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Ein Ehrenamt auf drei Rädern

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Von: Friedrich Reinhardt

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Kornelia Nuhn nimmt für den Frankfurter Verband andere mit auf eine Rikscha-Tour durch den Mainbogen. An diesem Tag war Evelin Achenbach die Glückliche. FOTO: RAiner Rüffer
Kornelia Nuhn nimmt für den Frankfurter Verband andere mit auf eine Rikscha-Tour durch den Mainbogen. An diesem Tag war Evelin Achenbach die Glückliche. © Rainer Rüffer

Rikscha-Fahrer gesucht, die Ältere auf eine Tour mitnehmen

Kornelia Nuhn ist Rikscha-Fahrerin - und begeistert davon. In Sandalen tritt sie in die Pedalen des dreirädrigen E-Bikes. Der Elektromotor macht die Bewegungen sanft. Der weiße Schal weht ihr um den Hals. In ihrem blond-grauen Haar steckt die Sonnenbrille, während sie am Mainufer entlang über den Weg zu gleiten scheint. Auf dem roten Polstersitz vor ihr kann sich Evelin Achenbach entspannen, während die Flora und Faune des renaturierten Mainbogens an ihr vorbeizieht. Nach etwas mehr als einer Stunde ist die Rundfahrt beendet. "Danach fühle ich mich immer, als hätte ich ein Glas Sekt getrunken", erzählt Nuhn. "Beschwingt, belebt und so voller Freude."

Etwa einmal in der Woche steigt Nuhn für den Frankfurter Verband auf die Rikscha. Sie ist 59, war vor ihrem Ruhestand in der Hospizarbeit tätig und auch danach wollte sie gern mit älteren Menschen arbeiten. "Die Rikscha-Fahrten fand ich da eine ganz tolle Idee, weil es unseren Stadtteil aufwertet."

Jahrelang kaum vor die Tür gekommen

Seit April dieses Jahres bietet er die Fahrten an. Das Angebot richtete sich vor allem an Ältere und an Menschen, die nicht mehr so mobil sind. "Einmal bin ich mit einer älteren Fechenheimerin in den Mainbogen gefahren. Sie war seit den 90er Jahren nicht mehr dorthin gekommen", erzählt Nuhn. Viele Fahrgäste seien jahrelang kaum noch vor die Tür gekommen. Darum seien die Fahrten für die Gäste so ein großes Geschenk. "Wie groß ihre Freude dann ist, wie sie strahlen, wenn sie absteigen."

Sieben Rikscha-Fahrer sind zurzeit für den Frankfurter Verband ehrenamtlich tätig. Nicht genug. Der Verband sucht Verstärkung, sagt Naoual Alyarrudi, Leiterin des Begegnungs- & Servicezentrum Fechenheim. Sie hatte die Idee mit der Rikscha in Fechenheim etabliert. Jeweils rund zwei Stunden seien die Ehrenamtlichen gebunden an den Tagen, an denen sie Fahrten übernehmen. Die Rikscha durchchecken. Luftdruck. Bremsen. Damit das Gefährt gut in Schuss ist. Gelegentlich werden die Fahrgäste Zuhause abgeholt. Die eigentliche Tour durch den Mainbogen dauert ungefähr eine Stunde.

Etwas Kondition sollte da sein

Grundsätzlich sollten die Ehrenamtler eine gute Grundkondition haben, selbst regelmäßig Fahrrad fahren und kontaktfreudig sein, Spaß daran haben, mit den Fahrgästen zu schwätzen, sagt Alyarrudi. "Bei uns besteht keine Verpflichtung zu einer bestimmten Stundenzahl." Die Fahrer tragen sich einfach in den Dienstplan ein. Fertig.

Wirklich anstrengend seien die Fahrten wegen des Elektromotors nicht, sagt Nuhn. Bis sie die Rikscha aber sicher beherrschte, brauchte es Übung.

Dabei wird der Frankfurter Verband von der TSG Fechenheim unterstützt. Der Vorsitzende Klaus-Dieter Haupt ist auch Leiter der Abteilung Radtouristik. Er gibt den neuen Ehrenamtlichen Unterricht darin, wie die Rikscha funktioniert, wie man sie fährt und was es zu beachten gibt. Anfangs sei es gar nicht so leicht, die Rikscha zu fahren. Sich in die Kurve legen, funktioniert beispielsweise nicht. So ist der Wenderadius deutlich größer. "Nach zwei Stunden war ich überrascht, wie schnell man sich daran gewöhnt", sagt Nuhn. Und Haupt erklärt, dass nach vier oder fünf Übungsstunden alle sicherere Rikscha-Fahrer waren.

"Am Anfang habe ich das Gefühl der Verantwortlichkeit sehr stark gespürt", berichtet Nuhn. Dass die Sicherheit der anderen in ihrer Hand lag. Mit der Zeit sei das in den Hintergrund getreten. Nun überwiege das wohlige Gefühl, dem Gast einen schönen Tag zu bereiten. Die Neu-Fechenheimerin beispielsweise.

Es war eine ältere Dame, die nicht mehr allein leben konnte und deshalb nach Fechenheim ziehen musste, erzählt Nuhn. Für sie ein fremder Stadtteil in einer fremden Stadt. Eintritt in die Einsamkeit. Bis sie sich zu Nuhn in die Rikscha setzte. Nach der Fahrt soll sie gesagt haben: "Es war so schlimm für mich, hier fremd zu sein, jetzt erlebe ich hier so etwas Schönes." Darin liege der Zauber dieses Ehrenamts, sagt Nuhn. "Dabei ist es so etwas Einfaches."

Friedrich Reinhardt

Kontakt für Interessierte

Wer Lust hat, sich als Rikscha-Fahrer in Fechenheim zu engagieren, meldet sich einfach bei Naoual Alyarrudi: (069) 29 98 07 22 16 oder per E-Mail an naoual.alyarrudi@frankfurter-verband.de

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