Frankfurter Fischer- und Schifferzunft feiert 1070. Jubiläum

Ehrfurcht vor der Meerforelle

Die Frankfurter Fischer- und Schifferzunft feiert ihr 1070. Jubiläum und freut sich über die gestiegene Wasserqualität im Main. Damit sich im Fluss jedoch wieder so viel Fische tummeln wie einst muss noch viel geschehen. Mit einem seltenen Fang macht sich die Fischerzunft das schönste Geschenk selbst.

Von Ben Kilb

Daniel Göz spricht von „einer absoluten Sensation“, dann fehlen im die Worte. Der stellvertretende Vorsitzende der Fischer- und Schifferzunft von 945 steuert mit seinem kleinen Kutter die Kiesbänke vor der Schiffsschleuse am Osthafen an. Dort gibt es viele Fische. Die Art von Fang, die er betreibt, klingt hart, ist es aber nicht. Mit Starkstrom werden die Fische angelockt, kurz betäubt und mit dem Kescher an Bord gezogen. Eine Barbe zappelt im Netz und ein Zander. Göz freut sich, war es bis vor ein paar Jahren doch noch schwer, Fische dieser Größe aus dem Main zu ziehen. Die „absolute Sensation“ ist für Göz jedoch die Meerforelle, die er fast ehrfürchtig in den Händen hält.

„Sie ist ein sehr naher Verwandter des Lachses und muss hunderte Kilometer aus der Nordsee bis hierher geschwommen sein“, schätzt Göz. Einmal in zehn Jahren gelinge solch ein Fang im Main. Weil die Meerforelle in geschütztes Tier ist, hebt Patrick Heinz von der Oberen Fischereibehörde sie wieder vorsichtig zurück in den Main.

Anlass der kurzen, aber sehr erfolgreichen Fang-Vorführung auf dem Main ist der 1070. Geburtstag der Frankfurter Fischer- und Schifferzunft von 945. Deren Hauptaufgabe ist das fischökologische Management des Frankfurter Mains. Damit kümmert sie sich um „Besatzmaßnahmen“ und „Fischerhebungen“, sprich: um alles, was den Main für Fische lebenswerter macht. Die Zunft machte sich jetzt mit dem Fund der Meerforelle das schönste Geschenk selbst. Auch wenn sie das Tier wieder ziehen lassen musste – der Fund ist ein gutes Zeichen für die gestiegene Wasserqualität im Main.

Als sich die Fischerzunft anno 945 gründete, wurde mit Fischfang am Main noch Geld verdient. „Nach dem Zweiten Weltkrieg verschwand die Berufsfischerei“, sagt Wolfgang Burck, Vorsitzender der Zunft. Schleusen und Staumauern setzten den Fischen zu, hinderten sie daran, ihre Laichgründe zu erreichen. Die lokale Großindustrie, unter anderem die Casella-Werke, tat ihr Übriges, indem sie belastetes Abwasser im Main entsorgte.

Das ist der Industrie längst untersagt – oder sie muss die Abwässer filtern. Laut Burck liegt die Wasserqualität des Mains derzeit bei einem Wert von 2, die der Nordsee bei 4. „Sie können entscheiden, aus welchem Gewässer Sie lieber einen Fisch essen würden“, sagt Burck. Die bessere Wasserqualität hat dafür gesorgt, dass es im Main wieder Hechte, Zander, Karpfen und Aale gibt. Dass sich nun sogar eine seltene Meerforelle blicken lässt, ist aus Sicht von Burck und Heinz ein tolles Zeichen. Sie blicken dem freigelassenen Fisch wehmütig hinterher, nicht jedoch, weil sie ihn nicht essen dürfen. „Die Meerforelle schwimmt nun weiter, stößt sich an der Staumauer am Osthafen wohl aber den Kopf an und kann nicht weiter“, so Göz. Er schätzt, dass der Fisch zufällig durch zahllose Schleusen geflutscht ist. Denn diese Vorrichtungen und Staumauern versperren vielen Fischen den Weg zu ihren Laichgründen und somit die Fortpflanzung.

Sieben Staumauern

gibt es am hessischen Main. Fischtreppen sollen den Geschuppten das Weiterkommen erleichtern, bewirken laut Burck aber nicht viel, weil sie zu klein und somit kaum zu finden seien. Laut Göz müssten alle Staustufen so umgebaut werden, dass sie Fischtreppen bieten, die jeder Fisch passieren kann.

Die Betreiber von Staumauern – meist Betreiber von Wasserkraftanlagen – sind dazu seit einigen Jahren von Bund und EU gesetzlich verpflichtet. „Die Umsetzung ist ein langwieriger Prozess. Die ursprüngliche Frist lief bis zu diesem Jahr. Doch in ganz Europa hat es nicht gut geklappt“, sagt Patrick Heinz von der Oberen Fischereibehörde. Etwaige Chancen, Staumauern umzubauen, ergäben sich nur, wenn Konzessionen neu vergeben würden.

Die Fischer- und Schifferzunft kämpft trotzdem vehement dafür, dass im Main wieder so viele Fische schwimmen wie anno 945. Und Göz hat eine Vision: „Ich wünsche mir, dass man in zehn Jahren Fischerei am Main wieder als Nebenjob ausüben kann.“

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