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Joachim Krol als kleiner Sparkassen-Angestellter.

Stadtgeflüster

"Ehrlich gesagt, ich habe Angst"

Zehn Jahre nach der großen Bankenkrise kommt eine Verfilmung des Themas ins Fernsehen. Den Beteiligten sitzt der Schreck noch immer in den Knochen.

Die Pleite der Lehman-Bank vor zehn Jahren hat viele Existenzen vernichtet, Sparer um ihr Geld gebracht und Banker in ein schlechtes Licht gerückt. Mit dieser Thematik setzt sich „Lehman. Gier frisst Herz“, zu sehen am Sonntag, 23. September, ab 21.45 Uhr im Ersten, auseinander.

Gedreht wurde die Produktion, bei der der Hessische Rundunk federführend war, unter der Regie von Raymond Ley , zum Schauspielensemble gehören Joachim Krol , als Sparkassenangestellter Arno Breuer, die Frankfurterin Mala Emde als Online-Bankerin Nele Fromm sowie Richard Weyden („Der Fall Jakob Metzler“) als Vorstandvorsitzender von Lehman Deutschland.

Oliver Stokowski spielt die Hauptfigur Torsten Büttner. Der erleidet einen Herzinfarkt, weil das Ersparte von ihm und seiner Frau (die Frankfurter Schauspielerin Susanne Schäfer als Restaurantbetreiberin Claudia Büttner) futsch ist, nachdem Lehman pleite ging.

In „Lehman. Gier frisst Herz“ verlieren die Büttners ihr Vertrauen in die Banken. Im richtigen Leben hat es Oliver Stokowski auch verloren. „Schon lange“, sagt der 56-Jährige, der aus Filmen wie „Echte Kerle“, „Das Experiment“ und Serien wie „Tatort“, „Der Ermittler“ oder „Polizeiruf 110“ bekannt ist.

Die Situation damals vergleicht er mit einer Autofahrt, „bei der bei 180 Stundenkilometern Bänker und Politiker das Licht ausmachen und hoffen, dass keine Kurve kommt. Nach dem Motto: Einer wird’s schon machen“. Absolut naiv. „Und dass sich die damalige Regierung von den Bänkern über den Tisch ziehen ließ“, sei für ihn immer noch unfassbar. Billionen von Dollar seien verpufft und Millionen von Menschen in die Arbeitslosigkeit getrieben worden.

„Wie soll man da noch Vertrauen haben?“, fragt Stokowski, der zwar trotz allem noch ein Konto hat, aber dennoch schwarz sieht – schwärzer sogar, als der Schwarze Freitag anno 1929 war: „Das Schlimmste soll uns ja noch bevorstehen. Es ist noch lange nicht vorbei. Und es wird noch schlimmer als die Weltwirtschaftskrise 1929.“ Kein Wunder, dass Stokowski schließlich anfügt: „Ehrlich gesagt: Ich habe Angst.“

Der Schauspieler kann sich noch erinnern, was er am 15. September 2008, dem Montag des Lehman-Untergangs, gemacht hat. „Ich habe in Zürich im Schauspielhaus gespielt und zu Kollegen gesagt: Gottseidank sind wir alle nicht reich.“ Die Frage sei, wie jemand Geld wo anlegen sollte und wer einen dabei berät. „Wem soll man vertrauen?“, fragt er wieder. Wie er sein Geld anlegt, möchte er aber nicht verraten. „Meine Frau und ich überlegen uns das sehr, sehr genau.“ Während er schon jemand sei, der das Kleingedruckte übersieht, sei seine Frau da genauer. Um Geld anlegen zu können, muss welches da sein. Und das verdient Stokowski nunmal mit Theater machen und Filme drehen.

Seine Partnerin in „Gier frisst Herz“, Susanne Schäfer, kennt er seit Jahren. „Mit ihr habe ich schon mehrmals zusammen gedreht. Irgendwann 1989 oder 1990, und vor Kurzem habe ich schon wieder ihren Mann gespielt. Manchmal gibt es Konstellationen, die einfach gut passen“, findet Stokowski. Wie dieser andere Film heißt, darf er nicht verraten.

Was er verraten darf: Gerade ist der gebürtige Kasselaner aus Wien gekommen, wo er am ehrwürdigen Burgtheater einen Vertrag hat. Außerdem dreht er ab November einen Zweiteiler mit dem Titel „The Wall“. „Da geht es um die Berliner Mauer und das Ost-West-Verhältnis.“ In der Mainmetropole ist der Nord-Hesse gerne. „Ich liebe Frankfurt, weil ich hier viel gute Zeit verbracht habe“, sagt Stokowski, der hier bereits mit dem Frankfurter Regisseur Rolf Silber gedreht hat. „Angefangen mit ,Echte Kerle’ über viele 90-Minüter fürs Fernsehen“, erinnert sich der Schauspieler, der noch sehr guten Kontakt zu Rolf Silber hat. Und dann kennt er auch die Umgebung gut, Offenbach vor allem: Dort war er der Polizeiruf-Kommissar Robert Grosche.

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