Corinna Roßkopf mit Kochbuch "14 satte Künstler" vor dem "Atelier Eastside". foto: Enrico Sauda
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Corinna Roßkopf mit Kochbuch "14 satte Künstler" vor dem "Atelier Eastside".

Ostend: Satte Künstler

Ein Buch voll leckerer Rezepte

  • vonAlexandra Flieth
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Corona konnte das Jahresprojekts des "Atelier Eastend" nicht stoppen

Ganz egal, ob Teigtaschen mit Musik, orientalischer Kichererbseneintopf oder eine traditionelle Ratatouille: Die Rezepte aus diesem Kochbuch sind praxiserprobt, vegetarisch und wohlschmeckend. "14 satte Künstler" heißt es und ist das Ergebnis eines Jahresprojekts des "Atelier Eastend" in der Ostendstraße 83.

Die Corona-Pandemie hat das kreative Arbeiten dort nicht stoppen können. In den Räumen der 2012 eröffneten integrativen Kunstwerkstatt wird sehr vieles kreativ gestaltet - vom keramischen Arbeiten über grafische Techniken bis zum Handarbeiten. Das Kochbuch ist das Ergebnis eines dieser vielen kreativen Prozesse. Auf insgesamt 117 Seiten umfasst es 44 Rezepte, aufgeteilt nach Salaten, Suppen, Hauptgerichten und "Netten Kleinigkeiten zum Kombinieren" - allesamt fotografisch illustriert.

Wie es zu der Idee kam, ein Kochbuch zu gestalten, erzählt die Einrichtungsleiterin Corinna Roßkopf. Das "Atelier Eastend" ist eine Kooperation zwischen der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland (ZWST), der jüdischen Gemeinde Frankfurt und der Behindertenhilfe des Internationalen Bundes (IB). Die kreativen Angebote in den Räumen richten sich in an Menschen mit Behinderung oder psychischer Erkrankung, die nur eine geringe oder keine adäquate Tagesbetreuung beziehungsweise Beschäftigungsmöglichkeit haben - ganz unabhängig von ihrer Konfession oder Herkunft. Auch Besucher haben grundsätzlich Zutritt zu den Räumen. Wegen der aktuell notwendigen Hygiene- und Schutzmaßnahmen ist dies aber im Moment nicht möglich.

Im Mittelpunkt steht die Kunst als verbindendes Medium zur Überwindung konfessioneller, kultureller und sozialer Grenzen sowie die Förderung des gegenseitigen Austauschs. Weitere Schwerpunkte in der Arbeit der Einrichtung sind unter anderem die Stärkung der eigenen kreativen und alltagspraktischen Fähigkeiten, Beratungen zu weiteren Beschäftigungsmöglichkeiten und die Vermittlung jüdischer Kultur. In Vor-Corona-Zeiten gehörten das gemeinschaftliche Essen in familiärer Atmosphäre und der damit verbundene Austausch ganz selbstverständlich mit zum täglichen Ablauf in der integrativen Kunstwerkstatt. "Wir kochen jeden Tag selbst und immer mit frischen Zutaten", erzählt Roßkopf. Auch in den aktuellen Zeiten wird zu den Öffnungszeiten des Ateliers täglich frisch gekocht, jedoch mit dem Unterschied, dass die Mahlzeiten mit Abstand zueinander eingenommen werden. Essen, sagt die Einrichtungsleiterin weiter, nehme bei ihnen einen ganz wichtigen sozialen Aspekt ein.

Jeder darf hier für alle kochen

"Früher bekamen wir unser Essen von außerhalb. Das war aber nicht so lecker wie die frische Zubereitung. Und so haben wir das geändert", sagt Roßkopf. Jeder, der Lust dazu habe, ganz gleich, ob Mitarbeiter oder Besucher, kocht und so sind über die Jahre hinweg viele Lieblingsrezepte zusammengekommen, die in dem Kochbuch vereint werden. "Es gibt Menschen, die kommen zu uns, um für uns zu kochen", erzählt sie. Mittlerweile stehe in der Einrichtung auch ein Herd mit vier Platten und einem Backofen zur Verfügung. "Ganz lange haben wir nur auf zwei Platten gekocht", erinnert sich Roßkopf.

Für die Vorbereitung des Kochbuchs wurden die Zutaten aller Lieblingsrezepte zusammengetragen und notiert. Die gesamte Entwicklung inklusive des Designs wurde im "Atelier Eastend" erarbeitet. Die Stiftung Polytechnische Gesellschaft hat das Projekt finanziell gefördert. Das Kochbuch, das nicht kommerziell vermarktet wird, soll auch einen Einblick in den Alltag der integrativen Kunstwerkstatt geben. Es wird kostenfrei an Interessierte abgegeben. Wer möchte, kann aber einen kleinen Betrag für den gemeinsamen Mittagstisch im "Atelier Eastend" spenden. Alexandra Flieth

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