Besondere Zeiten brauchen besondere Maßnahmen: An der Willemerschule kam in der Digitalkonferenz ein Alpaka zum Einsatz - allerdings nicht dieses.
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Besondere Zeiten brauchen besondere Maßnahmen: An der Willemerschule kam in der Digitalkonferenz ein Alpaka zum Einsatz - allerdings nicht dieses.

Corona-Folgen

Ein Alpaka fürs Kollegium

  • VonMichelle Spillner
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Jetzt Kraft tanken: Die Pandemie fordert Grundschülern und Lehrern besonders viel ab. Ein kuschliges Tier half - per Video.

Frankfurt -Hybridunterricht für die Grundschulkinder der Willemerschule? Das hält Schulleiterin Silke Krämer für schwierig: "Ich kann als Grundschullehrer nicht die Hälfte der Kinder im Klassenraum unterrichten, und die andere Hälfte ist via Internet zugeschaltet. Die Kinder zu Hause erwarten von mir eine Interaktion - die habe ich aber nur mit denen, die im Raum sind. Die Kleinen leiden darunter, dass sie nicht genügend Ansprache durch den Lehrer haben."

Frankfurter Schulleiterin: "Emotional haben die Kinder gelitten"

Silke Krämer sieht das Hybridmodell für ihre Schule in Sachsenhausen nicht. Keines der Alternativmodelle des Unterrichts - Distanzunterricht oder Wechselunterricht - sei ein gleichwertiger Ersatz für den Regelbetrieb. Deshalb hofft Silke Krämer, dass nach den Ferien nicht wieder Wechselunterricht oder gar Distanzunterricht nötig werden - aus gutem Grund. "Ich glaube, wir müssen uns in dieser Corona-Zeit nicht etwa mehr Sorgen um die Kinder machen, was die schulischen Leistungen angeht. Es gibt immer Sorgenkinder, aber es sind nicht mehr als sonst. Die Sorgen liegen eher im sozial-emotionalen Bereich. Da haben die Kinder gelitten."

Frankfurter Kindern fehlt die Welt-Erfahrung

Für die Kinder habe sich das Leben im vergangenen Jahr hauptsächlich zu Hause oder unter eingeschränkten Bedingungen in der Schule abgespielt, und sie hätten nicht sonderlich erlebt, dass es darüber hinaus noch eine Welt gibt. Sie hätten in der kurzen Zeit des halbwegs normalen Schulbetriebs auch nicht erlebt, was Schule außer Unterrichtssituation noch zu bieten hat. So hat Silke Krämer ihrem Kollegium geraten, vor Beginn der Sommerferien - natürlich immer unter Beachtung der Abstands- und Hygieneregeln -, mit ihren Klassen etwas zu unternehmen. Vierte Klassen sind zur Lochmühle, es gibt Wanderungen und Ausflüge. Genau so etwas bräuchten die Kinder jetzt. Dahin geht auch ihr Rat an die Eltern in der Schulzeitung "Willemer-Kurier": "Rausgehen! Etwas unternehmen! Die Kinder brauchen ganz viel frische Luft. In den Zoo, den Wildpark, den Wald ... Meiner Einschätzung nach ist es wichtig, dass die Kinder in den Ferien nichts Schulisches machen." Auch die dreiwöchigen Ferienspiele an der Willemerschule, an denen 100 von 340 Schüler teilnehmen werden, werden ihren Schwerpunkt auf Erlebnisse legen.

Frankfurter Schulleiterin: "Es fehlt der Kontakt"

Gerade für die Zweit- und Drittklässler sei der Distanzbetrieb herausfordernd gewesen. "Es fehlt der Kontakt, die Beziehungen", sagt Krämer. "Die Kinder mussten so flexibel sein wie noch nie und mit ständig wechselnden Anforderungen umgehen." Durch eine offene Kommunikation und eine enge Zusammenarbeit mit den Eltern habe man die Situation gut gemeistert. Dazu zählte, dass Silke Krämer über einen langen Zeitraum freitags eine Mail zum Stand der Dinge an alle Eltern schickte.

Und das Kollegium? "Es wäre gelogen zu behaupten, wir seien jetzt alle noch frisch und voller Energie. Alle freuen sich sehr auf die Ferien, um Kraft und Energie zu tanken", so die Schulleiterin. "Das Kollegium braucht ja ein enormes Durchhaltevermögen und muss immer eine gewisse Zuversicht ausstrahlen." Da hilft es, selbst gute Erlebnisse zu haben. Statt eines gemeinsamen Ausflugs zum Lama-Trecking in den Taunus - der während des Lockdowns nicht möglich war - organisierte Silke Krämer für das Kollegium eine Videokonferenz mit einem Alpaka. "Das war Erheiterung und auch ein bisschen Seelenmassage."

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