "Waldspielpark Louisa - einst ein Lustgarten" zeigt, sehr verdreckt ist. Doch lacht er, denn das Foto von Eclipse darauf ist blitzeblank. Sofia patscht mit ihren Händen darauf und hört ihrem Vater zu, der von der Rennbahn erzählt, auf der die Frankfurter von 1865 bis 2015 edle Pferde beim Rennen erleben konnten. "Eclipse ist seit 1812 hier am Louisapark an der Mörfelder Landstraße und bereitet immer noch Freude für die, die es wissen. Vielleicht auch noch Sofias Kindern und Enkelkindern." Sabine Schramek

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