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Im Lager der Frankfurter Tafel im Ostend hilft Edith Kleber nur manchmal. Vorwiegend ist die zweite Vorsitzende für Organisation und Finanzen zuständig.

Eine Team-Arbeiterin

Edith Kleber engagiert sich seit 20 Jahren bei der Frankfurter Tafel

Die Stadt hat Edith Kleber die Bürgermedaille verliehen. Gewürdigt werden soll damit ihr „außergewöhnliches“ Engagement für die Frankfurter Tafel. Sie selbst gibt sich bescheiden und sieht den Preis als Auszeichnung für alle ehrenamtlichen Mitarbeiter.

Zur Ruhe kommt Edith Kleber, zweite Vorsitzende der Frankfurter Tafel, in ihrem Büro an der Riederhofstraße nicht. Ständig wird nach ihr verlangt, das Telefon hört kaum auf zu klingeln. Ihr Gespräch mit einer der beiden Kolleginnen in ihrem Büro wird von einem Anruf unterbrochen. Am anderen Ende eine Mitarbeiterin. Es geht um Veränderungen in den Abläufen der Lebensmittelausgabe. In den Schreibtischstuhl zurückgelehnt blättert sie in ihrem Terminkalender. „Dann machen wir das“, beendet sie das Telefonat.

„Es ist immer wichtig die Mitarbeiter mitzunehmen, damit alle die Entscheidung mittragen“, sagt die 69-Jährige, die seit 20 Jahren für die Tafel aktiv ist. Diese kümmert sich allein in Frankfurt um rund 23 700 Bedürftige. Für ihr Engagement hat die Stadt Edith Kleber mit der Bürgermedaille ausgezeichnet und zur Preisverleihung in den Frankfurter Römer gebeten.

Die 25 Gäste hatte sie selbst eingeladen. Nur Freunde oder ehrenamtliche Mitarbeiter durften kommen – das war ihr wichtig. Sie sollen stellvertretend stehen für die vielen anderen Menschen, die im Ehrenamt tätig sind. „Tafel-Arbeit ist Team-Arbeit“, erklärt Kleber. Ein Satz ganz nach ihrem Geschmack – kurz, einfach, aber immer auf den Punkt. „Man kann die Sachen auch kurz sagen.“ Wichtig sei: „Schnell entscheiden, vielleicht auch nicht immer richtig“, sagt Kleber.

Die Entscheidung zur Tafel zu gehen ist nun 20 Jahre her. Durch eine Zeitungsannonce wurde sie damals auf diese Aufgabe aufmerksam. Die Tafel hat sich seit dieser Zeit weiterentwickelt und mit ihr Edith Kleber. „Stillstand ist Rückstand“, noch so ein für sie typischer Satz. So wurden aus einem Tafel-Auto zwölf, aus der Tafel wurde eine große soziale Organisation und Edith Kleber avancierte zur zweiten Vorsitzenden in Frankfurt.

„Ich setze den Rahmen – organisatorisch, finanziell, menschlich“, beschreibt sie ihre Aufgaben. Gerne macht sie ihre Rolle in dem Unternehmen am Bild des Tafel-Autos deutlich. Dieses bestehe aus vielen Einzelteilen, die alle unterschiedliche Aufgaben hätten. Funktionieren könne es nur, wenn alle Komponenten zusammenarbeiteten. Sie sei der Motor, der ohne Räder, Karosserie oder Bremsen nutzlos wäre. Sie versteht sich nicht unbedingt als Vorgesetzte, mehr als Mitarbeiterin, „jeder auf seinem Gebiet, das ist Team“.

Soziale Arbeit war immer ein Bestandteil ihres Lebens. 52 Jahre Ehrenamt prägten die 69-Jährige. Sei es ihre Arbeit im Seniorenheim oder in der Kirchengemeinde. Ihre soziale Ader führt sie auf ein Schlüsselerlebnis in ihrer Kindheit zurück. Sie war zwölf Jahre alt, als unerwartet ihr Großvater vor der Tür stand. „Jetzt habt ihr ihn“, setzte ihr Onkel, der sich zuvor um ihn gekümmert hatte, den Opa vor der Tür ab und drückte dem Mädchen 50 Mark in die Hand. „So kann man mit Menschen nicht umgehen“, sagt Kleber und kämpft auch heute noch mit den Tränen. Dass sie das Geld damals nicht annahm, erfüllt sie mit Stolz.

Bei allem Engagement müsse man aber seine Grenzen kennen, Ehrenamt „muss man sich leisten können“, sagt Kleber. Das Glück hatte sie immer. Schon nach ihrer kaufmännischen Ausbildung konnte sie als Halbtagskraft nebenher ehrenamtlich tätig sein. Nach der Geburt der Tochter war sie dann ganz zu Hause –und widmete sich immer mehr verschiedenen Ehrenämtern.

„Ich bin unendlich dankbar für mein Leben“, resümiert Kleber. Dass sie für ihr Lebenswerk die Bürgermedaille der Stadt verliehen bekommt, hat Kleber erst durch einen Brief der Stadt erfahren. Die Auszeichnung selbst sei ihr unbekannt gewesen und sie hätte erst im Internet nachschauen müssen, gesteht sie. Dass nur wenige Menschen damit gewürdigt werden, ehre sie jedoch sehr.

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