Alte Eisenstangen, Holzpfosten, Rohre und Bauzäune ? das ehemalige Sozialrathaus ist eine Baustelle.
+
Alte Eisenstangen, Holzpfosten, Rohre und Bauzäune ? das ehemalige Sozialrathaus ist eine Baustelle.

Für 3,5 Millionen Euro

Ehemaliges Bürogebäude am Ben-Gurion-Ring komplett umgebaut

  • Judith Dietermann
    VonJudith Dietermann
    schließen

Das ehemalige Sozialrathaus am Ben-Gurion-Ring hat eine neue Bestimmung: Schon in einem Jahr soll es ein Wohnhaus sein. Die kleinen Büroräume baut die ABG derzeit in 18 Wohnungen um.

Jetzt passiert tatsächlich das, was sich die Bewohner des Ben-Gurion-Rings schon vor 20 Jahren gewünscht haben. Das Gebäude, in dem bis vor einem halben Jahr noch das Sozialrathaus „Am Bügel“ untergebracht war, wird zu einem Wohnhaus umgerüstet. Vom Eigentümer, der städtischen Wohnungsbaugesellschaft ABG Frankfurt Holding. Ihr gehören nicht nur das Gebäude, das derzeit völlig umgebaut wird, sondern auch die beiden anderen Häuser des Dreier-Ensembles mit der grauen Klinkerfassade.

18 Einheiten, zwischen Zweieinhalb und fünf Zimmern groß, sind dort geplant. Alle Wohnungen werden gefördert und kosten zwischen 5,50 und 8,50 Euro Miete pro Quadratmeter. 3,5 Millionen Euro nimmt die ABG dafür in die Hand, bereits im vergangenen Jahr haben die Umbauarbeiten begonnen. Im Februar 2018 sollen die ersten Wohnungen bezugsfertig sein. Während die Außenhülle des Gebäudes dabei bis auf neue Fenster unangetastet bleibt, hat sich der Grundriss des vierstöckigen Gebäudes völlig verändert.

Kleines Projekt

„Die Anforderungen an eine Wohngebäude sind völlig andere als an ein Bürohaus. Das fängt bei der Deckenhöhe an, geht über die Sanitäranlagen und endet bei der Verkabelung“, erklärt ABG-Chef Frank Junker, für den die Revitalisierung des ehemaligen Sozialrathauses ein eher kleines Projekt ist. Allerdings ist es für ihn eine Herzenssache. Weil er sich noch genau an die Diskussionen vor 20 Jahren erinnern kann, ob am Ben-Gurion-Ring 110 a Wohnhäuser oder Bürogebäude entstehen sollen. „Jetzt schließt sich eben dieser Kreis“, betont Junker zudem, dass der schlechte Ruf des Viertels diesem nicht gerecht werde. „So schlimm ist es hier gar nicht“, sagt er.

Das sieht Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) genauso. Das mag vielleicht auch daran liegen, weil er um die Ecke aufgewachsen ist und das Quartier wie seine Westentasche kennt. Zudem war er Leiter des Jugendhauses. „Die Legende des schlimmen Viertels müssen wir widerlegen, ebenso wie den Mythos, man könne Bürogebäude nicht in Wohnraum umbauen“, so das Stadtoberhaupt und spricht von einer „schönen Entwicklung“, die in den vergangenen Jahren am Ben-Gurion-Ring vorangetrieben worden sei. „Es sind Strukturen, in denen man gerne lebt. Es macht mehr Freude hier zu wohnen, als noch vor einigen Jahren“, denkt Feldmann.

Zwei Untergeschosse, ein Erdgeschoss sowie drei Stockwerke darüber zählt das ehemalige Sozialrathaus. 1200 Quadratmeter Wohnfläche sollen nach dem Umbau zur Verfügung stehen. Während das Treppenhaus erhalten bleibt, werden die Wände allesamt neu gedämmt, um einen energetischen Standard zu erreichen.

Parkplätze nebenan

Die Wohnungen im Erdgeschoss bekommen eine Terrasse, in den Obergeschossen werden Balkone installiert. Das Bistro im Erdgeschoss bleibt während und nach dem Umbau erhalten. Und auch für ausreichend Parkplätze ist gesorgt, denn die ehemaligen Stellplätze des Sozialrathauses werden an die neuen Bewohner vermietet.

Die anderen beiden Gebäude des „ansehnlichen Ensembles“, wie Junker sagt, sind von den Arbeiten übrigens nicht betroffen. Dort leben 52 Flüchtlinge in 22 ehemaligen Büroräumen, der Evangelische Verein für Wohnraumhilfe und eine Kita sind dort untergebracht.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare