Am Ort der fremdenfeindlichen Übergriffe hat die Polizei einen Zettel aufgehängt, mit dem sie Bürger dazu auffordert, Beobachtungen im Zusammenhang mit den Hakenkreuz-Schmierereien zu melden. Foto: Maik Reuß
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Am Ort der fremdenfeindlichen Übergriffe hat die Polizei einen Zettel aufgehängt, mit dem sie Bürger dazu auffordert, Beobachtungen im Zusammenhang mit den Hakenkreuz-Schmierereien zu melden.

Unterliederbach: Anschlag

Ein Angriff auf das Zusammenleben

  • Holger Vonhof
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Hakenkreuz-Schmierereien an Moschee beschäftigen die Politik

Die Moschee des Türkischen Kultur- und Fördervereins fällt nicht sonderlich auf: Wie bei vielen Moscheen in Höchst oder Unterliederbach befinden sich die Gebetsräume in einem Hinterhaus, ein Minarett gibt es nicht, dafür einen Frauen vorbehaltenen Abschnitt und zum Freitagsgebet kommen üblicherweise etwa 150 Menschen zusammen. Ausgerechnet diese Gemeinde ist nun mehrfach Ziel übler Aktionen geworden: Am 27. Januar drang ein Mann in die Moschee ein und pinkelte unter anderem im Gebetsraum gegen die Wand. Diesen Fall wertet die Polizei jedoch zumindest nicht als fremdenfeindlich motiviert: Der Einbrecher, der von Videokameras beobachtet wurde, sei "augenscheinlich dem Obdachlosenmilieu zuzuordnen". Es wird davon ausgegangen, dass er ein Nachtquartier suchte.

Auch Wahlplakate betroffen

Anders die Hakenkreuz-Schmierereien: In der Nacht zum 18. Februar hatten Unbekannte erstmals zwei Hakenkreuze an eine Zwischentür geschmiert, die zu einem Innenhof führt, von dem aus man zu den Moscheeräumen gelangt. Dass dort eine Moschee ist, ist an der Beschilderung ersichtlich. Erneut sind dann zwei Hakenkreuze in der Nacht zum 3. März an die Tür geschmiert worden. Auch Wahlplakate der Linken, die in direkter Nähe an einem Tor hängen, wurden mit Hakenkreuzen beschmiert (wir berichteten).

Im Umkreis von fünf Minuten gibt es mehrere Moscheen: die der Bosnisch-Islamischen Gemeinde in der Höchster Bahnstraße, die afghanische Hamza-Moschee in der Königsteiner Straße, die marokkanische Hassan-Moschee in der Silostraße, die "Höchst Camii" in der Storchgasse, die "Eypüp Sultan Camii" des Verbands Ditib in der Emmerich-Josef-Straße, Atib in der Zuckschwerdtstraße. Mit ähnlichen Übergriffen hatten sie bislang wenig Probleme.

"In Unterliederbach leben sehr viele Menschen türkischer und anderer ausländischer Herkunft", sagt Hubert Schmitt, SPD-Stadtverordneter im Römer und Mitglied im Ausschuss für Bildung und Integration sowie Unterliederbacher Vereinsringsvorsitzender. Man lebe nachbarschaftlich zusammen: "Unsere Kinder gehen gemeinsam in die Schule, und wir sind gemeinsam Mitglieder in unseren Vereinen, wo wir gemeinsam unsere Freizeit verbringen, etwa beim Fußballspielen." Dabei respektiere man die Eigenheiten des jeweils anderen - "egal, welcher Nation, Kultur oder Religion er angehört", so Schmitt. Und er stellt fest: "Ich denke, ich kann stellvertretend für die Menschen in Unterliederbach sagen, dass wir kopfschüttelnd auf die Hakenkreuzschmierereien schauen, die an der Moschee in der Königsteiner Straße letzte Woche verübt wurden, und dass wir das mit Nachdruck verurteilen." Auch Ortsvorsteherin Susanne Serke (CDU) verurteilt die Schmierereien "auf das Schärfste" und sagt, es mache sie "betroffen und wütend, dass es Menschen gibt, die damit zeigen, dass sie das schreckliche Leid, das der Nationalsozialismus über unser Land gebracht hat, verharmlosen oder gar für gut befinden". Es sei wichtig, diesem Gedankengut entschlossen entgegen zu treten und die Vorfälle rasch aufzuklären. Susanne Serke weiter: "Im Frankfurter Westen haben wir keinen Platz für fremdenfeindliche Parolen oder die Verharmlosung des Nationalsozialismus."

Integrationsdezernentin Sylvia Weber (SPD) hat wegen der Vorfälle Kontakt zum Vorstand des türkischen Vereins aufgenommen und sich unterstützend an seine Seite gestellt.

Die Frankfurter Kriminalpolizei ermittelt indes wegen des Verdachts des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen sowie der Sachbeschädigung. Hinweise können beim Kriminaldauerdienst unter der Telefonnummer (069) 755 53 111 oder bei jeder anderen Polizeidienststelle gemeldet werden. hv

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