Die neue Stadtverordnete Britta Wollkopf im Café am Schweizer Platz in Sachsenhausen.
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Die neue Stadtverordnete Britta Wollkopf im Café am Schweizer Platz in Sachsenhausen.

Das Frankfurter Stadtparlament

Ehrenamt gesucht, in der Politik gelandet

  • Thomas Remlein
    VonThomas Remlein
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48 neue Politiker gibt es in der 93 Parlamentarier zählenden Stadtverordnetenversammlung Frankfurt. In einer wöchentlichen Serie werden sie an dieser Stelle portraitiert. Heute: Britta Wollkopf (Volt).

Europäerin sein und in Sachsenhausen zu Hause: Das hat Britta Wollkopf in die Politik geführt. Die 35-Jährige ist eine von vier neuen bei Volt, eine Partei, die erst vor vier Jahren gegründet wurde und nun erstmals mit vier Stadtverordneten im Römer sitzt. "Es ist die Partei, mit der ich mich mehr identifizieren kann als mit jeder anderen", sagt Wollkopf. Was ihr besonders gefällt: Das Volt-Grundsatzprogramm für die Europäische Union gilt in 29 Ländern, denn: "Die Aufgaben sind nicht national zu lösen", findet sie. Volt habe den Blick über Deutschland hinaus. Des Weiteren begeistert die Diplom-Verwaltungswirtin (FH) "der evidenzbasierte Ansatz der Partei". Das bedeutet: Es gebe wissenschaftliche Ansätze zur Lösung und nicht idealistische. Als Beschäftigte der Deutschen Rentenversicherung hatte Wollkopf ein stabiles Einkommen und Zeit. Aus dieser "privilegierten Situation", wie sie sagt, wollte sie etwas machen und suchte ursprünglich ein Ehrenamt. Sorgen macht ihr der Klimawandel: Doch Sorgen bringen niemanden weiter: "Man kann sich Sorgen machen oder man kann versuchen, aktiv zu werden. Sie kandidierte auf Platz vier der Liste und wurde auf Platz drei vorgewählt, wie die meisten Frauen bei der Kommunalwahl in diesem Jahr. "Ich hätte nicht gedacht, dass ich so schnell in die Politik einsteige", kommentiert sie das Ergebnis.

Da Volt als Neuling antrat, mussten Mitglieder und Kandidaten für die Zulassung zur Wahl Unterschriften für die Unterstützungsliste sammeln. In den Gesprächen hat sie viel Zuspruch erfahren. "Es wird Zeit für etwas Neues", hätten ihr viele gesagt. Nicht nur die Partei Volt ist jung, sondern auch ihre Protagonisten. "Wir wollen den nationalistischen Parteien etwas entgegensetzen", betont sie. Volt stehe daher auch zum Euro. Das multikulturelle Frankfurt sei für eine europäische Partei ein gutes Pflaster. Wollkopf selbst war schon in vielen europäischen Ländern und Großstädten: in London, Zagreb oder Marseille. Die drei genannten Städte lassen sich von Frankfurt aus bequem mit dem Zug erreichen. In diesem Jahr macht sie mit Freunden Urlaub in der Nähe von Danzig. Seit 2009 lebt sie in Sachsenhausen, aufgewachsen ist sie in Müllheim am Main. Sachsenhausen ist "ihr Kiez" Hier genießt sie den Ebbelwei, trifft sich mit Freunden in den Cafés und joggt im Stadtwald, "der größten Natur in Frankfurt".

Da Volt mit vier Stadtverordneten eine kleine Fraktion ist, ist Wollkopf gleich in drei Ausschüssen vertreten: Im Ausschuss für Kultur, Wissenschaft und Sport, in dem für Bildung und Schulbau sowie im Sozial- und Gesundheitsausschuss. "Da erübrigt sich die Frage nach Hobbys", sagt sie. Es freut sie, "dass viele Inhalte des Koalitionsvertrages von Volt stammen". Ein persönliches Anliegen ist ihr das Thema Inklusion. Es gebe in Frankfurt zwar schon barrierefreien Tourismus, dennoch müssten die Verhältnisse für Menschen mit Behinderungen noch verbessert werden, vor allem beim Schulneubau.

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