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Viele Projekte könnten ohne Ehrenamtliche nicht angeboten werden, wie hier das Restaurant des Begegnungszentrums in Nieder-Eschbach mit Aniza Mihetec, Beate Preuß und Rosa-Maria Schoefer (von links).

Tag des Ehrenamts

Prof. Karlheinz Ruckriegel : „Ein Ehrenamt schafft Sinn“

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Prof. Karlheinz Ruckriegel (Nürnberg) erforscht das Glück. Er weist darauf hin, dass die Forschung zeigt: Ein Ehrenamt kann wesentlich zum Glück beitragen. Am Tag des Ehrenamts diskutiert er mit der Moderatorin Bärbel Schäfer (heute, 18 Uhr, Dompfarrsaal, Domplatz 12). Redakteur Thomas J. Schmidt hat schon vorher mit ihm gesprochen.

Herr Prof. Ruckriegel, Sie sind Wirtschaftswissenschaftler. Wie kommt man da zur Glücksforschung – und gibt es die überhaupt?

PROF. KARLHEINZ RUCKRIEGEL: Ja, die gibt es. Sie ist interdisziplinär und auch eines der wichtigsten und interessantesten Forschungsfelder in der Volkswirtschaftslehre. Auf diesem Feld arbeiten auch Psychologen, Soziologen, Neurobiologen und Mediziner.

Warum ist das aber eine Sache der Wirtschaftswissenschaften? Ich dachte, Sie haben mit exakten Zahlen und ziemlich viel Geld zu tun.

RUCKRIEGEL: Die Wirtschaftswissenschaft beschäftigt sich grundlegend mit der Frage, wie man mit begrenzten Mitteln seine Ziele bestmöglich erreicht. Es geht also darum, unsere begrenzten Mittel, letztlich also unsere Zeit, so einzusetzen, dass wir diesem Ziele möglichst nahekommen. Letztlich streben Menschen nach einem gelingenden, zufriedenen, glücklichen Leben und hier kommt das subjektive Wohlbefinden als Gradmesser und damit die Glücksforschung ins Spiel.

Aber wie wollen Sie Glück messen? Das ist ja bei Geld viel einfacher...

RUCKRIEGEL: Einfacher schon, aber nur bedingt zielführend. In der Glücksforschung sprechen wir von Glück im Sinne des subjektiven Wohlbefindens, und zwar in zwei Ausprägung: emotional und kognitiv. Emotional geht es um das Verhältnis zwischen positiven und negativen Gefühlen im Tagesdurchschnitt, kognitiv um den Grad der Zufriedenheit mit dem Leben.

Karlheinz Ruckriegel ist Professor für Wirtschaftswissenschaft an der Technischen Hochschule Nürnberg.

Wie messen Sie das?

RUCKRIEGEL: Testpersonen erhalten etwa über eine Smartphone-App die Frage, wie sie sich gerade fühlen. Wir sollten deutlich mehr positive als negative Gefühle im Tagesdurchschnitt haben (Faustregel: mindestens 3:1). Zum anderen werden Menschen gebeten, den Grad ihrer Zufriedenheit mit dem Leben auf einer Skala von 0 bis 10 zu bewerten. Die Ergebnisse dieser Befragungen für Deutschland finden sich etwa im jährlich erscheinenden Deutsche Post Glücksatlas. Die Glücksforschung liefert wichtige Erkenntnisse, die sich u.a. im jährlich erscheinenden UN-World-Happiness-Report und im OECD Better life Index niederschlagen und als Grundlage für Politikempfehlungen dienen. 2015 hat auch der Ökonom Angus Deaton von der Princeton University als Glücksforscher den Wirtschafts-Nobelpreis erhalten.

Und wie kommt jetzt das Ehrenamt ins Spiel?

RUCKRIEGEL: Untersuchungen der OECD zeigen, dass ehrenamtliche Tätigkeiten mit einer höheren Lebenszufriedenheit und einer positiven Stimmung verbunden sind. Und das hat Gründe: Ein Ehrenamt schafft Sinn, bietet Alternativen bei Ausscheiden aus dem Arbeitsleben, wirkt Stress in Zeiten persönlicher Krisen entgegen, ermöglicht soziale Interaktionen, liefert soziale Unterstützung und erhöht das Selbstvertrauen.

Ach. Das reicht schon? Was sind denn die Faktoren fürs Glück? Kann man das aufzählen?

RUCKRIEGEL: Ja. Gute soziale Beziehungen, Gesundheit, Engagement und eine befriedigende, sinnstiftende Tätigkeit bzw. Aufgabe, ein Mindestmaß an Kontrolle über unsere Leben und Einkommen zur Befriedigung unserer materiellen (Grund-)Bedürfnisse. Es kommt aber auch auf unsere innere Haltung an, also unsere Denkhaltung: Bin ich dankbar, optimistisch, begeistert oder pessimistisch, zynisch … – wie trete ich der Welt entgegen. Man kann also Einiges tun fürs Glück. Die AOK Bayern bietet hierzu seit einiger Zeit auch den Kurs „Gut mit sich umgehen“ auf der Grundlage der „Positiven Psychologie“ an. Eine Rolle spielt auch unsere Lebensphilosophie. In dem Zusammenhang: Religiöse Menschen sind häufiger glücklich als andere.

Weil sie leichter einen Sinn finden, gelassener sein können? Wäre dann nicht ein Ehrenamt in einer Kirchengemeinde gewissermaßen der sichere Weg zum Glück?

RUCKRIEGEL: Das Ehrenamt überhaupt: im Sportverein, im sozialen Bereich, bei den Maltesern, … Jeder sollte finden, was zu ihm passt. Freiwilligenagenturen auf kommunaler Ebene können hier eine wertvolle Beratungsleistung liefern.

Haben Sie ein Glücks-Motto?

RUCKRIEGEL: Ich halte es hier mit dem griechischen (Glücks-) Philosophen Epikur:„ „Wem genug zu wenig ist, dem ist nichts genug.“

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