Helmut Steinacker (links) und Walter Sauer neben der Ehrensäule, die an die Krönung Kaiser Leopold II. erinnert.
+
Helmut Steinacker (links) und Walter Sauer neben der Ehrensäule, die an die Krönung Kaiser Leopold II. erinnert.

Geschichtsverein Seckbach

Den Weg zur Ehrensäule besser ausschildern

  • Andreas Haupt
    VonAndreas Haupt
    schließen

Versteckt liegt die Ehrensäule, die an die Kaiserkrönung Leopold II. erinnert, nahe der Berger Warte. Weil sie für Frankfurts und die deutsche Geschichte wichtig sei, möchte der Seckbacher Kultur- und Geschichtsverein sie aus dem Dornröschenschlaf wecken.

Die jungen Triebe der Bäume leuchten hellgrün in der Mittagssonne. Noch ist die Ehrensäule, die an die Kaiserwahl und -krönung Leopold II. im Jahr 1790 in Frankfurt erinnert, gut zu sehen. Doch in wenigen Wochen wird die Vegetation eine dichte Blätterwand rings herum bilden, werden Brombeerbüsche nur einen schmalen Durchgang lassen. „Es kam schon vor, dass hier alles zugewuchert war“, sagt Walter Sauer vom Kultur- und Geschichtsverein Seckbach. Das sei schade, sagt sein Vereinsfreund, Helmut Steinacker. „Die Ehrensäule ist nicht nur für Seckbach, sondern für die Frankfurter und deutsche Geschichte wichtig.“

Doch leider sei die Ehrensäule nur sehr schlecht zugänglich, sagt Sauer. „Nur ein schmaler Pfad führt am Feldrand entlang von der Berger Warte, die wie das Ehrenmal auf Seckbacher Gemarkung liegt, hierher.“ Der Weg sei oft kaum passierbar, der Boden die meiste Zeit des Jahres aufgeweicht.

Säule versetzt

Als 1962 ein neues Umspannwerk entstand, wurde die Ehrensäule versetzt“, sagt Sauer. „Seitdem liegt sie versteckt und schwer zugänglich“, sagt Winfried Röhling vom Heimatverein Bergen-Enkheim. „Wegen seiner Bedeutung für die Stadtgeschichte wäre es schön, wenn es besser zugänglich gemacht würde. Das findet dort ja kein Mensch.“ Einig sind sich Sauer, Steinacker und Röhling, dass es schön wäre, das Ehrenmal durch Wege mit der Berger Warte, wo früher der Frankfurter Galgen stand, und dem alten jüdischen Friedhof östlich der Vilbeler Landstraße zu verbinden. Das mindeste sei, so Sauer, die Ehrensäule besser zugänglich zu machen.

Die Wege besser auszubauen, sei aber nicht möglich, sagt Kulturdezernats-Sprecherin Jana Kremin. Land und Wege gehören Landwirten und „wir haben nicht das Geld, Land zu kaufen und einen Weg zu bauen.“ Wohl aber sei ein Rückschnitt des Grüns geplant. Auch eine bessere Ausschilderung sei vorstellbar. „Das Ehrenmal ist für uns wichtig. Deshalb wird es saniert“, sagt Kremin. In der kommenden Woche werde sich die beauftragte Restauratorin ein Bild von der Situation machen, um dann mit ihrer Arbeit zu beginnen. Da sie schweres Gerät am Feld entlang zum Ehrenmal bringen muss, braucht sie dafür die Zustimmung des Landwirts – die nun vorliege.

Bei Soldaten bedankt

Ursprünglich war die Säule an einer anderen Stelle zu finden – dort, wo im Oktober 1790 der kaiserliche Thron stand. Am 30. September gewählt und am 9. Oktober 1790 im Frankfurter Dom gekrönt, besuchte Kaiser Leopold II. dort die landgräflich-hessischen Truppen. Er bedankte sich bei den Soldaten, dass sie die Kaiserwahl von erhöhter Stelle und mit gutem Blick auf Frankfurt beschützten.

Die Zeiten damals waren unruhig: In Paris war der Machtkampf der 1789 begonnenen französischen Revolution zwischen König Ludwig XVI. und den Aufständischen noch nicht entschieden. Nicht zu Unrecht fürchteten einige Fürsten, dies könne sich auf die Kaiserwahl auswirken: Anfang September hatte der „Knotenaufstand“ das 40 Kilometer entfernte Mainz erschüttert, bei dem Handwerker, sich als „Patrioten“ bezeichnend, auch Symbole der französischen Revolution benutzten. Und in den Koalitionskriegen eroberten die Franzosen 1792 Mainz – der Erzbischof und Kurfürst musste fliehen.

Im Erdgeschoss des Alten Berger Rathaus, das der Heimatverein Bergen-Enkheim als Museum nutzt, hängt eine alte Karte. Zwischen Bergen, Vilbel, Seckbach und Preungesheim ist dort das damalige Heerlager eingezeichnet. „Täglich hielt das Heer Manöver ab. Das zog viele Zuschauer an“, sagt Steinacker. Landgraf Wilhelm IX hatte hier 5560 Infantristen und 1679 Berittene sowie drei schwere Kanonen stationiert. In Bergen lagerten Husaren, Jäger besetzten Enkheim und Seckbach, in Vilbel gab es Vorwachen. Wilhelm IX. wollte sich offenbar bei Leopold einschmeicheln: „Der Landgraf hoffte darauf, Kurfürst zu werden – aber vergeblich“, sagt Röhling.

( hau)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare