Natürlich hat er die Pandemie beruflich zu spüren bekommen. Erol Yilmaz, hier auf seiner täglichen Route im Westend, muss seither deutlich mehr Pakete ausfahren. Vor Heiligabend hat er besonders viel zu tun. FOTO: leonhard hamerski
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Natürlich hat er die Pandemie beruflich zu spüren bekommen. Erol Yilmaz, hier auf seiner täglichen Route im Westend, muss seither deutlich mehr Pakete ausfahren. Vor Heiligabend hat er besonders viel zu tun.

"Ein bisschen wie der Weihnachtsmann"

Paket-Zusteller in Frankfurt im Dauerstress: So regelt die Post das Weihnachtsgeschäft

  • Thomas J. Schmidt
    VonThomas J. Schmidt
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Erol Yilmaz liebt seinen Beruf als DHL-Paketbote in Frankfurt. Doch der Job ist mit vielen Hürden verbunden.

Frankfurt – Erol Yilmaz liebt seinen Beruf. Auch, wenn er manchmal stressig ist. So wie jetzt, in der Vor-Weihnachtszeit. Yilmaz ist Postzusteller bei der Deutsche Post-Tochter DHL. Und fährt mit seinem Kleinbus durchs Westend, um täglich auszuliefern.

"Ich komme mir etwas vor wie der Weihnachtsmann", sagt er. Auch, wenn seine Arbeit prosaischer ist. Und jetzt, vor Weihnachten, auch nicht sehr viel anders als sonst. "Das große Problem sind immer die Parkplätze", berichtet er. Es gibt keine, weder für ihn, noch für seine Kollegen von den privaten Zustelldiensten. So stehen sie oft auf der Straße und verursachen Ärger.

Das Paketaufkommen ist rekordverdächtig. "Im Paketzentrum in Obertshausen werden bis zu 600 000 Pakete täglich sortiert", berichtet Post-Sprecher Stefan Heß. Die meisten sind für Frankfurt oder das Umland bestimmt. "Es sind 80 Prozent mehr Pakete als an normalen Tagen", so Heß.

Post in Frankfurt stellt Aushilfen fürs Weihnachtsgeschäft ein

Von Obertshausen geht die Fracht in die Zustellbasen Rödelheim, Fechenheim oder Höchst. Yilmaz holt die Fracht für seinen gelben Bus in Rödelheim ab. "Mein Dienst beginnt um 8.30 Uhr", sagt er. Heute hat er 170 Pakete, die er ausfahren muss. Große und kleine, schwere und leichte. Yilmaz belädt sein Fahrzeug, nimmt jedes Paket in die Hand. "Jetzt, vor Weihnachten, habe ich eine Straße weniger", erläutert er. Sechs statt sieben Straßen. Ansonsten müsste er schätzungsweise 230 Pakete ausfahren, zu viel für eine Schicht. Denn seine tägliche Arbeitszeit darf nur zehn Stunden betragen.

Deswegen hat die Post in Frankfurt auch fürs Weihnachtsgeschäft 600 Aushilfen angestellt, die mit 400 zusätzlichen Fahrzeugen unterwegs sind. Alles, was rollen kann, rollt derzeit auf Frankfurts Straßen.

Frankfurt: Immer mehr Pakete auszuliefern

Normale Zeiten sind schon lange nicht mehr. Yilmaz, der seit rund 25 Jahren Zusteller ist, berichtet: "Seit Corona hat sich das Paketaufkommen enorm gesteigert. Es sind jetzt vor allem die kleineren Firmen und Einzelhändler, die aufs Versandgeschäft umgestiegen sind." Sie haben gesehen, dass es während des ersten Lockdown funktioniert hat. Jetzt versenden sie ihre Waren auch in Zeiten geöffneter Geschäfte per Post.

Das Paketaufkommen steigt seit Jahren. Bundesweit über alle Zusteller verteilt, ist die Zahl der Sendungen von 2012 auf 2019 von 2,2 Milliarden auf 3,3 Milliarden gestiegen. Diese Zahlen weist der Branchendienst Statista aus. Corona brachte dann noch einmal einen Sprung um rund 20 Prozent.

Hinzu kommt jetzt das Weihnachtsgeschäft. Voraussichtlich rund 63 Millionen Sendungen würden im November und Dezember in Hessen transportiert, sagte laut dpa eine Sprecherin des Bundesverbands Paket und Expresslogistik, der unter anderem die Paketdienste DPD, GLS, GO!, Hermes und UPS vertritt. Knapp 39 Millionen der Pakete gingen an private Haushalte.

Frankfurt: Post teilt aufgrund Corona Arbeitszeit der Zusteller auf

Bei Marktführer DHL ist es ähnlich. Yilmaz, am dichtesten dran am Endkunden, berichtet: "Das meiste, was ich derzeit ausliefere, ist Weihnachtspost."

Hinzu kommen die geänderten Arbeitsbedingungen für die Zusteller: Home-Office geht nicht. Aber damit sich die Kollegen in den Zustellzentren nicht zu nahe kommen, ist die Post dazu übergegangen, die Arbeitszeiten zu splitten. Yilmaz beginnt um 8.30 Uhr und fährt um 10 Uhr in Rödelheim los. Kollegen beginnen eine, zwei Stunden später, fahren erst um 11, um 12 Uhr los. Und sind entsprechend länger unterwegs. So kann es sein, dass der Postmann auch abends um acht Uhr noch mal klingelt.

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Trotz großer Belastung: Paketbote der Post aus Frankfurt liebt seinen Job

Für Yilmaz und seine Kollegen ist es nicht damit getan, die Pakete zur Haustür zu bringen. "Wir müssen sie beim Empfänger abliefern, also im Zweifel auch im vierten Stock", sagt er und lacht. Die schwersten Sendungen dürfen etwas mehr als 30 Kilogramm wiegen. Also durchaus ein Knochenjob, der Yilmaz trotzdem Spaß macht. "Ich freue mich jeden Tag!"

Wenn er seinen Feierabend hat, ist es noch lange nicht vorbei. Die Retouren, deren Annahme verweigert wurde, muss er zurückbringen nach Rödelheim, und Pakete, deren Besitzer nicht zu Hause waren, erhalten einen gelben Hinweiszettel, dass sie ihr Paket in der Filiale abholen können. Diese Filialen muss Yilmaz auch noch besuchen, die Pakete dort abgeben. Damit zu Weihnachten alles unter dem Christbaum liegt. (Thomas J. Schmidt)

Die Deutsche Post plant an den U-Bahn-Stationen in Frankfurt zahlreiche Paketstationen. Das soll auch die Paketboten entlasten.

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