Sein Raps hat die Nachtfröste unbeschadet überstanden: Patrick Stappert auf einem seiner Zeilsheimer Felder.
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Sein Raps hat die Nachtfröste unbeschadet überstanden: Patrick Stappert auf einem seiner Zeilsheimer Felder.

Landwirte in Zeilsheim und Sindlingen

Ein Bauer muss jeden Halm wachsen hören

  • Michael Forst
    vonMichael Forst
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Patrick Stappert hadert mit Kälte und Kartoffelklau, sieht aber Hoffnung am Horizont.

Landwirt sein verlangt traditionell eine gewisse Leidensfähigkeit - aber auch die Gabe, jeden Grashalm wachsen zu hören, um auf jede neue Widrigkeit sofort mit geeigneten Gegenmaßnahmen zu reagieren: Das bewahrheitet sich gerade wieder einmal für den Sindlinger Bauern Patrick Stappert. Die Nachtfröste - mehrere Grade unter Null herrschten zum Teil noch in der vergangenen Woche - hätten ihm "schon kurz den Atem stocken lassen", gesteht der 37-Jährige beim Ortstermin mit dieser Zeitung auf seinen Rapsfeldern unweit der Zeilsheimer S-Bahn-Station.

"Das war schon eine heikle Situation", fährt der Erbe des anno 1651 gegründeten Traditionshofs in Sindlingen fort. "Vor allem, weil der Raps jetzt zu diesem Zeitpunkt in einer starken Wachstumsphase ist. Dann sind die Zellen besonders weich und neigen dazu, aufzureißen." An einer Rapspflanze zeigt er dicht unter dem Blütenkelch einige Zentimeter große Risse. Weiter unten an der Pflanze könnten diese Risse "schlimmstenfalls so groß werden, dass man seine Hand durchstecken kann." Die Verletzungen würden dann zur Eintrittspforte für Pilzkrankheiten. Das habe er zum Glück durch schnelles Handeln abwenden können: "Noch kurz vor der Kälteperiode haben wir den Raps durch ein Pflanzenschutzmittel ,eingekürzt'", erklärt er. "So konnten wir einen Wachstumsschub verhindern und die Zellstruktur stabilisieren." Unterm Strich sei also alles für ihn und seine Ölpflanzen glimpflich ausgegangen.

"Endlich wieder im normalen Rhythmus"

Dann aber macht Patrick Stappert auf etwas aufmerksam, was vielen gar nicht bewusst ist: "Was die Temperaturen betrifft, befinden wir uns endlich wieder in einem normalen Jahr", betont er. Wegen des Klimawandels sei man in den vergangenen Jahren "wettermäßig immer etwa 14 Tage voraus" gewesen, "jetzt haben wir erstmals seit langem wieder einen normalen Rhythmus."

Woran das liegt? "Ich vermute mal, an Corona", antwortet Stappert. Es gebe weniger Flüge, weniger Emissionen - und man müsse kein Wissenschaftler sein, um das zu beobachten: "Du kannst auf einmal wieder auf den Feldberg schauen - ohne Staubglocke dazwischen. Oder hinter Frankfurt bis in die Rhön." Das zeige, welche Probleme Autos und Flugverkehr erzeugen - "und nicht nur die Landwirtschaft, auf die gerne immer wieder geknüppelt wird", gibt der Bauer zu bedenken.

"Was will der Bauer auf meinem Weg?"

Freilich, räumt er ein, habe die Pandemie auch ihm als Landwirt ganz eigene Probleme bereitet. So habe der "Publikumsverkehr" auf seinen Feldern erheblich zugenommen, wie Stappert berichtet. Leider fehle es diesen "Corona-Touristen" häufig auch am Bewusstsein dafür, "dass wir hier Niederwild haben: Feldhasen und Fasane". Hunde, die im Feld zwar geduldet seien, würden aber oft unangeleint kreuz und quer herumlaufen und das Wild aufscheuchen. Auch wünscht sich Stappert von manchen seiner Zeitgenossen etwas mehr Respekt: Oft spüre er verächtliche Blicke, wenn er mit seinem Traktor an den Ausflüglern vorbeifahre: "Nach dem Motto: Was will denn dieser Bauer hier auf meinem Weg?" Das sei mitunter schon eine verkehrte Welt.

Auch ein anderes Phänomen sieht der Landwirt mit der Pandemie verknüpft: Diebstähle haben nach seiner Beobachtung stark zugenommen. Er zeigt in Richtung seines Kartoffelackers: "Da drüben, oberhalb von dem Misthaufen, ging richtig die Post ab", erzählt er. Im vergangenen Jahr hätten dort Menschen im großen Stil Kartoffeln geklaut.

Zwei Sünder habe er einmal in flagranti erwischt und ihnen ordentlich die Leviten gelesen - wissend, dass er die Diebstähle dadurch nicht eindämmen würde. Er bedauert: "Früher gab es, wie etwa in Kriftel heute immer noch, einen eigens von der Stadt für die Aufsicht landwirtschaftlicher Flächen abgestellten Feldschützen." Den stelle mittlerweile offiziell das Ordnungsamt, aber Stappert weiß: "Die haben gar nicht die Kapazitäten, um hier jemanden vorbeizuschicken".

Was wird das Jahr wohl noch für ihn bringen? Stappert hofft, dass es keinen vierten Dürresommer in Folge gibt, schaut aber erstmal in die nähere Zukunft: "Der Mai ist immer sehr entscheidend für den Ertrag", sagt er. Der Volksmund habe Recht mit seiner Regel "Ist der Mai kühl und nass, füllt's dem Bauern Scheun' und Fass." Gleichmäßige Niederschläge wären ihm auf seinen Feldern willkommen - "nur bitte keine 80 Liter in zehn Minuten, das wäre fatal." Michael Forst

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