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Serie: Die häufigsten Krebserkrankungen

Effektivste Krebsfrüherkennungsuntersuchung: Darmspiegelung

Die Darmspiegelung ist die effektivste Krebsfrüherkennungsuntersuchung, die es gibt. Dennoch nutzen nur 15 Prozent der Deutschen die Vorsorgeuntersuchung. Dabei ist die Koloskopie halb so schlimm. Wer möchte, kann sie sogar komplett verschlafen.

Mehrmals am Tag macht sich Prof. Dr. Siegbert Rossol mit einem langen schwarzen Schlauch auf die Suche nach dem Blumenkohl. Rossols Blumenkohl ist nicht weiß, und essen kann man ihn auch nicht. Trotzdem ähneln viele Polypen in ihrer Form dem Gemüse, sogar einen Strunk haben sie. Findet Rossol bei einer Darmspiegelung so einen Blumenkohl-Polypen, knipst er ihn direkt ab, verschließt die Wunde und schickt ihn zum Pathologen. Denn: Polypen sind die Vorstufe von Darmkrebs (siehe Text oben) und müssen raus, sonst werden sie früher oder später bösartig.

Natürlich gibt es auch Polypen, die sind flacher und langgezogener als der klassische Blumenkohl, doch die allermeisten der bis zu mehrere Zentimeter großen Störenfriede können Gastroenterologen direkt bei der Koloskopie entfernen. Über den schwarzen Schlauch, mit dem Rossol durch den Darm kurvt, kann der Mediziner verschiedene Geräte einführen, mit denen er die Polypen abtragen kann: winzige Zangen, Schlingen und Kanülen. Der Patient bekommt davon überhaupt nichts mit. Er verschläft auf der Seite liegend die Prozedur.

Es gibt auch Patienten, die während der Untersuchung bei Bewusstsein sein möchten. Das hat den Vorteil, dass sie die Reise durch den eigenen Dickdarm live auf einem großen Bildschirm mitverfolgen können und danach sofort wieder topfit sind. Weil es an der ein oder anderen Darmwindung jedoch mal ein bisschen zwicken und zwacken kann, wenn das Koloskop um die Ecke muss, empfiehlt Rossol: „Lassen Sie sich wegschießen.“ Selbst wer sich in einen Dämmerschlaf versetzen lässt, ist nach der Untersuchung schnell wiederhergestellt, darf allerdings an diesem Tag kein Auto mehr fahren.

Die Untersuchung selbst dauert gerade einmal eine Viertelstunde. Über den Enddarm führt der Mediziner einen schwarzen Schlauch ein, etwa so dick wie ein kleiner Finger. Dieser ist mit einer Kamera und einer Lampe ausgestattet, kann Flüssigkeit absaugen und Wasser einspülen. Durch einen Arbeitskanal kann der Arzt zudem sein Werkzeug „einschleusen“. Auf dem Hinweg geht alles ganz schnell: Zügig arbeitet sich der Mediziner mit dem Koloskop an Milz und Leber vorbei etwa 90 Zentimeter bis zum Blinddarm vor. Dabei kann er auf dem Bildschirm verfolgen, wo er sich gerade befindet und auch Fotos machen. Auf dem Rückweg schaut der Arzt dann ganz genau hin, nimmt den gesamten Dickdarm in zehnfacher Vergrößerung unter die Lupe.

Dabei muss er natürlich freie Sicht haben. „Im Schlamm sieht man nichts“, betont der Experte: „Eine gute Vorbereitung ist das A und O.“ Vor einer Darmspiegelung führt deshalb kein Weg an einer gründlichen Darmreinigung vorbei. Literweise Abführmittel müssen Patienten heutzutage allerdings nicht mehr trinken. Gerade für ältere Menschen gibt es neue Mittel, bei denen schon ein halber Liter ausreicht, wenn die Senioren zusätzlich noch genügend andere Flüssigkeit zu sich nehmen.

Standard für alle anderen Patienten ist: Am Tag vor der Untersuchung gegen 14 Uhr Tabletten einnehmen, gegen 18 Uhr einen Liter Abführmittel trinken, am nächsten Morgen noch einen Liter. Rossols Tipp: „Am besten gekühlt trinken und mit etwas Apfelsaft, dann schmeckt es nicht so schlimm.“ In den Tagen unmittelbar vor der Untersuchung sollten Patienten zudem auf ihre Ernährung achten und nichts schwer Verdauliches zu sich nehmen. „Wichtig ist, dass die Leute vorher nicht ein halbes Spanferkel essen“, sagt Rossol. Was auf den Speiseplan gehört und was nicht, dazu bekommen die Patienten bei der Vorbesprechung ein Merkblatt.

Finden Mediziner bei der Koloskopie keine Polypen, reicht es, wenn der Patient in zehn Jahren das nächste Mal zur Vorsorgeuntersuchung kommt. Sind Polypen vorhanden, empfehlen Ärzte die nächste Darmspiegelung mit fünf Jahren Abstand. Sind die Polypen größer als 1 Zentimeter oder findet der Gastroenterologe mehr als fünf, verkürzt sich der Abstand auf drei Jahre. Stellt der Pathologe im Gewebe Krebsvorstufen fest, empfiehlt sich eine Kontrolle nach einem Jahr.

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