Eine Statue der Justitia mit einer Waage in ihrer Hand.
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Eine Statue der Justitia mit einer Waage in ihrer Hand.

Prozess

Die eigene Wohnung angezündet

  • VonMatthias Gerhart
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Der Brand in einem Vier-Etagen-Mietshaus in der Schwanheimer Straße in Niederrad versetzte am frühen Morgen des 31. August vergangenen Jahres den Stadtteil in Aufregung.

Der Brand in einem Vier-Etagen-Mietshaus in der Schwanheimer Straße in Niederrad versetzte am frühen Morgen des 31. August vergangenen Jahres den Stadtteil in Aufregung. Dicke Qualmwolken zogen aus den Fenstern der Erdgeschosswohnung, als besorgte Nachbarn und Passanten die Feuerwehr riefen. Darüber hinaus klingelten die aufmerksamen Passanten auch noch die anderen, wahrscheinlich noch in den Betten liegenden Mieter der Nachbarwohnungen des Hauses heraus. Bis die Feuerwehr den Brand unter Kontrolle hatte, waren alle vier Bewohner unverletzt in Sicherheit gebracht worden.

Wie aber kam es zu dem Brand? Diese Frage wird vom 8. August an die Schwurgerichtskammer des Landgerichts zu klären haben. Der 39 Jahre alte Mieter aus dem Erdgeschoss hat sich wegen versuchten Totschlags und besonders schwerer (menschengefährdender) Brandstiftung auf der Anklagebank zu verantworten. Er soll mit einem derzeit noch nicht näher definierbaren Brandbeschleuniger seine Wohnung angezündet und sodann das Haus verlassen haben. Der durch den Brand entstandene Schaden von 45 000 Euro dürfte sich dabei vor allem auf das Inventar seiner Wohnung beziehen.

Wie aus der Anklage hervorgeht, handelt es sich bei dem arbeitslosen Angeklagten um einen im besonderen Umfang von Migräne-Attacken geplagten Mann. Vor dem Hintergrund dieser oft drei bis vier Tage anhaltenden gesundheitlichen Tiefschläge entwickelte er Depressionen und später auch Selbstmordgedanken. Die 50 Quadratmeter große Wohnung glich offenbar einem Müllhaufen und war deshalb wenig geeignet, den psychischen Zustand ihres Bewohners zu heben. So wird der Brand an jenem Augustmorgen als missglückter Selbstmordversuch eines kranken Mannes eingeordnet. Dieser hatte sich zwar noch mit einem Messer die Pulsadern geöffnet und eine Reihe Tabletten geschluckt, hatte jedoch unmittelbar danach die Wohnung verlassen. Kurze Zeit später rief er bei der Polizei an und gab an, den Brand gelegt zu haben.

Mittlerweile wurde der 39-Jährige psychiatrisch untersucht. Der Gutachter kam zum Ergebnis, dass eine Unterbringung in einer Klinik erforderlich sei. Gleichwohl hat die Staatsanwaltschaft bislang eine reguläre Anklage erhoben und noch keinen Antrag auf Unterbringung gestellt. Sollten sich die Erkenntnisse in dem Prozess jedoch erhärten, könnte der Angeklagte nach entsprechenden rechtlichen Hinweisen gleichwohl in die Psychiatrie eingewiesen werden.

(ge)

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